Montag, 19. Mai 2014

Perfekter, guter Morgen!

Ein Mythos!

Jedenfalls bei uns.

Im wahrsten Sinne des Wortes traumhaft wäre es folgendermaßen:
Die Vögel zwitschern, ein Sonnenstrahl schleicht sich durchs Fenster und streichelt sanft die Wange, bis man frisch und erholt mit einem Lächeln im Gesicht aufwacht. Man räkelt und streckt sich ein wenig, auf leisen Sohlen kommt die Madame ins Schlafzimmer geschlichen - überaus gut gelaunt - und kuschelt sich zwischen Mama und Papa ins Bett. Aus dem Nachbarbettchen vernimmt man fröhliches Brabbeln und Schmatzen des kleinen Mannes. Man hat Zeit, ganz viel Zeit, unendlich viel Zeit zum Kuscheln, Dösen, Quatschen und lässt in aller Ruhe den Tag beginnen. Den freien Tag, wohlgemerkt. Ohne Termine, ohne Verpflichtungen.

Utopisch.

Tatsächlich drängt sich viel zu früh - eigentlich ist es noch mitten in der Nacht - der Wecker laut jaulend in meine Träume. Oder aber der Muppes holt mich sehr eindringlich, aber sicherlich nicht fröhlich brabbelnd und schmatzend, in den Tag, um seinen Hunger gestillt zu bekommen.
Die Sonne scheint nicht, schon gar nicht streichelt sie mich, dafür ist es viel zu früh. Selbst die Vögel schlafen noch. Mir stehen die Haare zu Berge, und mein Körper fühlt sich an, als wäre ich gerade erst ins Bett gefallen.
Kaum fähig, die Augen auf mehr als Halbmast zu öffnen, wanke ich entweder in die Küche, um die Flasche zuzubereiten oder ins Bad, um mich tageslichttauglich herzurichten - soweit das unter den Umständen überhaupt möglich ist. 
Je nachdem, wer schneller war: Wecker oder Muppes.

Möchte mir der Tag nur allzu deutlich signalisieren, dass ich besser im Bett geblieben wäre, stolpere ich unterwegs über Kater-Kotze (im besseren Fall - im schlechteren Fall trete ich mitten hinein), der ich dann erst mal mit Küchentüchern und lauten Flüchen zu Leibe rücke.

Nachdem Muppi und Mama abgefertigt sind wird es Zeit, die Madame zu wecken. Die Uhr tickt, der Kindergarten macht mehr oder weniger pünktlich das Tor zu, und Johanna wird natürlich nicht gut gelaunt von alleine wach, sondern muss so sanft wie nur irgend möglich aus dem Land der Träume geholt werden. An dieser Stelle darf ich anmerken: Es ist völlig egal, wie sanft man sie tatsächlich weckt, der Morgen ist für die Madame so oder so gelaufen.
Da sie von irgendjemandem dieser Familie - es ist mir ein Rätsel, von wem - das Morgenmuffelgen geerbt hat, kann das Vorhaben nur in die Hose gehen.

Nun hat man also eine unglaublich schlecht gelaunte Madame am Esstisch sitzen, auf der Krabbeldecke unterhält sich der Muppi mit seinem Spielzeug, und man selber ist erst in etwa eineinhalb Stunden wirklich ansprechbar.

Perfekter, guter Morgen, oder?

Die Madame möchte natürlich nicht frühstücken. Jedenfalls nicht sofort.
Erst, wenn man nach Schuhen und Jacke greift, um sich auf den Weg zum Kindergarten zu machen, fällt ihr ein, dass sie unbändigen, sofort und augenblicklich zu stillenden Hunger hat. 
Laut fällt ihr das ein. Sehr laut. Sehr weinerlich. 
Man hat Johanna nicht vorher bereits einige Male darauf hingewiesen hat, dass es Zeit ist zu frühstücken, weil es sonst bis zum Kindergarten nichts gibt.
Ganz nebenbei: Dieses Gejaule ist echt nervig, aber dieses Gejaule am frühen Morgen noch vor dem ersten Kaffee ist nicht zu ertragen!
Und während die Madame nun doch noch ihr Brot isst, hat der Muppes den Morgenschiss erledigt. Da gibt es kein Vertun. Die Duftmarke ist unverkennbar und überwindet sogar die Meter zwischen Spieldecke und Esstisch mühelos.

Nach einem gehetzten Blick auf die Uhr - tick-tack, tick-tack - eilt man mit einem ganz sicherlich nicht nach Lavendel duftenden Männlein auf dem Arm zum Wickeltisch, um die Schweinerei wieder in Ordnung zu bringen. Der gehetzte Blick auf die Uhr passiert dabei übrigens eher automatisch als dass er wirklich Sinn hätte, denn egal, wie spät es bereits ist, den Muppi lässt man so oder so nicht in seiner Verdauung sitzen. Selbst wenn man nur den Hauch einer Sekunde darüber nachdenken sollte, die Windel erst dann zu wechseln, wenn man vom Kindergarten zurück ist, macht Jonas sehr deutlich, was er davon hält, länger als unbedingt nötig mit einer Stinkbombe am Hintern sein Dasein fristen zu müssen. 
Sehr laut und sehr weinerlich macht er das deutlich.

Immerhin hat die Madame so eine letzte Galgenfrist für ihre viertel Scheibe Brot, an der sie - so unbändig hungrig! - herumnagt.




