Freitag, 14. Februar 2014

Mit den Augen meines Mannes

Es gibt lichte Momente, in denen bin ich äußerst selbstreflektiert.
Meistens nachts im Bett, wenn ich gerade eh nichts anderes zu tun habe. 
Setzt ein solcher Moment ein, kann ich mich noch so sehr dagegen sträuben, vor meinem geistigen Auge ploppt unaufhaltsam dieses Bild auf, und aus dem vermaledeiten Bild wird eine ganze Szene, die sich ungefragt, doch erschreckend realitätstreu, wie ein Film auf einer Leinwand abspielt.

Man stelle sich vor, hart arbeitender Ehemann kommt nach verrichtetem Tagwerk geschafft nach Hause und freut sich darauf, den Abend ruhig und entspannt auf der Couch zu verbringen. Wenn man bei den zwei oder drei Stündchen, die man hat, überhaupt von "Abend" als solchem sprechen kann.
Jedenfalls genießt Mann den Feierabend vor dem Fernseher, nachdem er sich noch ein wenig um die Kinder gekümmert hat, die auch ihr Stückchen vom Papa-Kuchen haben wollen, er entschwindet mit dem einschläfernden Gemurmel des Flimmerkastens (ich liebe dieses Wort, auch wenn es längst so so antiquiert ist) langsam ins Land der Träume, und dann passiert es:

Die dicke Mamsell, das Eheweib - oder schlicht ich - kommt aus der Küche ins Wohnzimmer gestapft. Die großen Hände in die viel zu üppigen Hüften gestützt baut sie sich vor dem arglos und selig schlummernden Männlein auf. 
Müder, glanzloser Blick, die langen Haare langweilig (doch dem Muppes gehuldigt, der mit Vorliebe Mamas Haare ausrupft, wenn er sie irgendwie in die Finger bekommt) zum praktischen, muppesfernen Pferdeschwanz zusammengebunden, von Styling in irgendeiner Form keinerlei Spur.
(Ich könnte mich an dieser Stelle mit der vorgerückten Stunde herausreden, doch wäre das schlicht gelogen. Ich bin eigentlich nie sonderlich gestylt. Warum? Keine Zeit, keine Lust, kein Bedarf, irgendeinen Grund wird es schon geben. Und die Sache mit dem "Bedarf" möchte ich gar nicht weiter ausdiskutieren, da gibt es sicherlich gegenteilige Meinungen.)
Die schlabberige, verwaschene und völlig aus der Form geratene Snoopy-Schlafanzug-/Gammelhose, die der Mamsell gerade übers Knie reicht und im Bund derart ausgeleiert ist, dass sie regelmäßig hochgezogen werden muss, möchte man nicht Gefahr laufen, sie allzu bald unterhalb des Hinterns hängen zu haben, hat auch schon bessere Tage gesehen. Doch Johanna - das nur am Rande - liebt diese Hose. Schließlich ziert sie ein Snoopy.

Jedenfalls baut sich dieses wahre Prachtbild von Eheweib vor seinem Männlein auf, zieht noch mal schnell die Snoopy-Hose hoch, zupft einmal ordentlich am dicken Onkel, um es sanft, aber bestimmt aus dem Schlaf zu rupfen, macht hinter seiner Brille vielsagend große Augen, öffnet den Mund, und heraus kommt ein schier endloser Sermon Gemecker, ähnlich dem einer zickigen Ziege.
Warum ist dieses oder jenes noch nicht erledigt? 
Wenn du schon [xy (an dieser Stelle darf der geneigte Leser jedwede Aufgabe den Haushalt betreffend einfügen, die ihm einfallen mag)] machst, dann aber richtig (frei interpretiert).
Und was ist überhaupt mit...?

Der Mann, verschlafen und völlig überfordert, öffnet und schließt den Mund wie ein Fisch auf dem Trockenen, macht seinerseits große Kulleraugen und weiß überhaupt nicht, wie er auf diesen hinterhältigen Überfall adäquat antworten soll.
Wen wunderts?

Ploppt eine solche Szene aus aktuellem Anlass nachts hinterhältig und unerwartet auf, dann erscheint direkt daneben eine Gedankenblase mit nur einer einzigen Frage darin: Was an dir liebt er eigentlich?
Du bist viel zu oft das klassische, genervte, keifende Weibsbild, nicht großartig zurechtgemacht, dein Körper hat auch schon bessere Zeiten erlebt, nette Klamotten könntest du dir auch mal wieder leisten (neben der Snoopy-Hose, versteht sich), und momentan bist du eigentlich sowieso nur Mama und HAUSfrau, nicht einfach nur Frau.

Doch irgendetwas muss da noch sein, das er lieben kann. Jedenfalls sagt er das. Dass er mich liebt. 
Als Frau - nicht die klassische, genervte, keifende Variante - will ich mal so nett sein, das einfach zu glauben und mich darüber zu freuen.
Und wenn ich mich ab und zu einmal selber nerve, wenn auch nur im Nachhinein, dann wird es vielleicht wirklich langsam Zeit, mich öfter mal am Riemen zu reißen, noch bevor es wieder nervig werden kann.
Schließlich soll das ja so bleiben, das mit der Liebe.




In diesem Sinne,
Happy Valentine's Day!

Kommentare:

  1. Ich lese jetzt schon länger mit. Es gefällt mir super, was und wie Du schreibst! Das wollte ich einfach mal loswerden. Viele liebe Grüße, ich glaube ganz aus der Nähe, von Nina!

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    1. Hallo Nina,
      vielen Dank! Und schön, dass du dich mal gezeigt hast. :)
      Wirklich um die Ecke.
      Gruss, Rebecca

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  2. "Wir mögen Menschen wegen ihrer Qualitäten, doch lieben wir sie wegen ihrer Fehler...."

    Manchmal denke ich auch so, doch letztendlich kommt es doch auf die inneren Werte an. Wenn man sich so oberflächliche Beziehungen ansieht und solche Paare kennenlernt, wird doch eins schnell klar: Wer sich nur aufgrund der Optik liebt und einen Partner zum herzeigen braucht, lebt in einer Beziehung, die recht schnell endet und keine langfristige Zukunft bietet.

    DENN: wir alle werden älter, haben unsere Macken und Fehler...und müssen ans uns arbeiten. Na und? Nobody is perfect!

    Sei froh über deinen Mann, dass er dich so liebt und akzeptiert wie du bist!

    Egal wieviel du keifst und schimpfst, irgendwann ist das unwichtige Thema doch vergessen.
    Warum? Weil Liebe bedingungslos ist....



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    1. Vielen Dank für diese schönen, wahren Worte!
      Liebe Grüße,
      Rebecca

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