Freitag, 28. Februar 2014

Prinzessin Erdbeer

Helau und Alaaf!

Karneval.
Ich bin ja kein Karnevalsmensch. Noch nie gewesen.
Wahrscheinlich habe ich einen Tacken zu lange in Düsseldorf gelebt und bin durch die volle Karnevalsdröhnung dieser Zeit nun ein für allemal abgefüllt. 

Die Kinder hingegen, die lieben das Verkleiden natürlich. Die meisten jedenfalls.
Letztes Jahr noch war das alles gar nichts für Johanna. Das Kostümchen blieb unangetastet im Schrank hängen, Schminke im Gesicht war ein absolutes No-Go, und Menschenmassen bei Karnevalszügen und ähnliches... ihr könnt es euch denken.

Dieses Jahr allerdings sieht das ganz anders aus.
Die Madame liebt es, sich zu verkleiden und es vergeht kaum ein (Nicht-Karnevals-)Tag, an dem sie nicht geschminkt aus dem Kindergarten nach Hause kommt.
Folglich kommt das Kostüm vom letzten Jahr nun tatsächlich zum Einsatz.
Erfreulich, dass es noch passt, wo doch quasi der komplette Kleiderschrank über Nacht zu klein geworden ist (oder zu sein scheint).
Johanna war auch wirklich einverstanden mit ihrem Kostüm - absolut passend etwas zu essen: Erdbeere.
(Oder auch [Äddbäär], wie die Madame es herzallerliebst ausspricht.)
Bis... ja bis sie festgestellt hat, dass alle ihre Freundinnen und scheinbar auch sonst jedes kleine Mädchen in einem 50km-Radius als irgendeine Prinzessin geht. Rosa Kleidchen halt.

Ich war jedoch nicht gewillt, kurz vor Toresschluss noch auf die Jagd nach einem Mädchentraum in pink zu gehen (die sind mir eh etwas zuwider, aber um der lieben Kinder Willen macht man ja so einiges mit), zumal die Madame vorher glücklich war mit ihrer Erdbeere.

Wir haben das Thema - pädagogisch vorbildlich - ausdiskutiert, und letztendlich erklärte sich Johanna bereit: "Dann gehe ich eben als Prinzessin Äddbäär!"

Jawoll.
Und schminkt sich dazu wie ne Große.




Mittwoch, 26. Februar 2014

Der perfekte Moment

Jeder, der auch nur ein bisschen für Fotografie schwärmt, wird wissen, wovon ich rede: Man möchte den Moment bannen. Festhalten. 
Konservieren, um ihn immer und immer wieder anschauen und nachempfinden zu können.
Die wunderschöne Blüte, der Sonnenstrahl, der durch die Wolkendecke bricht, dieses oder jenes Tier, das gerade eine ganz außergewöhnliche Darbietung gibt (im Zoo beispielsweise), Momentaufnahmen im Großstadtleben, und vor allem - und da spreche ich auch mich natürlich nicht von frei - die lieben Kinderchen. Vornehmlich die eigenen.

Ich habe schon immer gerne fotografiert, daher zog natürlich irgendwann eine Spiegelreflexkamera bei uns ein, doch seit wir Kinder haben, ist die Fotografiererei quasi zur Sucht geworden.
Dank der digitalen Technik kann man einfach draufhalten, in Serie produzieren. Den Ausschuss löscht man wieder, und die wenigen, vereinzelten Aufnahmen, die wirklich gelungen sind, hebt man auf.
Und seien wir mal ehrlich: Das sind wirklich wenige.
Das meiste ist verwackelt, verschwommen, man hat in der Bewegung nur noch einen nicht erkennbaren Rest des Kindes erwischt, oder das Bild gefällt trotz Schärfe einfach so nicht, weil man zu sehr Perfektionist ist.

Früher, als man noch Filme entwickeln (lassen) musste, als jedes einzelne Bild richtig Geld gekostet hat, da hat man sich gut überlegt, was genau es nun wert ist, fotografisch festgehalten zu werden. Man hatte nicht permanent die Kamera vor dem Gesicht, außerordentlich bemüht, alles festzuhalten, um ja den einen, den perfekten Moment nicht zu verpassen und für immer zu konservieren.

Dabei verpasst man dadurch viel zu oft die wirklich perfekten, einzigartigen Momente.
Das Lächeln des Babys, das sich freut, endlich die Drehung geschafft zu haben, die man selber nur durch das Objektiv hindurch miterlebt hat. 
Das Funkeln in den Augen, wenn es etwas entdeckt, was seine ganze Aufmerksamkeit fordert. 
Das Jauchzen und Lachen des heranwachsenden Kindes, das endlich ohne Stützräder ein ganz schön langes Stück Weg auf seinem Rädchen zurücklegt.
Die Freude in den Gesichtern auf dem Spielplatz, im Zoo, im Park, beim Spaziergang, zu Hause... 
Die Liste ist schier unendlich.
Die perfekten Momente, die die kleinen Menschlein ganz intim und freudig mit ihren Eltern teilen möchten. Ohne schwarzen Apparat dazwischen.

Ob Jonas und Johanna wissen, dass Mama und Papa keine viereckigen, schwarzen Gesichter mit spiegelndem, rundem Ding in der Mitte haben?
Wahrscheinlich, denn ich habe mich schon vor längerer Zeit zur Raison gerufen. 
Habe mich ermahnt, die Kamera liegen zu lassen, wenn ich mit meinen Kindern spiele oder etwas unternehme. Meistens jedenfalls. Als Jonas sich das erste Mal gedreht hat, haben wir ja doch wieder wie die Paparazzi vor dem kleinen Mann gehangen. Rückfälle gehören dazu. Kennt man aus jeder Suchttherapie.
Aber wir schlagen uns ganz gut, denke ich.

Bewusst lasse ich die Kamera recht oft zu Hause, wenn wir etwas unternehmen, und ebenso bewusst erlaube ich es mir von Zeit zu Zeit, sie auf eine Unternehmung oder zu einer Gelegenheit einmal pro Woche (wenn es sich so schön regelmäßig ergibt, ansonsten auch noch seltener) mitzunehmen oder hervorzuholen und zu gebrauchen.

Sicher, seitdem gibt es wesentlich weniger Fotos von den Kindern, dafür aber viel mehr wirklich schöne, gelungene, einzigartige Bilder, die ganz bewusst aufgenommen worden sind, über die ich mir vorher und währenddessen Gedanken gemacht habe.

