Dienstag, 21. Oktober 2014

Working Mum


Es war ruhig hier die letzten zwei Monate, keine Frage.

Dafür gibt es einen guten Grund.
Anstrengend, aber gut.

Morgen wird Jonas ein Jahr alt (what the hell! Wo ist mein Baby hin?), aber das nur am Rande.
Dazu gibt es sicherlich einen gesonderten Post... wenn es die Zeit hergibt.
Nein, mit diesem magischen, nun endenden ersten Lebensjahr endet auch etwas ganz anderes... profanes... das Elterngeld. Jedenfalls, wenn man es sich - wie wir - für die Dauer von 12 Monaten auszahlen lässt.

Dass ich nicht in meinen alten Job zurückkehren würde war relativ früh klar. Zu große Differenzen mit dem Chef, sage ich mal.
Aber von nichts kommt nichts.
Es wäre toll, wenn wir auf mein Gehalt verzichten könnten, im Moment ist das aber noch nur ein schöner Traum.

Sonderlich flexibel ist man mit zwei kleinen Kindern nicht, vor allem, wenn eines der beiden Kinder noch in Vollzeit zu Hause weilt. Das macht die Jobsuche nicht gerade einfacher.

Fassen wir mal zusammen: Elterngeld fällt weg, die Mutti will und muss wieder ein paar Stündchen arbeiten neben den Kindern, der alte Job kommt nicht in Frage, Flexibilität ist Utopie... was liegt da näher als sich selbstständig zu machen?

So nahm recht spontan Ende August die schon lange in mir schlummernde Idee von der Selbstständigkeit mit einem Kinder-Second-Hand-Geschäft schlagartig Gestalt an.
Gewerbeanmeldung geht schnell und kostet nicht die Welt, und meine erste Kundin (die nette Beamtin beim Gewerbeamt) hatte ich auch direkt gefunden.

Und dann ging es los: Ware einkaufen, säubern, in den Warenbestand aufnehmen (mein Göttergatte hat mir in tagelanger Abendbeschäftigung ganz ausgefuchste Excel-Tabellen erstellt), nebenbei den eBay-Shop einrichten, Visitenkarten erstellen, Ware fotografieren, beschreiben, einstellen. Nach dem Verkauf die Tabellen auf den neuesten Stand bringen, Ware verpacken und versenden. Rechnungen schreiben nicht vergessen.
Und jeden Beleg aufheben! Zwischendurch vielleicht mal ne monatliche Einnahmen-Überschuss-Rechnung, damit es bei der Steuer einmal im Jahr dann nicht ganz so dicke kommt mit dem Papierkram (bisher ein guter Vorsatz, der September gammelt noch unbearbeitet im Ordner, und ich fürchte, der Oktober gesellt sich unbeachtet hinzu) und und und.

Irgendwann stellt man fest: Die Wohnung ist viel zu klein! Wohin mit dem ganzen Zeug?
Für ein angemietetes Lager bezahlt man ein kleines Vermögen und die größere Wohnung ist im Moment auch nur ein frommer Wunsch (es gibt hier einfach keine 4-Zimmer-Wohnung, für die man keine vierstellige Summe monatlich auf den Tisch legen muss... dafür kann man auch kaufen!).

Somit haben wir eine Wand des elterlichen Schlafzimmers mit Regalen ausgestattet und dort mein kleines Warenlager eingerichtet. Mit Kleiderstangen und allem drum und dran.

Dass gerade die Anfangszeit einer Existenzgründung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, wusste ich. Dass es SO viel sein würde... na ja, reden wir nicht drüber.

Mein Herz träumt von einem eigenen, kleinen Ladenlokal irgendwann.
Der Verstand und die Finanzen (und auch alle Menschen, mit denen ich mich vor der Realisierung darüber unterhalten habe) sagen, dass das Internet die bessere, risikolosere Variante ist.

Auf das Jahr gesehen schreibe ich nun nach eineinhalb Monaten natürlich noch keine schwarzen Zahlen, aber das Geschäft läuft. Es läuft viel besser als ich mir erhofft hatte, bringt mich dadurch aber auch so manches mal ins Schwitzen und den Haushalt beinahe an den Rand des Chaos.
Die Arbeit muss gemacht werden, die Kinder dürfen nicht zu kurz kommen, aber für Abwasch und Aufräumen reicht es dann öfter mal einfach nicht mehr.

Im Moment dürften meine Tage ruhig 36 Stunden haben, vielleicht würde ich dann alles unter einen Hut bekommen.
Solange es bei 24 Stunden bleibt versuche ich mein Bestes, und wer auch immer diese Wohnung betritt muss einfach damit rechnen und leben, dass hier und da mal was herumliegt, neu eingetroffene Ware sich im Flur oder unter der Wohnzimmertreppe stapelt und die Spülmaschine auch mal wieder Zuwendung gebrauchen könnte.






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