Freitag, 24. Januar 2014

Trotz Kopf...

... oder wider besseren Wissens.

Wider besseren Wissens deshalb, weil Johanna eigentlich ziemlich genau weiß, dass sie mit bestimmtem Verhalten bei mir nicht durchkommt.
Aber von vorne.

Gut gelaunt machen Jonas und ich uns nachmittags kurz vor zwei auf den Weg zum Kindergarten, um die große Madame abzuholen.
Manchmal erinnert es an eines dieser schillernden Werbeversprechen: Man erwartet etwas ganz Tolles, bekommt aber im besseren Fall etwas gar nicht ganz so Tolles oder im schlimmsten aller Fälle etwas, was man gar nicht bestellt hat.
Diese Johanna habe ich definitiv nicht bestellt!

Zunächst werden wir von einer fröhlichen Madame empfangen, die freudig und überschwänglich ihren kleinen Bruder begrüßt.
Als es jedoch daran geht, Schuhe und Jacke anzuziehen, muss ich unbemerkt an einen gut versteckten Schalter irgendwo am Körper der Madame gekommen sein, denn schlagartig kippt die Laune. Das gerade noch lachende Kind legt den Kopf so schief, dass er das Ohr einklemmend auf der Schulter ruht (macht Johanna immer, wenn sie schlechte Laune hat oder irgendetwas nicht will) und zieht eine Flunsch wie sieben Tage Regenwetter. 
Ach! Was rede ich... sieben  M o n a t e  Regenwetter.
Gleichzeitig geht die Sirene an.
Jaulendes Klagegejammer, durch das irgendwelche Worte genuschelt werden, die ich beim besten Willen nicht verstehen kann (macht sie auch immer, wenn sie schlechte Laune hat oder irgendetwas nicht will).
Dem mütterlichen Instinkt folgend schließe ich daraus, dass es irgendetwas mit dem Anziehen der Schuhe und/oder der Jacke zu tun haben muss. Das verweigert Johanna nämlich während des Theaters konsequent.
Meine zu diesem Zeitpunkt noch relativ freundlich vorgebrachte Drohung, dass die Madame dann leider barfuß und im Pulli zum Auto laufen muss, wird prompt mit wütendem Gestampfe begleitet von kreischendem Geschrei quittiert.

Ich versuche ein paar Mal, Johanna dazu zu bewegen, sich nun endlich anzuziehen.
Mit Bitten, mit recht deutlichen Aufforderungen, mit Überredungsversuchen nach dem Motto "wenn du das machst, dann darfst du auch..." und mit der Androhung, sie dann leider im Kindergarten stehen lassen zu müssen, wenn sie sich partout weigert, sich anzuziehen, anziehen zu lassen oder wenigstens unangezogen mitzukommen.
Egal was, ich ernte nur Geheule, unzählige gejaulte "Neins", Geschrei, wütendes Stampfen und einen schiefen Kopf mit der dazugehörigen Fluppe. Bewege ich mich tatsächlich einige Schritte von ihr weg, schreit sie auf und hängt sich an mein Bein oder meine Jacke.
Der Muppes unterdessen wird langsam unruhig, da sich der Hunger meldet.

Man stelle sich diesen Zeter und Mordio schreienden laufenden Meter Mädchen vor, der quängelnde Muppes in der Babyschale dazu, und die dicke Mutti, der langsam der Rauch aus den Ohren pfeift. 
Ein Bild für die Götter, schätze ich. 
Jedenfalls scheint so mancher recht amüsiert.
Vielleicht ist es nur die Erleichterung, dass auch andere solche Probleme mit dem Nachwuchs haben. Oder doch Schadenfreude?

Was soll man nun tun?
Die Madame verweigert konsequent jegliche Kooperation, die Kommunikation wurde bis auf Schreien und "Nein!" - gerne auch kombiniert - eingestellt, und die Mutti steht ratlos davor und kratzt sich am Kopf.

Aus einigen Muttertiergesichtern - sie sind definitiv in der Minderheit, aber sie sind da! - springt mich pure Verständnislosigkeit an.
Das sind wahrscheinlich die Mütter, die nun mit ihrem derart trotzenden Kind in den Dialog treten und die Angelegenheit ruhig und gediegen bei einer Tasse Tee und einem Keks ausdiskutieren würden.
Oder es sind die Mütter, deren Kinder  n i e m a l s  i m  g a n z e n  L e b e n  ein Widerwort geben geschweige denn derart die Luzie machen würden.

Wie auch immer, ich war noch nie gut darin, so etwas auszudiskutieren, schon gar nicht ruhig, bin nicht der diplomatischste Mensch unter der Sonne, und zum Diskutieren bleibt sowieso noch genug Zeit, wenn Johanna an der Pubertät kratzt, somit reagiere ich zunächst leicht angesäuert. Dieser Zustand ändert sich mit fortschreitender Zeit, unruhiger werdendem Muppes und weiter kreischender und trampelnder Johanna bis ich kurz davor bin, zu platzen.

Natürlich beherrsche ich mich, doch darf Johanna ruhig deutlich spüren, dass ich mit derartigem Verhalten ganz und gar nicht einverstanden bin. Und das bespreche ich mit ihr nicht bei Tee und Keksen, sondern ich finde deutliche Worte.

Es funktioniert zumindest soweit, dass irgendwie Schuhe und Jacke am Kindskörper gelandet sind und wir den Weg zum Auto antreten können. Heulend, schreiend, stampfend. Aber es geht vorwärts. Am Tor dann kurz ein letztes Aufbäumen derart, dass sich die Madame wie die Ertrinkende an ein Stück Holz am Zaun festklammert, den Widerstand gibt sie aber zum Glück relativ schnell wieder auf.

Noch habe ich den dickeren Kopf und die besseren Argumente - rede ich mir jedenfalls ein.
Die Madame hingegen stört überhaupt nicht, dass das nachmittägliche Tanzen aufgrund ihres vorgezogenen Furientänzchens ausfällt. Vielmehr schneide ich mir damit natürlich ins eigene Fleisch, muss ich nun doch zwei Kinder zu Hause bespaßen und nicht nur eins.

An der richtigen Taktik gilt es definitiv noch zu feilen, ich schätze aber, es wird dafür auch noch mehr als genug Gelegenheiten geben. Schließlich ist sie erst vier, und wir haben noch ganz viele gemeinsame Jahre vor uns. Ich freue mich!

Kommentare:

  1. Hihi...
    Ich hab den Post gelesen, weil ich die Überschrift so "lustig" fand als ich sie auf meiner facebook Seite gelesen habe.

    Ich bin gerade in der Erzieher Ausbildung und mir ist da ein cooler Tipp eingefallen.
    Je nach dem wie viel Mut du hast musst du dich einfach mal schreiend wie sie es macht da neben "werfen", dann merkt sie, dass das schon "peinlich" ist.
    Ich hab sogar schon ein Video gesehen klappt echt :D

    Genug davon :P
    Ich mag die Art wie du deinen Post geschrieben hast ich glaube ich stöbere hier noch ein bisschen rum ;)

    Liebe Grüße

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    1. Freut mich, dass es gefällt. :)
      Und wer weiß, vielleicht schmeiße ich mich wirklich mal daneben... Fand es damals schon cool, als diese Methode in nem Werbespot verwurstet wurde. Aber bisher fehlt der Mut. ;o)

      Liebe Grüße,
      Rebecca

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