Positiver Nebeneffekt: Ich mülle mir nicht mehr die Festplatte zu mit tausenden und abertausenden schlechten, verwackelten Bildern ohne richtiges Motiv.

Absolut positiver Haupteffekt: Wir erleben sehr viel mehr perfekte Momente, die wir nur mit den Kindern teilen. Ganz echt und komplett. Von Angesicht zu Angesicht. 
Und mit niemandem sonst.

Dienstag, 25. Februar 2014

Kindermund

Die folgende kurze Episode wurde mir von meiner Mama übermittelt.

Morgens auf dem Weg zum Kindergarten.
Johanna verlangt die Plüsch-Maus, die an Omas Rückspiegel baumelt.

Nachdem sie dieser das Jäckchen ausgezogen hat, tadelt sie meine Mama:
"Die kannst du aber auch mal wieder waschen. 
Die ist ja ganz dreckig."

Oma: "Ja, da hast du Recht. Könnte ich mal waschen."

Johanna: "Da brauchst du aber eine kleine Waschmaschine. 
Na ja, zum Glück habe ich ja so eine kleine Waschmaschine."




Viele kleine Schritte

Johanna überrascht uns immer wieder. 
Keine Frage.
Aus dem Nichts - wenn man am wenigsten damit rechnet - kommt etwas ganz Neues.

Um den freudigen Moment, auf den ich gleich näher eingehen werde, ins rechte Licht zu rücken, muss ich ein wenig weiter ausholen: 
Ihre Wahrnehmungsstörung blockierte nicht nur in erster Linie ihre Esserei, sondern auch das leidige Thema "Trockenwerden".
Für sie ist es nicht einfach nur ein auf-Toilette-gehen-Lernen, sondern vielen taktil Überempfindlichen bereitet das Nacktsein (sei es auch nur partiell, also heruntergelassene Hose) ein ganz, ganz großes Problem, hat es doch etwas mit Schutz aufgeben zu tun. Ganz abgesehen davon, dass es tatsächlich eine Form von körperlichen Schmerzen bereiten kann, wenn bestimmte Empfindungen an die Haut geraten, die das überempfindliche Kind in dem Moment nicht verarbeiten kann.
Zum Beispiel die Kühle/Kälte eines Plastiktöpfchens oder einer Klobrille. Das Plastik an sich. Dazu der nackte Hintern. Ganz viele Reize, die verarbeitet werden müssen, die das Gehirn eines Kindes mit einer Wahrnehmungsstörung unter Umständen jedoch nicht oder nur sehr, sehr schwer verarbeiten kann.

Folglich ist Johanna bis heute nicht trocken. Nicht mal ansatzweise. 
Sie hat bis vor wenigen Tagen komplett verweigert, auch nur wenige Minuten mit nacktem Hintern herumzuliegen. Von Herumlaufen (dieses klassische "im Sommer lasse ich sie einfach nackt laufen, dann wird sie schon trocken") ganz zu schweigen.

Da ich im Laufe der Jahre durch eigene Erfahrungen und die Therapien gelernt habe, dass man mit Zwang und Druck überhaupt gar nichts erreicht, habe ich das Problem einfach so im Raum stehen lassen.
Und mal ganz ehrlich: Johanna ist zwar schon vier Jahre alt, aber soooo wahnsinnig dramatisch ist das nun auch nicht, dass sie noch nicht trocken ist. Sie ist nicht die erste Vierjährige, die noch Windel trägt und wird auch nicht die letzte sein. Wahrnehmungsstörung hin oder her.

An dieser Stelle einmal kurz zwischengeschoben, da es immer noch Spezis gibt, die mir erzählen wollen, ich würde mir von meinem Kind auf der Nase herumtanzen lassen, und ich solle mich ihr gegenüber einfach mal richtig durchsetzen: Das Ganze hat nichts mit Verwöhnen zu tun oder damit, dass ich Johanna nicht richtig zeige, wo es lang geht. 
Vielmehr ist das Ganze eine Krankheit. Oder war. 
Die Madame scheint ja inzwischen austherapiert zu sein und holt nun alles nach, was noch fehlt.
Daher: Wenn man keine Ahnung hat...

Jedenfalls war ich immer der Meinung (und wurde darin auch von unseren Therapeuten und unserem Kinderarzt bestätigt), dass sich Johanna schon meldet, wenn sie bereit ist für die Toilette.

Natürlich haben wir immer mal wieder mit ihr darüber gesprochen, in letzter Zeit, wo wir nun gemerkt haben, dass sie sich wahnsinnig weiterentwickelt hat, verstärkt, und siehe da: 
Am Sonntag hat sie sich zum allerersten Mal in ihrem Leben getraut, mit heruntergelassener Hose ins Bad zu gehen und sich auf ihren Sitz auf die Toilette zu setzen. Natürlich wurde ihr das Ganze sehr schnell unangenehm, sie fing an zu weinen und wollte wieder hinunter, Geschäft hat sie auch nicht erledigt, aber wollen wir auch noch Ansprüche stellen? Nein!

Dass sie sich endlich, endlich überwunden hat ist ein so großer Fortschritt. 
Wieder mal!

Die Prozedur hat sie am selben Tag noch einmal wiederholt, und auch am Montag saß sie zweimal auf der Toilette. Auf eigenen Wunsch! Und da schon ganz ohne Weinen. Zwar immer noch ohne Geschäft und nicht lange, aber wir wissen ja, dass wir viele kleine Schritte mit ihr machen müssen, um ans Ziel zu gelangen.
Ich bin einfach wahnsinnig stolz, dass sich unsere Madame endlich traut.
Nun wird der Rest auch noch kommen. Ganz sicher. Wie alles andere bisher auch. Man muss Johanna nur die Zeit geben, die sie braucht. Und die haben wir.

Gestern bin ich bei dm dann über diesen schönen, bunten Toilettensitz gestolpert und habe ihn der Madame gleich mitgebracht. Auch noch gepolstert, damit es richtig bequem ist. Wenn das nicht zieht... 




Und dann ist da ja auch noch das inzwischen beinahe lächerlich normal gewordene Essen.
Am Wochenende gab es selbstgemachte Pizza, und die Madame hat richtig zugeschlagen. Zwar nur Margherita-Style, aber auch hier wollen wir selbstverständlich keine großen Ansprüche stellen. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass sie sich die Pizzastückchen eines nach dem anderen zwischen die Zähne schiebt? Mit dem knusprigen Rand?




