Samstag, 22. Februar 2014

Vom Impfen, Delfinen und verrinnender Zeit

Ich werde hier nun nicht erneut das schon oft durchgekaute Für und Wider des Impfens zum Besten geben.

Johanna ist den Empfehlungen entsprechend geimpft (ich habe nicht ansatzweise darüber nachgedacht, sie nicht impfen zu lassen), und auch Jonas hat gestern seine zweite Dröhnung verpasst bekommen.

Der kleine Mann ist tougher als seine große Schwester. Wie man es von einem richtigen Kerl erwartet.
(Hallo, Genderdiskussionsgedöns!)
Während Johanna sich regelmäßig stundenlang über die fiesen Spritzen aufgeregt und den Doc auch Wochen später noch nicht eines Blickes gewürdigt hat, ist der Muppes im Moment des Pieksens natürlich gar nicht erfreut, vergisst seinen Unmut aber auch schnell wieder, sobald die Spritzen nicht mehr zu sehen und vor allem nicht mehr zu spüren sind.
Strahlemännchen vom Feinsten. Sogar dem Doc gegenüber.

Dafür hat Jonas am Tag des Impfens und die ersten ein oder zwei Tage danach ein wenig mit den Nachwehen zu kämpfen. Aus dem ohnehin schon Arm-Kind wird ein im-Grunde-nicht-wegzulegen-Kind. Am Wochenende (wie jetzt) halb so wild, wir sind ja zu zweit und können uns abwechseln beim Tragen des Traglings. 
Unter der Woche allerdings wird mir dann schmerzlich der Luxus bewusst, mit dem mich Jonas jetzt bereits erfreut, wenn er nicht gerade geimpft worden ist: 
Der Luxus des Kindes, das sich gut auch schon mal eine ganze Weile mit sich selber auf der Spieldecke beschäftigen kann. 
Der Luxus des Kindes, das ohne Probleme tagsüber mehrere Schläfchen in seinem Bett verichtet. 
Der Luxus des Kindes, das ohne Gemecker abends ins Bett geht und acht bis zehn Stunden durchschläft.
Der Luxus des Kindes, das einen immer anstrahlt, es sei denn, es tut etwas weh oder der Magen knurrt.

Wenn ich mir das so anschaue, bin ich doch eine ganz schön verwöhnte Mutti.
Johanna war damals ab Erreichen des vierten Lebensmonates schon denkbar pflegeleicht und sehr freundlich, nachdem die ersten drei Monate der Horror waren.
Ihr kleiner Bruder nun tut es ihr gleich. Und mit ihm waren - abgesehen vom eigenen Schlafmangel und diversen Schlafproblemen beim Muppi - die ersten drei Monate schon recht angenehm.

Wenn er dann jedoch frisch geimpft worden ist braucht man auf einmal wieder vier Arme oder noch besser: Man kann sich teilen. 
Somit bin ich froh, dass es diese zweite Dröhnung nun am Freitag gegeben hat und Thomas mit anpacken kann, sonst würde Johanna mal wieder ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, weil man nahezu permanent mit dem Muppes beschäftigt ist.

Ansonsten bin ich ziemlich erschrocken, wie die Zeit rast.
Der nächste Impftermin ist bereits gemacht, zusammen mit der U5, und zu dem Zeitpunkt wird Jonas dann schon ein halbes Jahr alt sein. Ein  h a l b e s  J a h r !
Meine Güte.
Und gestern gabs im Kindergarten ein Infoblättchen zum Delfin-Test.
Für diejenigen, deren Gesichter nun wie Fragezeichen aussehen: Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung, kurz Delfin 4 (Diagnostik, Elternarbeit, Förderung der Sprachkompetenz in Nordrhein-Westfalen bei 4-Jährigen).
Einschulung. EINSCHULUNG?
Johanna ist doch gerade erst auf die Welt geflutscht, wer redet da von Schule? 
Und wieso überhaupt?
Und dann noch diese Kleinigkeit, dass wir gar nicht sicher sind, ob sie tatsächlich erst übernächstes Jahr eingeschult wird oder nicht vielleicht doch schon nächstes Jahr. 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Kinder sollen (müssen!) so lange Kinder sein dürfen wie möglich. Ungezwungen, ohne Druck, schön in den Tag hinein spielen und ganz nebenbei lernen, was sie lernen möchten und vor allem  s p i e l e r i s c h  lernen können.
Doch Johanna hat im November Geburtstag, das bedeutet, wird sie übernächstes Jahr eingeschult ist sie zu diesem Zeitpunkt fast sieben Jahre alt.
Nun wäre sie nicht die erste und sicherlich auch nicht die letzte (fast) Siebenjährige, die eingeschult würde, und das würde mich auch gar nicht weiter stören, würde sie nicht jetzt schon mit den Zahlen bis 10 rechnen, diverse Wörter schreiben und ein viel zu großes Interesse am geschriebenen Wort zeigen. Von (altersgerechten) Logikrätseln, mit denen man ihr allenfalls mal kurz die Zeit vertreiben kann ganz abgesehen.

Eine schwere Entscheidung, die wohl überlegt und sicherlich nicht jetzt getroffen werden will.
Wir werden uns anschauen, wie sich Johanna im kommenden Kindergartenjahr entwickelt, ob sie noch Spaß hat oder ob die Langeweile Einkehr hält, wir warten die U9 im kommenden Februar (oder so) ab, anschließend werden wir uns mit allen Erkenntnissen mit unserem Kinderarzt und den Erzieherinnen kurzschließen, und dann schauen wir mal, ob wir einen Sonderantrag stellen (müssen) oder nicht. 

Geht es nach Johanna ist sie laut eigener Aussage "schon reif für die Schule". Mit heftigem Nicken dabei.
Allein diese Wortwahl finde ich einigermaßen erschreckend.

Auf den Schreck schnell noch ein Foto vom kleinen Guten-Morgen-Jonas, der hoffentlich noch ganz lange so klein bleiben wird.
Utopisch, ich weiß.



Kommentare:

  1. Genau darüber denke ich auch nach. Mats ist auch von November und geht schon in die Kita seit er 1,5 Jahre alt ist. Eine wahnsinnig schwierige Entscheidung finde ich auch. Bin gespannt, wie Ihr Euch entscheidet. LG, Nina!

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    1. Eigentlich mag ich darüber wirklich noch nicht nachdenken, aber es drängt sich ja quasi von alleine auf... so viele Faktoren, die man berücksichtigen muss. Und in erster Linie möchte man ja im Sinne des Kindes entscheiden. Aber wie kann man sicher sein, dass man den richtigen Sinn trifft? Schwierig, schwierig... zum Glück können wir noch ein Jahr lang schauen...

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  2. Diese Frage werde ich mir bei meinem Kleinsten (November 2013) irgendwann auch stellen müssen. Zum Glück ist das noch gaaanz weit weg. Wenn die Zeit nur nicht so rasen würde...

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    1. Es geht wirklich viel zu schnell... dann ist euer Kleinster ja ähnlich alt wie Jonas. :)

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