Freitag, 10. Januar 2014

Bis es Dreizehn schlägt!

Viele werden bei dem, was nun kommt, vermutlich erstaunt eine Augenbraue heben: 
Ich bin keine Supermom.
Jetzt ist es raus. Verblüffend, oder?
Je später der Abend, desto mehr tendiert meine Toleranzgrenze, was Stress, Geschrei und kleine Kinder angeht, gegen Null.

Ich muss vorweg schieben: Mein Mann arbeitet viel, und er arbeitet lange. Meist verlässt er das Haus, bevor auch nur irgendeiner von uns den Federn entstiegen ist, nicht einmal Kater Eddy erhascht einen morgendlichen Blick auf das Herrchen (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).
Dabei fängt unser Tag weiß Gott nicht spät an. Schließlich verlangt der Muppes seine Frühstücks- (eigentlich fast noch Nacht-)Milch, und die Madame wird beizeiten im Kindergarten erwartet.
Trotzdem bekommen wir regelmäßig nur noch den flüchtenden Deo-Duft meines Mannes mit.
Auf der Flucht. So kommt er mir manchmal vor. Mein Mann, nicht der Deo-Duft.
Kommt er - also der Mann - abends nach Hause, hat er den dicksten Trouble in der Regel verpasst. Kreischender Muppes, weil dieser partout nicht in den Schlaf findet, inklusive.
(Ob das Absicht ist, das Verpassen?)

Im Moment haben wir abends regelmäßig folgende Situation:
Irgendwann zwischen 17.30 Uhr und 18.30 Uhr drückt ein fies grinsender Wichtel mit struppigen, roten Haaren und Zipfelmütze (jawohl, genau so sieht er aus!) beim Muppes ein Knöpfchen, das ich selber noch nicht entdeckt habe, und es wird in den Kreisch-Modus geschaltet. Schlagartig. Ohne Vorwarnung. Nichts hilft. Tragen, Schaukeln, Reden, Singen, Verhandeln, Bestechen, Erpressen - gar nichts.

Je lauter und anhaltender der Muppes kreischt, desto deutlicher verlangt auch Johanna nach Aufmerksamkeit. Vielleicht fühlt sie sich vom Singsang-Kreisch-Gebrüll besonders inspiriert, jedenfalls erklingt gerne die Frage: 

"Mamiiiii, kennst du das Lied [an dieser Stelle darf der geneigte Leser jedes x-beliebige Kinderlied einfügen]?" 

An dem Punkt habe ich bereits verloren. Es ist gänzlich egal, was ich antworte. Ja, nein, vielleicht, weiß ich nicht, möglicherweise, ich habe gerade gar keine Lust auf Gesang...
Die Madame stimmt das Lied an und gibt es in voller epischer Länge und Breite zum Besten. Einmal, zweimal, dreimal, bis zur Vergasung.

Links auf der Schulter unablässig brüllender Muppes, von rechts dröhnt situationsbedingt sägengleicher Kindergesang in mein Ohr, so habe ich immerhin die passende musikalische Untermalung zum Muppes-Getön und dem langsam aus meinen Ohren aufsteigenden Rauch.
So liebend gerne ich die Interessen meiner Tochter auch fördere - und Musik, insbesondere das Singen, ist ein ganz tolles Interesse - nach der drölften Wiedergabe rutscht mir vielleicht doch ein leise gemurmeltes "Gleich schlägt es aber Dreizehn!" heraus.
Und Johanna hört alles. Gebrüll, Gesang, eine hochgehende Bombe direkt nebenan, nichts davon ein Hindernis. Ihre Ohren sind riesige trichterförmige Empfänger, die restlos alles aufnehmen.
"Aber da ist doch gar keine 13 drauf!" spricht sie und zeigt auf die Uhr an der Wand.

Irgendwann gibt der Muppes Ruhe. Oder findet Ruhe. Meist zwischen 19.30 Uhr und 20.30 Uhr. Dann schläft er (endlich!). 
Stille - mehr oder weniger. 
Johannas Zeit ist gekommen. Sie brabbelt und brabbelt. Man könnte meinen, sie möchte nachholen, wofür die Stunden vorher keine Zeit war, möglichst viele Worte so schnell es geht herausbringen, bevor sich der Muppes vielleicht doch noch einmal meldet.
Ich allerdings habe dafür oft (und ich bedaure es zutiefst, aber ich kann in dem Moment nicht aus meiner Haut) keinen Nerv mehr, antworte einsilbig, wenn überhaupt, möchte einfach nur Ruhe haben.

Sie tut mir leid, mein Mäuschen.
Sie kommt zur kurz. Viel zu kurz. Und erträgt es großartig, ist dennoch so liebevoll ihrem Brüderchen gegenüber und gibt mir Küsschen und streichelt mich, wenn ich mal wieder verzweifelt mit dem schreienden Muppes im leicht abgedunkelten Schlafzimmer sitze und ihn wiege, während mir auch ein Tränchen die Wange herunterläuft.
"Du hast da Tränen, Mama. Bist du traurig, weil der Papa nicht da ist?"

Beim  Zubettgehen dann eine letzte Frage von ihr: 
"Und wann schlägt es nun Dreizehn, Mami?"

Sie bringt mich immer wieder zum Lachen, meine Maus.

1 Kommentar:

  1. hey...
    ich musste grade schwer schlucken, denn genau so geht's uns zur zeit auch, ich muß sagen wir bauen nebenher noch ein anbau an unser haus, das heisst mein mann ist die meiste zeit da, ich bin somit mit den beiden Kids, Töchterlein 3,5 jahre und minimännchen 6 Monate, die meiste allein zuhause, ich finde es an sich schön die zeit mit den Kids.... und gerecht verteilt, was die arbeiten angehen, ich kann nun mal auf dem bau nicht viel machen, doch unser kleiner herr durch lebt zur zeit auch irgendeine Phase, ich tippe auch zähne und ein wachstumsschub, da kommt abends nur noch gebrülle, ich kann tun und lassen was ich will, er will keine flasche abends, gut dann eben brei, nein...den auch nicht, schreien schreien schreien und nebendran noch ne kleine maus die auch ihren teil von Mama anzwocken möchte...der kleine herr geht meist gegen 19 Uhr ins bett dann bekommt Töchterlein noch mal die volle Aufmerksamkeit, aber genau wie du schreibst, manchmal sehnt man sich nach ruhe, dieses ständige gedudel um einen rum, jaaa. das zerrt ganz schön an den nerven, aber hey ..ich denke da geht's vielen so, hilft nur kopf hoch und durch, aber ich kann dich so so so gut verstehen...
    wir schaffen das ;) liebe grüße

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