Und zum Nachtisch dann auch noch ein Eis.




Wir freuen uns immer noch nen Wolf über jedes kleine Schrittchen auf dem langen Weg zur absoluten Normalität!
Mal schauen, wie weit der Weg zur Windelfreiheit nun noch ist. 
Ich bin gespannt.

Samstag, 22. Februar 2014

Vom Impfen, Delfinen und verrinnender Zeit

Ich werde hier nun nicht erneut das schon oft durchgekaute Für und Wider des Impfens zum Besten geben.

Johanna ist den Empfehlungen entsprechend geimpft (ich habe nicht ansatzweise darüber nachgedacht, sie nicht impfen zu lassen), und auch Jonas hat gestern seine zweite Dröhnung verpasst bekommen.

Der kleine Mann ist tougher als seine große Schwester. Wie man es von einem richtigen Kerl erwartet.
(Hallo, Genderdiskussionsgedöns!)
Während Johanna sich regelmäßig stundenlang über die fiesen Spritzen aufgeregt und den Doc auch Wochen später noch nicht eines Blickes gewürdigt hat, ist der Muppes im Moment des Pieksens natürlich gar nicht erfreut, vergisst seinen Unmut aber auch schnell wieder, sobald die Spritzen nicht mehr zu sehen und vor allem nicht mehr zu spüren sind.
Strahlemännchen vom Feinsten. Sogar dem Doc gegenüber.

Dafür hat Jonas am Tag des Impfens und die ersten ein oder zwei Tage danach ein wenig mit den Nachwehen zu kämpfen. Aus dem ohnehin schon Arm-Kind wird ein im-Grunde-nicht-wegzulegen-Kind. Am Wochenende (wie jetzt) halb so wild, wir sind ja zu zweit und können uns abwechseln beim Tragen des Traglings. 
Unter der Woche allerdings wird mir dann schmerzlich der Luxus bewusst, mit dem mich Jonas jetzt bereits erfreut, wenn er nicht gerade geimpft worden ist: 
Der Luxus des Kindes, das sich gut auch schon mal eine ganze Weile mit sich selber auf der Spieldecke beschäftigen kann. 
Der Luxus des Kindes, das ohne Probleme tagsüber mehrere Schläfchen in seinem Bett verichtet. 
Der Luxus des Kindes, das ohne Gemecker abends ins Bett geht und acht bis zehn Stunden durchschläft.
Der Luxus des Kindes, das einen immer anstrahlt, es sei denn, es tut etwas weh oder der Magen knurrt.

Wenn ich mir das so anschaue, bin ich doch eine ganz schön verwöhnte Mutti.
Johanna war damals ab Erreichen des vierten Lebensmonates schon denkbar pflegeleicht und sehr freundlich, nachdem die ersten drei Monate der Horror waren.
Ihr kleiner Bruder nun tut es ihr gleich. Und mit ihm waren - abgesehen vom eigenen Schlafmangel und diversen Schlafproblemen beim Muppi - die ersten drei Monate schon recht angenehm.

Wenn er dann jedoch frisch geimpft worden ist braucht man auf einmal wieder vier Arme oder noch besser: Man kann sich teilen. 
Somit bin ich froh, dass es diese zweite Dröhnung nun am Freitag gegeben hat und Thomas mit anpacken kann, sonst würde Johanna mal wieder ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, weil man nahezu permanent mit dem Muppes beschäftigt ist.

Ansonsten bin ich ziemlich erschrocken, wie die Zeit rast.
Der nächste Impftermin ist bereits gemacht, zusammen mit der U5, und zu dem Zeitpunkt wird Jonas dann schon ein halbes Jahr alt sein. Ein  h a l b e s  J a h r !
Meine Güte.
Und gestern gabs im Kindergarten ein Infoblättchen zum Delfin-Test.
Für diejenigen, deren Gesichter nun wie Fragezeichen aussehen: Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung, kurz Delfin 4 (Diagnostik, Elternarbeit, Förderung der Sprachkompetenz in Nordrhein-Westfalen bei 4-Jährigen).
Einschulung. EINSCHULUNG?
Johanna ist doch gerade erst auf die Welt geflutscht, wer redet da von Schule? 
Und wieso überhaupt?
Und dann noch diese Kleinigkeit, dass wir gar nicht sicher sind, ob sie tatsächlich erst übernächstes Jahr eingeschult wird oder nicht vielleicht doch schon nächstes Jahr. 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Kinder sollen (müssen!) so lange Kinder sein dürfen wie möglich. Ungezwungen, ohne Druck, schön in den Tag hinein spielen und ganz nebenbei lernen, was sie lernen möchten und vor allem  s p i e l e r i s c h  lernen können.
Doch Johanna hat im November Geburtstag, das bedeutet, wird sie übernächstes Jahr eingeschult ist sie zu diesem Zeitpunkt fast sieben Jahre alt.
Nun wäre sie nicht die erste und sicherlich auch nicht die letzte (fast) Siebenjährige, die eingeschult würde, und das würde mich auch gar nicht weiter stören, würde sie nicht jetzt schon mit den Zahlen bis 10 rechnen, diverse Wörter schreiben und ein viel zu großes Interesse am geschriebenen Wort zeigen. Von (altersgerechten) Logikrätseln, mit denen man ihr allenfalls mal kurz die Zeit vertreiben kann ganz abgesehen.

Eine schwere Entscheidung, die wohl überlegt und sicherlich nicht jetzt getroffen werden will.
Wir werden uns anschauen, wie sich Johanna im kommenden Kindergartenjahr entwickelt, ob sie noch Spaß hat oder ob die Langeweile Einkehr hält, wir warten die U9 im kommenden Februar (oder so) ab, anschließend werden wir uns mit allen Erkenntnissen mit unserem Kinderarzt und den Erzieherinnen kurzschließen, und dann schauen wir mal, ob wir einen Sonderantrag stellen (müssen) oder nicht. 

Geht es nach Johanna ist sie laut eigener Aussage "schon reif für die Schule". Mit heftigem Nicken dabei.
Allein diese Wortwahl finde ich einigermaßen erschreckend.

Auf den Schreck schnell noch ein Foto vom kleinen Guten-Morgen-Jonas, der hoffentlich noch ganz lange so klein bleiben wird.
Utopisch, ich weiß.



Montag, 17. Februar 2014

Kleines Mädchen ganz groß!

