Dienstag, 25. Februar 2014

Viele kleine Schritte

Johanna überrascht uns immer wieder. 
Keine Frage.
Aus dem Nichts - wenn man am wenigsten damit rechnet - kommt etwas ganz Neues.

Um den freudigen Moment, auf den ich gleich näher eingehen werde, ins rechte Licht zu rücken, muss ich ein wenig weiter ausholen: 
Ihre Wahrnehmungsstörung blockierte nicht nur in erster Linie ihre Esserei, sondern auch das leidige Thema "Trockenwerden".
Für sie ist es nicht einfach nur ein auf-Toilette-gehen-Lernen, sondern vielen taktil Überempfindlichen bereitet das Nacktsein (sei es auch nur partiell, also heruntergelassene Hose) ein ganz, ganz großes Problem, hat es doch etwas mit Schutz aufgeben zu tun. Ganz abgesehen davon, dass es tatsächlich eine Form von körperlichen Schmerzen bereiten kann, wenn bestimmte Empfindungen an die Haut geraten, die das überempfindliche Kind in dem Moment nicht verarbeiten kann.
Zum Beispiel die Kühle/Kälte eines Plastiktöpfchens oder einer Klobrille. Das Plastik an sich. Dazu der nackte Hintern. Ganz viele Reize, die verarbeitet werden müssen, die das Gehirn eines Kindes mit einer Wahrnehmungsstörung unter Umständen jedoch nicht oder nur sehr, sehr schwer verarbeiten kann.

Folglich ist Johanna bis heute nicht trocken. Nicht mal ansatzweise. 
Sie hat bis vor wenigen Tagen komplett verweigert, auch nur wenige Minuten mit nacktem Hintern herumzuliegen. Von Herumlaufen (dieses klassische "im Sommer lasse ich sie einfach nackt laufen, dann wird sie schon trocken") ganz zu schweigen.

Da ich im Laufe der Jahre durch eigene Erfahrungen und die Therapien gelernt habe, dass man mit Zwang und Druck überhaupt gar nichts erreicht, habe ich das Problem einfach so im Raum stehen lassen.
Und mal ganz ehrlich: Johanna ist zwar schon vier Jahre alt, aber soooo wahnsinnig dramatisch ist das nun auch nicht, dass sie noch nicht trocken ist. Sie ist nicht die erste Vierjährige, die noch Windel trägt und wird auch nicht die letzte sein. Wahrnehmungsstörung hin oder her.

An dieser Stelle einmal kurz zwischengeschoben, da es immer noch Spezis gibt, die mir erzählen wollen, ich würde mir von meinem Kind auf der Nase herumtanzen lassen, und ich solle mich ihr gegenüber einfach mal richtig durchsetzen: Das Ganze hat nichts mit Verwöhnen zu tun oder damit, dass ich Johanna nicht richtig zeige, wo es lang geht. 
Vielmehr ist das Ganze eine Krankheit. Oder war. 
Die Madame scheint ja inzwischen austherapiert zu sein und holt nun alles nach, was noch fehlt.
Daher: Wenn man keine Ahnung hat...

Jedenfalls war ich immer der Meinung (und wurde darin auch von unseren Therapeuten und unserem Kinderarzt bestätigt), dass sich Johanna schon meldet, wenn sie bereit ist für die Toilette.

Natürlich haben wir immer mal wieder mit ihr darüber gesprochen, in letzter Zeit, wo wir nun gemerkt haben, dass sie sich wahnsinnig weiterentwickelt hat, verstärkt, und siehe da: 
Am Sonntag hat sie sich zum allerersten Mal in ihrem Leben getraut, mit heruntergelassener Hose ins Bad zu gehen und sich auf ihren Sitz auf die Toilette zu setzen. Natürlich wurde ihr das Ganze sehr schnell unangenehm, sie fing an zu weinen und wollte wieder hinunter, Geschäft hat sie auch nicht erledigt, aber wollen wir auch noch Ansprüche stellen? Nein!

Dass sie sich endlich, endlich überwunden hat ist ein so großer Fortschritt. 
Wieder mal!

Die Prozedur hat sie am selben Tag noch einmal wiederholt, und auch am Montag saß sie zweimal auf der Toilette. Auf eigenen Wunsch! Und da schon ganz ohne Weinen. Zwar immer noch ohne Geschäft und nicht lange, aber wir wissen ja, dass wir viele kleine Schritte mit ihr machen müssen, um ans Ziel zu gelangen.
Ich bin einfach wahnsinnig stolz, dass sich unsere Madame endlich traut.
Nun wird der Rest auch noch kommen. Ganz sicher. Wie alles andere bisher auch. Man muss Johanna nur die Zeit geben, die sie braucht. Und die haben wir.

Gestern bin ich bei dm dann über diesen schönen, bunten Toilettensitz gestolpert und habe ihn der Madame gleich mitgebracht. Auch noch gepolstert, damit es richtig bequem ist. Wenn das nicht zieht... 




Und dann ist da ja auch noch das inzwischen beinahe lächerlich normal gewordene Essen.
Am Wochenende gab es selbstgemachte Pizza, und die Madame hat richtig zugeschlagen. Zwar nur Margherita-Style, aber auch hier wollen wir selbstverständlich keine großen Ansprüche stellen. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass sie sich die Pizzastückchen eines nach dem anderen zwischen die Zähne schiebt? Mit dem knusprigen Rand?




Und zum Nachtisch dann auch noch ein Eis.




Wir freuen uns immer noch nen Wolf über jedes kleine Schrittchen auf dem langen Weg zur absoluten Normalität!
Mal schauen, wie weit der Weg zur Windelfreiheit nun noch ist. 
Ich bin gespannt.

Kommentare:

  1. Ach ist das süss.. das freut mich total für euch und besonders für eure kleine Lady!!!

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  2. Danke. :) Wir freuen uns auch sehr.

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  3. Das ist einfach sooo unglaublich, grade wenn ich die Bilder mit dem Essen sehe, da fehlen mir die Worte vor Stolz und Freude für Euch!
    Und das mit dem aufs Klo setzen klingt ja schon megatoll, es sind kleine für sie aber so große Schritte! Supi
    :-D Typische Anfangsaktionen halt, mal schauen wie das eben so ist. Das Sitzchen ist sicher eine gute Sache weil es schön bunt und weich ist, bei meiner Mum haben wir das auch für Mimi und sie mag das gerne.
    Das klingt alles jedenfalls ganz ganz toll, ich freu mich echt voll mit. ^^
    GLG, MamaMia

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    1. Vielen Dank! :)
      Ich bin gespannt, wie es weitergeht beim Projekt "Trockenwerden". Sie ist da wirklich noch sehr, sehr zögerlich, aber wir lassen ihr wie gesagt ihre Zeit.
      Jedenfalls freuen wir uns auch wie Bolle, dass es scheinbar weitergeht, wenn auch in winzigen Minischritten. :)

      Gruß,
      Rebecca

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  4. "Trockenwerd" ist echt ein grosses Projekt, bis jetzt hab ich Muckelie noch nicht mal auf's Töpfchen gesetzt....

    LG Susanne

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