Mittwoch, 26. Februar 2014

Der perfekte Moment

Jeder, der auch nur ein bisschen für Fotografie schwärmt, wird wissen, wovon ich rede: Man möchte den Moment bannen. Festhalten. 
Konservieren, um ihn immer und immer wieder anschauen und nachempfinden zu können.
Die wunderschöne Blüte, der Sonnenstrahl, der durch die Wolkendecke bricht, dieses oder jenes Tier, das gerade eine ganz außergewöhnliche Darbietung gibt (im Zoo beispielsweise), Momentaufnahmen im Großstadtleben, und vor allem - und da spreche ich auch mich natürlich nicht von frei - die lieben Kinderchen. Vornehmlich die eigenen.

Ich habe schon immer gerne fotografiert, daher zog natürlich irgendwann eine Spiegelreflexkamera bei uns ein, doch seit wir Kinder haben, ist die Fotografiererei quasi zur Sucht geworden.
Dank der digitalen Technik kann man einfach draufhalten, in Serie produzieren. Den Ausschuss löscht man wieder, und die wenigen, vereinzelten Aufnahmen, die wirklich gelungen sind, hebt man auf.
Und seien wir mal ehrlich: Das sind wirklich wenige.
Das meiste ist verwackelt, verschwommen, man hat in der Bewegung nur noch einen nicht erkennbaren Rest des Kindes erwischt, oder das Bild gefällt trotz Schärfe einfach so nicht, weil man zu sehr Perfektionist ist.

Früher, als man noch Filme entwickeln (lassen) musste, als jedes einzelne Bild richtig Geld gekostet hat, da hat man sich gut überlegt, was genau es nun wert ist, fotografisch festgehalten zu werden. Man hatte nicht permanent die Kamera vor dem Gesicht, außerordentlich bemüht, alles festzuhalten, um ja den einen, den perfekten Moment nicht zu verpassen und für immer zu konservieren.

Dabei verpasst man dadurch viel zu oft die wirklich perfekten, einzigartigen Momente.
Das Lächeln des Babys, das sich freut, endlich die Drehung geschafft zu haben, die man selber nur durch das Objektiv hindurch miterlebt hat. 
Das Funkeln in den Augen, wenn es etwas entdeckt, was seine ganze Aufmerksamkeit fordert. 
Das Jauchzen und Lachen des heranwachsenden Kindes, das endlich ohne Stützräder ein ganz schön langes Stück Weg auf seinem Rädchen zurücklegt.
Die Freude in den Gesichtern auf dem Spielplatz, im Zoo, im Park, beim Spaziergang, zu Hause... 
Die Liste ist schier unendlich.
Die perfekten Momente, die die kleinen Menschlein ganz intim und freudig mit ihren Eltern teilen möchten. Ohne schwarzen Apparat dazwischen.

Ob Jonas und Johanna wissen, dass Mama und Papa keine viereckigen, schwarzen Gesichter mit spiegelndem, rundem Ding in der Mitte haben?
Wahrscheinlich, denn ich habe mich schon vor längerer Zeit zur Raison gerufen. 
Habe mich ermahnt, die Kamera liegen zu lassen, wenn ich mit meinen Kindern spiele oder etwas unternehme. Meistens jedenfalls. Als Jonas sich das erste Mal gedreht hat, haben wir ja doch wieder wie die Paparazzi vor dem kleinen Mann gehangen. Rückfälle gehören dazu. Kennt man aus jeder Suchttherapie.
Aber wir schlagen uns ganz gut, denke ich.

Bewusst lasse ich die Kamera recht oft zu Hause, wenn wir etwas unternehmen, und ebenso bewusst erlaube ich es mir von Zeit zu Zeit, sie auf eine Unternehmung oder zu einer Gelegenheit einmal pro Woche (wenn es sich so schön regelmäßig ergibt, ansonsten auch noch seltener) mitzunehmen oder hervorzuholen und zu gebrauchen.

Sicher, seitdem gibt es wesentlich weniger Fotos von den Kindern, dafür aber viel mehr wirklich schöne, gelungene, einzigartige Bilder, die ganz bewusst aufgenommen worden sind, über die ich mir vorher und währenddessen Gedanken gemacht habe.

Positiver Nebeneffekt: Ich mülle mir nicht mehr die Festplatte zu mit tausenden und abertausenden schlechten, verwackelten Bildern ohne richtiges Motiv.

Absolut positiver Haupteffekt: Wir erleben sehr viel mehr perfekte Momente, die wir nur mit den Kindern teilen. Ganz echt und komplett. Von Angesicht zu Angesicht. 
Und mit niemandem sonst.

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