Am Samstag stand ein Kindergeburtstag an.
Kindergeburtstag auswärts!

Es war auf den Indoor-Spielplatz geladen worden, in Anbetracht des Wetters nicht die schlechteste Idee. Und sehr angenehm ist es auch noch, hat man doch als Gastgeber mit nichts was an der Mütze. 
(Johanna möchte ihren nächsten Geburtstag nun natürlich auch dort feiern, und mir soll es Recht sein, wenn das im November immer noch der Fall ist. Bequemlichkeit siegt.)

Jedenfalls war das der erste auswärtige Kindergeburtstag, dem ich völlig entspannt entgegensah.
Ich musste mir keine Gedanken darüber machen, was ich alles einzupacken hatte für Johanna. 
Heißes Wasser, Brei, Schüssel und Löffel gehören der Geschichte an. Zumindest für die Madame.
Musste mich nicht schon im Vorfeld innerlich gegen die verständnislosen, ungläubigen, teils vorwurfsvollen Blicke völlig Fremder wappnen, die überhaupt nicht verstehen können, dass einem so großen Mädchen Brei angerührt wird. 
(Man legt sich zwar im Laufe der Zeit gezwungenermaßen ein wirklich dickes Fell zu, aber trotzdem bemerkt man solche Blicke und Tuscheleien, die Fingerzeige, die Frage- und Ausrufezeichen über den Köpfen, und man kann noch so sehr über allem stehen, noch so souverän mit der Situation umgehen können, es trifft einen doch, und es sät immer wieder neu den Samen des Selbstzweifels.)

Dieses Mal wusste ich, die Madame würde sich einfach mit den anderen Kindern zusammen an den Geburtstagstisch setzen und Kuchen, Pommes und Chicken Nuggets mampfen. Mit Mayo natürlich - die Pommes, nicht der Kuchen!
Herrlich!
Ich genieße immer noch jedes Mal, wenn ich längere Zeit mit der Madame unterwegs bin, diese endlich gewonnene Freiheit. Ihr einfach ein Brötchen (vor allem Laugenbrötchen, die liebt sie) in die Hand drücken zu können, wenn sich der kleine Hunger meldet anstatt einen Ort suchen zu müssen, an dem ich ihr umständlich ihr Essen bereiten kann.

Doch nicht nur in puncto Essen hat Johanna zu den anderen Kindern aufgeschlossen (und das ist inzwischen eh hinlänglich bekannt), auch auf einem ganz anderen Gebiet hat sie mich am Samstag überrascht.

Die letzte Bastion ist gefallen: Johanna ist gerutscht!

Nicht die Babyrutsche, nein, die meisterte sie ja nun schon eine ganze Weile.

Irgendwann kam sie ganz aufgeregt zu mir gerannt, die Worte sprudelten aus ihr heraus, und ich verstand nur irgendetwas mit "rutschen" und "huuuuiiii". Und während es aus ihr heraussprudelte ließ sie sich vor mir auf den Boden fallen und demonstrierte mir die Haltungen, in denen sie die ominöse Rutsche gemeistert hatte.
Nun hat die Madame eine sehr ausgeprägte Phantasie, und schon oft war der Wunsch Vater des Gedanken, auch vom Rutschen hat sie mir schon öfter etwas erzählt, was letztendlich so doch nicht stattgefunden hatte, und auch dieses Mal sah sie wohl die Zweifel in meinem Gesicht, denn kurzerhand nahm sie mich bei der Hand und zog mich mit zur Rutsche.

Was für eine Rutsche! 
Hoch, steil, wackelig und voller wild tobender Kinder, die sich laut kreischend auch noch gegenseitig Bälle zuwarfen (dürfen die das da überhaupt?).
Ich konnte es nicht glauben, aber völlig selbstverständlich kletterte die Madame den Berg hoch, um sich ohne zu zögern gleich darauf wild jauchzend wieder herunterzustürzen.



Das kleine türkis-orangene Ding auf Grün mit den fliegenden Haaren ist Johanna.


Nicht nur einmal, nein, mehrfach und jedes Mal laut lachend. 
Ist es nicht wunderbar?

Das Mutterherz quillt über vor Freude und Stolz.

Sonntag, 16. Februar 2014

"Voll Hass an die Wand geworfen...

... mit viel Liebe wieder abgekratzt."

Dieser Satz hallt bis heute in mir nach und wird mich vermutlich den Rest meines mütterlichen Lebens durch die Erziehung meiner Kinder begleiten.

Es war an einem Vormittag irgendwann im Januar 2010. 
Johanna war damals knapp acht Wochen alt, und ich befand mich - ohne mir dessen bewusst zu sein - auf dem Weg (oder schon mittendrin?) in eine ordentliche (Wochenbett-)Depression.
Die ersten Lebenswochen schrie und schrie und schrie dieses Kind. 
Ich war damals die meiste Zeit alleine, da mein Mann und ich aus beruflichen Gründen eine Wochenendbeziehung führten. Ich schlief kaum, aß selten und unregelmäßig, und eigentlich bestand fast der ganze Tag (und ein großer Teil der Nacht) daraus, das weinende Neugeborene durch die Gegend zu tragen. Stundenlang. 
Die ersten Wochen waren wirklich der Horror.
Ich weiß noch, dass ich nicht nur einmal den Tränen nahe meine Mama angerufen und gefragt habe, ob ich mit Johanna vorbeikommen könne, damit ich mal etwas anderes zu sehen bekäme und das Kind eine Weile in "fremde" Hände geben könnte.
Ich war verzweifelt, fühlte mich schlecht, dem Muttersein nicht gewachsen, wie eine Versagerin, ich weinte vermutlich fast genau so viel wie meine Tochter.
Ich verstand nicht, warum ich scheinbar unfähig war, mein Kind zu beruhigen, und noch weniger wollte mir in den Kopf gehen, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass ich auf mein Mädchen, auf mich und auf die ganze Welt wütend war, anstatt schlicht die abgöttisch liebende Mutter zu sein.

An diesem Vormittag wartete ich mit ausnahmsweise einmal ruhiger Johanna auf dem Arm auf meine Hebamme. Wieder einmal hatten wir eine schwierige Nacht mit viel Geschrei hinter uns und ich muss ausgesehen haben wie der verzweifelte Tod auf zwei Beinen. Strähnige Haare, verquollene Augen, Schlabberklamotte, pure Müdigkeit und Niedergeschlagenheit.
Meine Hebamme kam durch die Tür, sah mich an, und sprach diesen bedeutungsschwangeren Satz aus, wahrscheinlich ohne sich darüber klar zu sein, wie sehr sie mir damit in dem Augenblick half.