An guten Tagen schaffen wir den Rest nun spielerisch: 
Muppi sauber, Johanna satt, alle gewaschen, angezogen und einigermaßen vorzeigbar, die Kindergartentasche samt Frühstücksbrot gepackt, Schuhe und Jacke an der Madame ohne nennenswerte Zwischenfälle, Jonas in der Babyschale ohne nennenswerte Zwischenfälle, ab ins Auto, Kindergarten und zurück, auf die Couch fallen lassen, durchatmen. Muppi dabei nicht in der Babyschale im Flur vergessen, sondern vorher auf der Spieldecke platzieren!

An schlechten Tagen hat die Madame überhaupt keine Lust, sich Schuhe oder Jacke anzuziehen und es gibt einigen Diskussionsbedarf. 
Gerne wird vergessen, wo Plüschkater Tom zuletzt gesehen wurde (der muss natürlich mit in den Kindergarten!), und in aller Eile muss gesucht werden. Nicht zu verwechseln mit echtem Kater Eddy! 
Hat man dann endlich die Klamotte am Kind und den richtigen Kater in der Tasche, stellt man fest, dass Jonas doch einen Schluck zuviel Milch getrunken haben muss beim Frühstück. Milchsabber am Kinn, nasse Jacke oberhalb des Bauchnabels sitzt er in seiner Babyschale und grinst. Da man vergessen kann, auch nur annähernd pünktlich im Kindergarten anzukommen, schaut man gar nicht mehr gehetzt zur Uhr, sondern schnappt sich sofort den kleinen Mann, um ihm einen neuen, einen trockenen Dress zu verpassen.
Wenn man Glück hat, wartet die Madame brav im Flur.
Hat man nicht ganz so viel Glück, entledigt sie sich in der Zeit ihrer Jacke und Schuhe, weil es ja eh noch dauere und es zu warm sei, so die lapidare Aussage.

Ich gehe nicht weiter ins Detail, auch an solchen Tagen kommen wir irgendwie, irgendwann im Kindergarten an, und ich atme umso mehr durch, wenn ich wieder zu Hause bin und mich auf die Couch fallen lassen kann.
Alltag mit zwei Kindern? Ein Vergnügen, das ich nicht missen möchte.
Alles andere wäre viel zu langweilig!

Kommentare:

  1. Wow, der Alltag mit 2 Kindern. Respekt sag ich nur!

    Mir reicht schon ein kleines Schreimonster ;-)

    lg

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    1. Das kleine Schreimonster ist ja recht frisch, habe ich eben gesehen. Glückwunsch! :)

      98% der Zeit ist es herrlich mit den Beiden, die anderen 2% finden sich dann unter anderem in solchen Morgenstunden. Das gehört dazu, und wie geschrieben: Alles andere wäre langweilig. Ganz ehrlich! :)
      Respekt... wie viele Mütter haben drei, vier, fünf Kinder und/oder sind alleinerziehend und arbeiten... davor ziehe ich wirklich den Hut. Dagegen ist mein Leben mit den Beiden hier ja ein Spaziergang. ;o)

      Liebe Grüße,
      Rebecca

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  2. Hihi - das ist mal wirklich Lebensnah! Ich habe zwar nur ein Kind, aber das Verhalten Deiner Tochter erinnert mich sehr an das meiner Motte in den Morgenstunden. Ich bin beruhigt, dass es nicht nur bei uns morgens chaotisch ist und man - egal wann man aufsteht - immer das Gefühl hat, die Zeit ist zu knapp!

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    1. Und ich bin beruhigt, dass es Kommentare wie diesen gibt. So sehe auch ich, dass es nicht nur bei uns morgens chaotisch ist. ;o)

      Liebe Grüße,
      Rebecca

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  3. Hach, das erinnert mich an meine Mutter-Zeit in den 90ern.
    Mir gings mit meinen Zweien auch oft nicht anders.
    Bin übrigens über google hier gelandet.
    Enkelchen 12 mon. hat die orale Phase ausgelassen und jetzt Essprobleme.
    LG von hinter Krefeld (von dir aus) - Heike ;o)

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    1. Ein Dank an Google. ;o)

      Ich wünsche euch, dass es nur eine Phase ist und vorbeigeht oder das Enkelchen einfach etwas langsamer ist. (Wie ich es auch bei Johanna immer wieder gesagt bekommen habe.)
      Sollte doch eine ernste Problematik dahinterstecken, dann wünsche ich euch, dass ihr einen kompetenten, aufgeschlossenen Kinderarzt habt und möglichst früh entsprechende Hilfe erhaltet.
      Gerne könnt ihr mich auch per Mail anschreiben.
      Ich habe für sowas immer ein offenes Ohr.
      Und ebenfalls Betroffene zu finden ist auch für mich immer noch sehr wichtig. Man fühlt sich nicht so alleine. ;o)

      Liebe Grüße und alles Gute,
      Rebecca

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  4. Danke für die Erheiterung - vor allem die Katzenkotze kenn ich nur zu gut. Gern vor allem da, wo man sie nicht so leicht wegwischen kann, Teppich oder Sofa oder direkt in den Lieblingsschuh. Meine Fresse... das Zeitproblem kenn ich auch und die Schisse, die genau dann kommen, wenn man sie am Wenigsten braucht. Cool geschrieben ;) Liebe Grüße, Janina

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  5. Ach schön geschrieben, ich hab die Katzenklos mittlerweile ich die Ecken verband, an welchen ich nie vorbei laufe :D

    Liebe deinen Blog.

    LG Susanne

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