Montag, 20. Januar 2014

Vom Älterwerden

Am Donnerstag werde ich 34 Jahre alt.
Vier. Und. Dreißig!
Du gehst hart auf die 40 zu, sagt meine Mama halb im Spaß, halb ernsthaft.

Alt geworden. Bin ich das?

Abends gehe ich schon lange nicht mehr auf die Piste, stattdessen liege ich lieber beizeiten im warmen, gemütlichen Bett. Ich brauche meinen Schlaf. Und "vorschlafen" lautet die Devise. Kraft tanken, Akku aufladen, wann immer es geht.
Von der nächtlichen Party in den morgendlichen Hörsaal. Auf direktem Weg. Ohne Zwischenstopp im heimischen Bett, das war einmal.
Heute finde ich mit Mühe und Not den direkten Weg in die Küche zum Kaffeeautomaten, und das, nachdem ich (mehr oder weniger) ausreichend geschlafen habe.

Gehe ich shoppen in der Stadt komme ich nicht mit drei neuen Outfits nach Hause. Jedenfalls nicht für mich. Die Kinder hingegen, die sind beide neu eingekleidet.

Im Kühlschrank fristen nicht nur ein schrumpeliger Apfel, eine Packung vereinsamter Käse und ein paar Flaschen Wasser ihr Dasein, wie anno dazumal zu meinen besten Studentenzeiten, sondern im Ernstfall könnte ich spontan ein Drei-Gänge-Menü auf den Tisch zaubern. Ein Gesundes.

"Früher war alles besser!" und "Als ich jung war...", das sind Schlachtrufe, bei denen ich damals mit den Augen gerollt habe, heute ertappe ich mich immer öfter selber dabei, wie ich mich wehmütig an die gute, alte Zeit erinnere. 
"Zu meiner Zeit" gab es keine Handys, geschweige denn Smartphones. Wollte man sich mit Spielkameraden verabreden, ging man einfach hin und klingelte an der Tür. Entweder machte jemand auf oder nicht. Wir spielten draußen. Kletterten auf Bäume, bauten riesige Traumhäuser in Kornfelder (die Bauern werden sich gefreut haben), gingen Schwimmen oder fuhren Fahrrad. Einfach so. Es gab keine Videospiele, PCs und Konsolen, vor bzw. hinter denen man sich verschanzte, Kommunikation fand direkt statt, von Angesicht zu Angesicht, nicht per Kommentarfunktion, Email oder Whatsapp.

Ich habe mich immer ein wenig lustig gemacht, wenn meine Oma wieder einmal am Fenster stand und sich darüber informierte, was in der Nachbarschaft so los war. Heute bin ich immer öfter meine Oma! Stehe am Fenster und schaue, was in der Nachbarschaft so los ist. Man muss ja informiert sein.

Unser Auto soll familientauglich sein. Funktionell, großes Raumangebot. Cooles Design und Pferdestärken spielen keine Rolle mehr. Fast.
Ähnlich halte ich es mit den Klamotten. Dem neuesten Schrei laufe ich schon lange nicht mehr hinterher - falls ich das überhaupt jemals getan habe. Bequem muss es sein, und praktisch, und es muss mir gefallen. Alles andere ist wurscht.

Ja, ich bin alt geworden. Meine Kindheit ist definitiv vorbei, nicht einmal mehr Teenager bin ich. Und jetzt, mit eigenen Kindern, altere ich noch viel schneller, habe ich das Gefühl. Nicht aufzuhalten.
Aber das ist auch gar nicht schlimm.
Meine Kindheit ist zwar Geschichte (eine schöne Geschichte, ganz nebenbei), doch ich sehe nun meine eigenen Kinder ihr Leben entdecken und genießen. Ich sehe sie aufwachsen, ihre Erfahrungen machen, ich werde dabei sein, wenn sie zu jungen Erwachsenen heranreifen, und im besten Fall erlebe ich auch noch meine Kindeskinder.
Es gibt noch so viel zu erleben, unzählige Orte zu bereisen, die ich noch nicht kenne (machen wir doch, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, ne Schatz?), es gilt, Momente und Erinnerungen einzufangen, die erst noch kommen werden.

Meine Kindheit ist Geschichte, aber mein Leben noch lange nicht. Die Geschichte meines Lebens will erst noch geschrieben werden. Und wenn ich mir das vor Augen führe, freue ich mich ganz plötzlich darauf, noch ein wenig älter zu werden.

Kommentare:

  1. Nein, Du bist nicht alt geworden, sondern Mutter! Und die freut sich viel mehr über das neu geshoppte Oberteil für den süßen Nachwuchs, als die x-te Bluse im eigenen Kleiderschrank; die freut sich auf einen gemütlichen Abend bei und mit der Familie statt auf die Piste zu gehen; die freut sich auf das Kochen von gesunden Mahlzeiten und das gemeinsame gesellige Essen im Kreis der Familie statt unterwegs einen ungesunden Happen einzuwerfen, und und und.

    :o)

    Liebe Grüße
    Nele E.

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  2. Oh süss.. Ich mag den Post, denn er zeigt eigentlich einfach was für eine tolle Mama du bist! Und deswegen: ALLES GUTE!

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  3. Das hast du wirklich toll geschrieben. Und Mutter sein, erfüllt einen mehr als alles andere. LG:

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