"Voll Hass an die Wand geworfen, mit viel Liebe wieder abgekratzt."

Sie strich mir über den Arm und erklärte mir, beruhigte mich, dass jede Mutter in solch einer Situation wütend sein dürfe. Dass es erlaubt, völlig normal sei, nicht nur übersprudelnde Liebe zu fühlen, sondern dass man viel lieber alles hinwerfen wolle, an sich zweifele und sich frage, was überhaupt man sich dabei gedacht habe, ein Kind in die Welt setzen zu wollen.

Und genau deshalb sind Hebammen für werdende und gerade gewordene Eltern (bzw. in erster Linie Mütter) so wichtig. Weil sie im richtigen Augenblick da sind. Wenn man an sich selber zweifelt und die ganze Welt verfluchen möchte, weil man das Gefühl hat, als frisch gebackene Mama zu versagen, dann wissen sie genau, wovon man redet. 
Ob sie nun nur verständnisvoll in den Arm nehmen und trösten, oder ob sie genau die passenden Worte finden, das richtige Mittel für das akute Wehwehchen, ganz zu schweigen von der grundsätzlichen Vor- und Nachsorge während der Schwangerschaft und (nach) der Geburt; eine (werdende) Mutter braucht ihre Hebamme!
Als Retterin in der Not, als mit Rat und Tat zur Seite stehende Begleiterin durch das Abenteuer Schwangerschaft und Geburt, als Quell allen Wissens, den man zum Bestehen dieses Abenteuers braucht, einfach als helfende Hand, die genau dann gereicht wird, wenn Frau sie braucht.

Seit Monaten verfolge ich mit wachsender Besorgnis die Entwicklungen und Entscheidungen in Politik und bei den Versicherungen die freiberuflichen Hebammen betreffend, und daher war es mir ein persönliches Bedürfnis, nun an der "Blogparade: Wozu denn Hebammen?", ins Leben gerufen von der Grummelmama, teilzunehmen.

Da schaut man mal einen Moment nicht hin...

... nur einen winzigen Moment!

Ich sitze mit dem Muppi auf seiner Spieldecke, er liegt schön auf dem Bauch und reckt sein Köpfchen in die Höhe, ich drehe mich für maximal ein oder zwei Sekunden zur Couch, schaue wieder zum Muppes, und was ist? Er liegt auf dem Rücken!

Heimlich, still und leise hat er sich im einzigen unbeobachteten Moment des bisherigen Tages zum ersten Mal in seinem noch jungen Leben umgedreht. Und niemand hat es gesehen!
Unfassbar.

Glücklicherweise handelte es sich dabei nicht um eine Eintagsfliege, so dass wir das Geschehen schnell und unproblematisch nachstellen konnten.
(An dieser Stelle dementieren wir vehement, dass wir wie die sabbernden Paparazzi mit Handy (Mann) und Kamera (ich) im Anschlag auf allen Vieren vor dem Muppes lagen und mit engelsgleicher Geduld auf den Moment warteten, während wir ihn ganz zart zu animieren versuchten. "Na komm, Muppi! Du kannst es doch! Mach es noch mal für uns!")




Muppi denkt sich hoch erhobenen Hauptes seinen Teil...

... und hat dann doch ein Einsehen.




Ein erster ganz großer Schritt auf dem Wege zur Mobilität. Großartig!
Ich hatte ganz vergessen, welche Glücksgefühle einen durchströmen, wenn Baby auf einmal etwas ganz tolles Neues kann. Und dieser riesige Stolz, der die Brust sprengen möchte.

Jonas ist 3 Monate und 25 Tage alt.

Bitte recht freundlich! [Teil1]

Schon lange hege ich den Wunsch, die Familie einmal professionell ablichten zu lassen.
Seit Jonas auf der Welt ist, noch viel mehr.
Ich hätte gerne schöne, hochwertige Bilder von uns Vieren - im besten Fall hängend an der Wand.

Selber fotografieren ist dank Spiegelreflexkamera und einigermaßen Gefühl für Bildaufbau, Komposition, Licht und was man nicht sonst noch alles so braucht zwar durchaus machbar, aber man möchte ja auch wirklich gerne mal von einem Profi machen lassen.

Als einen Tag nach Jonas' Geburt die obligatorische Krankenhaus-/Neugeborenen-Fotografin ankam und wirklich schöne Bilder vom Muppes machte, war ich endgültig total angefixt. 
Das wollte ich für die ganze Familie! 
Jedoch ernüchterte mich die Recherche im näheren Umkreis recht schnell, entweder waren die mündlichen Überlieferungen nicht überzeugend oder aber mir erschien der Preis für ein eher klein gehaltenes Familienshooting völlig überzogen: Ich fand jedenfalls kein Studio, das mir zusagte.

Und da kommt nun mydays.de, ein Anbieter von Erlebnisgutscheinen, ins Spiel.
Dort bin ich schon öfter einmal herumschlawinert, und die haben auch unterschiedlichste Fotoshootings im Programm. Zu einem recht moderaten Preis. Zumindest deutlich günstiger als alles, was ich hier im Umkreis so bei eigener Suche gefunden habe.

Nicht lange gefackelt habe ich uns Vieren nun einfach ein Familienshooting geschenkt. 

Den schön verpackten Gutschein darüber konnte ich schon wenige Tage später meinem Mann präsentieren.





Ich bin gespannt, ob die positiven Bewertungen, die es zu dem Shooting, das ich für uns ausgesucht habe, schon gibt, der Wahrheit entsprechen, und ich bin mindestens genauso gespannt, ob wir tatsächlich einen Termin finden, der nicht mehr allzu weit in der Zukunft liegt. Mit meinem Mann und seiner Arbeit ist das ja so eine Sache.

Auf jeden Fall werde ich natürlich in einem [Teil 2] vom Familienshooting selber berichten, und vielleicht präsentiere ich sogar das ein oder andere Ergebnis! 

Freitag, 14. Februar 2014

Mit den Augen meines Mannes

Es gibt lichte Momente, in denen bin ich äußerst selbstreflektiert.
Meistens nachts im Bett, wenn ich gerade eh nichts anderes zu tun habe. 
Setzt ein solcher Moment ein, kann ich mich noch so sehr dagegen sträuben, vor meinem geistigen Auge ploppt unaufhaltsam dieses Bild auf, und aus dem vermaledeiten Bild wird eine ganze Szene, die sich ungefragt, doch erschreckend realitätstreu, wie ein Film auf einer Leinwand abspielt.

Man stelle sich vor, hart arbeitender Ehemann kommt nach verrichtetem Tagwerk geschafft nach Hause und freut sich darauf, den Abend ruhig und entspannt auf der Couch zu verbringen. Wenn man bei den zwei oder drei Stündchen, die man hat, überhaupt von "Abend" als solchem sprechen kann.
Jedenfalls genießt Mann den Feierabend vor dem Fernseher, nachdem er sich noch ein wenig um die Kinder gekümmert hat, die auch ihr Stückchen vom Papa-Kuchen haben wollen, er entschwindet mit dem einschläfernden Gemurmel des Flimmerkastens (ich liebe dieses Wort, auch wenn es längst so so antiquiert ist) langsam ins Land der Träume, und dann passiert es:

Die dicke Mamsell, das Eheweib - oder schlicht ich - kommt aus der Küche ins Wohnzimmer gestapft. Die großen Hände in die viel zu üppigen Hüften gestützt baut sie sich vor dem arglos und selig schlummernden Männlein auf. 
Müder, glanzloser Blick, die langen Haare langweilig (doch dem Muppes gehuldigt, der mit Vorliebe Mamas Haare ausrupft, wenn er sie irgendwie in die Finger bekommt) zum praktischen, muppesfernen Pferdeschwanz zusammengebunden, von Styling in irgendeiner Form keinerlei Spur.
(Ich könnte mich an dieser Stelle mit der vorgerückten Stunde herausreden, doch wäre das schlicht gelogen. Ich bin eigentlich nie sonderlich gestylt. Warum? Keine Zeit, keine Lust, kein Bedarf, irgendeinen Grund wird es schon geben. Und die Sache mit dem "Bedarf" möchte ich gar nicht weiter ausdiskutieren, da gibt es sicherlich gegenteilige Meinungen.)
Die schlabberige, verwaschene und völlig aus der Form geratene Snoopy-Schlafanzug-/Gammelhose, die der Mamsell gerade übers Knie reicht und im Bund derart ausgeleiert ist, dass sie regelmäßig hochgezogen werden muss, möchte man nicht Gefahr laufen, sie allzu bald unterhalb des Hinterns hängen zu haben, hat auch schon bessere Tage gesehen. Doch Johanna - das nur am Rande - liebt diese Hose. Schließlich ziert sie ein Snoopy.

Jedenfalls baut sich dieses wahre Prachtbild von Eheweib vor seinem Männlein auf, zieht noch mal schnell die Snoopy-Hose hoch, zupft einmal ordentlich am dicken Onkel, um es sanft, aber bestimmt aus dem Schlaf zu rupfen, macht hinter seiner Brille vielsagend große Augen, öffnet den Mund, und heraus kommt ein schier endloser Sermon Gemecker, ähnlich dem einer zickigen Ziege.
Warum ist dieses oder jenes noch nicht erledigt? 
Wenn du schon [xy (an dieser Stelle darf der geneigte Leser jedwede Aufgabe den Haushalt betreffend einfügen, die ihm einfallen mag)] machst, dann aber richtig (frei interpretiert).
Und was ist überhaupt mit...?

Der Mann, verschlafen und völlig überfordert, öffnet und schließt den Mund wie ein Fisch auf dem Trockenen, macht seinerseits große Kulleraugen und weiß überhaupt nicht, wie er auf diesen hinterhältigen Überfall adäquat antworten soll.
Wen wunderts?

Ploppt eine solche Szene aus aktuellem Anlass nachts hinterhältig und unerwartet auf, dann erscheint direkt daneben eine Gedankenblase mit nur einer einzigen Frage darin: Was an dir liebt er eigentlich?
Du bist viel zu oft das klassische, genervte, keifende Weibsbild, nicht großartig zurechtgemacht, dein Körper hat auch schon bessere Zeiten erlebt, nette Klamotten könntest du dir auch mal wieder leisten (neben der Snoopy-Hose, versteht sich), und momentan bist du eigentlich sowieso nur Mama und HAUSfrau, nicht einfach nur Frau.

Doch irgendetwas muss da noch sein, das er lieben kann. Jedenfalls sagt er das. Dass er mich liebt. 
Als Frau - nicht die klassische, genervte, keifende Variante - will ich mal so nett sein, das einfach zu glauben und mich darüber zu freuen.
Und wenn ich mich ab und zu einmal selber nerve, wenn auch nur im Nachhinein, dann wird es vielleicht wirklich langsam Zeit, mich öfter mal am Riemen zu reißen, noch bevor es wieder nervig werden kann.
Schließlich soll das ja so bleiben, das mit der Liebe.




In diesem Sinne,
Happy Valentine's Day!

Mittwoch, 12. Februar 2014

Gute Fee gesucht!

Da hat es uns doch (fast) alle voll erwischt.
Samstagabend begann die Madame auf ihre Art mit der Magen-Darm-Sache (ich berichtete), in der Nacht von Montag auf Dienstag zog ich nach (ähnlich wie die Madame), und nun hat sich der Muppes mit Durchfall an den Bauchweh-und-dicken-Kopp-Zug drangehängt.
Herrlich.

Für die Kinder tut es mir einfach nur leid.
Wie Johanna zitternd, blass und verheult in eine warme Decke eingeschlagen auf Omas Schoss lag, als wir nach dem Anruf nach Hause geeilt kamen, das trieb einem schon das ein oder andere Mitleids-Tränchen in die Augen.
Und Jonas nun, der weiß überhaupt nicht, was los ist. Armer Muppes.

Aber was ist mit der Mama?
Montagnachmittag sagte ich noch zu Thomas: "Hoffentlich bekomme ich es nicht auch noch, dann ist hier aber Land unter."
Und tadaa: Montagabend waren die Bauchschmerzen da, die ankündigten, was Stunden später passieren würde: Das Essen kam zurück.

Am nächsten Morgen - Bauchschmerzen, dicker Kopf, wackelige Beine - wollte ich schlicht und ergreifend die Decke über den Kopf ziehen und wieder Kind sein. Meine Mutter würde besorgt ins Zimmer kommen, meine Stirn fühlen, mir Zwieback und einen Tee ans Bett bringen und mich in der Schule krankmelden. Ich könnte den ganzen Tag im gemütlichen Bett liegen bleiben und mich auskurieren, lediglich unterbrochen von notwendigen Gängen zur Toilette.
Stattdessen kräht mich gegen sechs Uhr von schräg rechts der Muppes an, der Mann muss um sieben zur Arbeit und auch die Madame kommt ins Schlafzimmer katappert, um mir unmissverständlich klar zu machen, dass nun Zeit zum Aufstehen sei.

Tapfer ignoriere ich Bauchschmerzen und Würgereiz, die Kopfschmerzen bemerke ich kaum, kurz mal an der Wickelkommode festgehalten, bis der Schwindel aufhört, und schon bin ich bereit für den Tag.
Nicht.

Was macht man als Mutter von zwei kleinen Kindern, wenn man ungeplant, unfreiwillig und vor allem völlig unpassend krank wird? 
Man beißt die Zähne zusammen. 
Eine Krankmeldung gibt es nicht, keine gute Fee, die die Stirn fühlt, Zwieback und Tee ans Bett bringt und sich um Kinder und Haushalt kümmert, damit man sich auskurieren kann. 
Man fährt auf Sparflamme und erledigt nur das Nötigste, verbringt so viel Zeit wie möglich auf der Couch, wenn man nicht gerade über Waschbecken oder Kloschüssel hängt und versorgt ansonsten die Kinder so gut es geht. 
Zum Glück ist Jonas derzeit wirklich pflegeleicht, ein fröhlicher Strahlemann, der ohne großes Gemecker mehrere Schläfchen über den Tag verteilt in seinem Bett verbringt, und Johanna - selber noch angeschlagen durch den Virus - freut sich, dass sie (ausnahmsweise) so viel fernsehen darf. Die meiste Zeit allerdings verschläft sie selber auf der Couch.

Selbst kleinste Aufgaben wie der dringend nötige Service an der Windel (Säuglingsdurchfall riecht so abartig, einfach unglaublich, dass so ein kleiner Mensch derart stinken kann... und ganz nebenbei überhaupt nicht gut für Mamas Nase, wenn diese eh schon mit Brechreiz zu kämpfen hat - also die Mama, nicht die Nase) oder das Fläschchen werden zu schier unüberwindbaren Hindernissen auf dem Weg zur optimalen Versorgung der lieben Kinderchen, doch müssen sie gemeistert werden. Hilft nichts. Augen zu und durch. Oder besser: Irgendwo gut festhalten, wenn die Beine nicht mitspielen wollen und so schnell wie möglich die Aufgaben erledigen.
Unter Druck (sei er nun hervorgerufen durch Krankheit oder was auch immer) wächst jede Mama noch einmal über sich hinaus und präsentiert eine ungeahnte Geschwindigkeit am Säuglingshintern oder bei einer der anderen Mama-Aufgaben. Man muss ja fertig sein, bevor der eigene Körper nicht mehr mitspielt.

Irgendwie bekommt man es hin. Man hat keine Wahl, und man entwickelt Strategien, wie man sich und seinen akuten Bedürfnissen gerecht werden kann, während man gleichzeitig die Kinder optimal durch den Tag bringt. 

Doch manches Mal wünsche ich mir wirklich eine gute Fee.
Die mir die Stirn fühlt, den Kopf streichelt und die Schlafzimmertür noch einmal hinter sich zuzieht, um sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, während ich mir die Decke über den Kopf ziehen und ausschlafen kann.

Montag, 10. Februar 2014

Ein fast normaler Samstagabend

Nachdem wir nun wochenlang (man kann beinahe von "monatelang" reden) die zukünftige und inzwischen endlich bezogene neue Wohnung meiner Mutter renoviert (oder fast schon teilsaniert) haben wurde es Samstagabend endlich, endlich mal wieder Zeit für ein bißchen Amusement ganz ohne Farbrolle, Akkuschrauber und Tapetenkleister.

Somit läuteten wir mit Freunden spontan die diesjährige Grillsaison ein.
Die Steaks allerdings landeten letztendlich in der Pfanne und mit dieser im Backofen, denn (mir völlig unerklärlich bei den beinahe sommerlichen Außentemperaturen) erstaunlicherweise bekamen wir den Grill nicht auf - dem tollen Fleisch entsprechende - Betriebstemperatur. 
Für Grillbauch und anderes reichte es, die guten Steaks wollten wir nicht verhunzen.

Jedenfalls waren die Kinder unserer Freunde gut bei Oma und Opa untergebracht, und unsere Zwei wurden von meiner Mutter (weltbeste Oma) betreut.
Die Weichen hätten nicht besser gestellt sein können für einen perfekten, geselligen, ausnahmsweise mal kinderfreien Abend!

Die Freude über diese völlig ungewohnte Freiheit - kein Lauschen, ob die Kinder auch wirklich schlafen, kein noch mal schnell Wasser ans Bett nachreichen, doch noch eine Geschichte vorlesen, nochmaliges Zudecken ("Mama, der Fuß hängt noch raus!"), kein gar nichts! - hielt ziemlich genau 30 (vielleicht auch 45) Minuten an.
Dann klingelte das Freunde-Telefon, und die Oma meldete, dass die kleinere der Beiden abgeholt werden müsse. Es klappe einfach nicht. 
Wir schoben uns derweil gerade unser erstes Stückchen Fleisch in den Mund.

Natürlich zögert man dann nicht lange, lässt Grillfleisch Grillfleisch sein, und holt die Kinder ab. Beide. 
Will die Kleine nach Hause, will die Große natürlich auch nicht bleiben. Versteht sich von selbst.

Das Fleisch wurde warm gestellt, die inzwischen eingetrudelten Kinder ins Bett gebracht, und ziemlich schnell ging der gesellige, fast kinderfreie Abend weiter.

Die Freude über diesen nach der wochenlangen Arbeit längst überfälligen netten Abend hielt ziemlich genau etwa weitere 60 Minuten an. Dann klingelte mein Handy, und weltbeste Oma am anderen Ende fragte mich, wo ich Putzeimer, frisches Bettzeug, Bezüge und Klamotten für die Madame hätte, die habe nämlich gerade alles vollgekotzt.

Natürlich zögert man dann überhaupt gar nicht, lässt geselligen Abend geselligen Abend sein und eilt nach Hause zum kranken Kind. 
(Das hatte übrigens wirklich  a l l e s  vollgekotzt in seinem Zimmer, Oma übertreibt gerne mal und "alles" muss nicht zwangsläufig "alles" sein, aber dieses Mal... mein lieber Mann. 
Und meine arme Mama ist im Dunkeln auch noch voll reingetreten. Unangenehm.)


Der Abend verlief überhaupt gar nicht, wie geplant. 
Aber so ist das eben, wenn man kleine Kinder hat. Oder kann es sein. 
Das Risiko, dass man früher als geplant nach Hause muss, um dem kleinen Mädchen die Haare zurückzuhalten, während es sich das Essen noch mal durch den Kopf gehen lässt, fährt immer mit.

Kommen Kinder ins Spiel, verändert sich alles.

Das süße Leben voll Freiheit und ohne viel Verantwortung ist vorbei.
Statt des wenige Stunden zuvor aufgerissenen Kerls hängt nachts um Drei der Spross an der Brust, während nebenan der Ehemann ganze Regenwälder absägt, oder man steht schlaftrunken in der Küche und rührt das Fläschchen an.

Mit dem Leben und den Prioriäten verändern sich natürlich auch die sozialen Kontakte. 
Manche Freundschaften (oder eher lockere Bekanntschaften, wie man im Nachhinein dann feststellt) lösen sich in Luft auf, weil man nun nicht mehr spontan abends auf die Piste gehen kann (oder will), einige wenige, gute Freundschaften überstehen alles, ob nun mit Kindern oder ohne, und ganz viele neue Menschen kommen dank der Kinder (ich sage nur Kindergarten: besser als jede Online-Community, um Leute kennen zu lernen) hinzu. 

Stellt man sich richtig clever an, hat man mit diesen neuen Menschen (die zu Freunden werden können) sogar noch Gesprächsthemen abseits von vollgeschissenen Windeln, der letzten Kinderkrankheit und den kommenden Nachmittagsaktivitäten im Kindergarten. 
Man kann sich einfach so an irgendeinem Samstagabend zum Grillen, Quatschen und Spaß haben treffen. Ganz ohne Kinder. Und ganz ohne Kinderthemen.

Bis das Telefon klingelt. 
Dann ist man zurück im Familienmodus.


Ganz nebenbei ein Beitrag zur Blogparade: Zerstören Kinder unsere Freundschaft?, ins Leben gerufen von der sehr lustigen und überaus lesenswerten Herzmutter.

Dienstag, 4. Februar 2014

15 Wochen Muppes // Verkündung der Gewinnerin

15 Wochen ist er nun schon alt, der kleine Muppes.
Dabei ist er gar nicht mehr so klein, eher ganz schön lang, wie ich finde. 
Größe 68 wird stellenweise bereits knapp, wenn der Trockner zu gute Arbeit geleistet hat.

Schlafen ist immer noch ein ganz heikles Thema, tagsüber jedenfalls.
Eigentlich schläft Jonas nur, wenn wir unterwegs sind, also im Auto oder mit Glück auch mal im Kinderwagen. Ansonsten ist er am Tag so gut wie gar nicht zum Schlafen zu bewegen.
Er ist dann vielmehr der Powernapping-Typ. 
Mal hier zehn Minütchen, dort vielleicht zwanzig, mehr aber auch nicht. 
Mich verwundert das, ein Baby muss doch schlafen? 
Allerdings war es bei Johanna damals auch nicht so furchtbar anders. Sie hat zwar ein wenig mehr geschlafen, bei ihr haben wir es sogar zu einem richtigen Mittagsschlaf gebracht, sehr lange hat dieser allerdings auch nie gedauert, und mit eineinhalb Jahren wurde das Schlafen am Tag dann komplett abgeschaffft. Obwohl die Madame vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Action war. 

Ob Jonas ähnlich gestrickt ist? Bisher sieht es danach aus.

Dafür schläft er nachts (meistens) um die acht bis zehn Stunden durch. Ist ja auch was wert, nicht wahr?

Mittlerweile kann sich das Männlein ganz gut mal eine Weile mit sich und seinem Spielzeug alleine beschäftigen. Ebenfalls sehr angenehm. Das Greifen wird fleißig geübt, ebenso das Brabbeln und das laute, herzhafte Lachen. Treibt einem jedes Mal Glückstränchen in die Augen, wenn Jonas losjauchzt. 
Großartig, dass man das sogar provozieren kann: Er ist nämlich kitzelig, ganz schön kitzelig. Vor allem unter dem linken Arm, da ist es ganz schlimm, aber auch ansonsten lacht er jedes Mal los, wenn man ihn irgendwo kitzelt. Zu niedlich.

Seit der kleine Kerl nun die dolle Anti-Spuck-Nahrung bekommt ist jedes Fläschchen ein Träumchen. 15 Minuten, und die Pulle ist leer. Kein Geschrei, kein Rumhampeln, kein Weinen, kein Verschlucken, und vor allem kein ewiges Spucken anschließend. Herrlich.

Letzte Woche waren wir das erste Mal bei der Physio. Wegen seiner bevorzugten zur-Seite-guck-Seite und dem damit verbundenen asymmetrischen Hinterkopf. 
Eine Niederländerin mit noch krasserem Akzent als unsere niederländische Ärztin während der Entbindung. Der Muppes hat es mit unseren kasköppigen Nachbarn.
Ich habe jedenfalls ein "lekker Manneken", habe ich erfahren, und ansonsten ist unsere Therapeutin auch große Klasse. Ganz, ganz minimal sei die Asymmetrie. 
"Mit ein paar mehr Haare hätte man das gar nicht gesehen." (Bitte mit niederländischem Akzent lesen.)

Eine leichte Verspannung im Nacken, die Jonas nun wegmassiert bekommt, und damit sollte das Problem gegessen sein. Bereits nach der ersten Behandlung schaut er schon vermehrt auch zur anderen Seite.
Sehr, sehr fit sei er, motorisch schon ganz weit vorne mit dabei, sagte Frau Therapeutin.
Das hört man doch gerne.




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Und dann war da ja noch das Beauty-Give-away.

Irgendwie zwischen all dem Stress, der uns momentan in seinen Klauen gefangen hält, und auf den ich wahrscheinlich noch mal gesondert eingehen werde, haben wir es doch noch geschafft, den Gewinner bzw. die Gewinnerin auszulosen: 

Herzlichen Glückwunsch, Jana (Tanz Ballerina)!

Die Mail ist unterwegs, und das Päckchen dann vermutlich auch ganz bald.

Das nächste Give-away lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.