Sonntag, 10. November 2013

Highspeed-Mama und -Papa

In den meisten Fällen lässt sich der Nachwuchs ganz schön Zeit damit, auf die Welt zu kommen - jedenfalls nach meinen persönlichen Erfahrungen. 
Doch quasi mit Abgehen der Nachgeburt wird der Schalter umgelegt, der aus dem bisher ganz angenehmen, gesetzten Leben einen Alltag im Highspeed-Modus macht.

Von Entschleunigung ist allüberall die Rede. 
Mit einem Neugeborenen kann man nicht mehr von Termin zu Termin hetzen, bleibt eher mal zu Hause, macht es sich gemütlich, versucht, den Alltag mit Kleinkind und Säugling zu regeln. 
Prinzipiell ist das ja richtig, dafür muss man an anderer Stelle aber ganz schön beschleunigen.




Die ganz Kleinen haben zum Beispiel ein unsagbares Talent dafür, genau dann Hunger anzumelden (und das ganz schön vehement, wie man weiß), wenn man sich selber gerade den Teller vollgeladen hat. Dabei ist es völlig unerheblich, um welche Uhrzeit man seinen Hunger stillen möchte, ob man es regelmäßig zur selben Zeit versucht, oder ob man, gewitzt, wie man ist, unterschiedliche Uhrzeiten ausprobiert. 
Die Kleinen riechen das. 
Vermutlich wortwörtlich. 
Und kaum sitzt man vor seinem Essen, kräht der Nachwuchs von hinten nach Nahrung.
Irgendwann geht man zu kalter Kost über, schließlich isst man eh nur noch kalt, auch Gekochtes, und man versucht dennoch - auch wenn es nicht mehr kalt werden kann - fertig zu werden (wenigstens ein paar Bissen gegessen zu haben), bevor der Schreihals sich meldet.
Highspeed-Essen par excellence.
Ein besonderes Highlight ist es, wenn Mama und Papa aufgegessen haben, bevor Jonas sich meldet.
Das allerdings ist in den knapp drei Wochen, die das Männlein nun bei uns ist, genau einmal vorgekommen.
Ob Frühstück, Mittag-, Abendessen oder Snack spielt dabei übrigens überhaupt gar keine Rolle.

Ein anderes Thema ist das Wickeln. 
Vor allem das Wickeln eines kleinen Jungen.

Ist man an den ersten zwei Tagen noch sehr vorsichtig und unbeholfen, weil man diesen winzigen, zerbrechlichen Körper gar nicht mehr gewohnt ist (Johanna wiegt immerhin knapp 16kg und ist nicht mehr wirklich zerbrechlich) und Angst hat, etwas kaputt zu machen, wenn man zu feste drückt oder zieht oder was auch immer macht, legt man diese langsame Vorsicht spätestens dann ab, wenn man das erste Mal angepinkelt worden ist.
Mutter Natur hat es leider so eingerichtet, dass kleine Jungs gerne mal wild durch die Gegend urinieren (und das meine ich wörtlich!), wenn es frisch wird am Poppes.
Jonas ist da keine Ausnahme.
Ziemlich schnell liegt bei jedem Wickeln ein Tuch parat, das man gegebenenfalls überwerfen kann, sobald es nass zu werden droht, und ein Auge klebt die ganze Zeit am winzigen Schniepi, um ja kein noch so geringes Anzeichen zu übersehen. 
Dabei wickelt man im absoluten Highspeed-Modus, damit es gar nicht erst zu einem Unglück kommen kann.
Dumm nur, wenn sich der kleine Mann bis unter die Achseln eingeschissen hat. 
Dann kann man Highspeed getrost vergessen. 

Was auch immer zu erledigen ist, quetscht man in die wenigen Stündchen zwischen den Raubtierfütterungszeiten, vor allem, wenn es Dinge sind, die außer Haus zu erledigen sind.

Ja, man sortiert vielleicht die Verpflichtungen um, die schon vor dem Neuankömmling bestanden haben, oder man cancelt die ein oder andere Geschichte ganz, aber von Entschleunigung kann wirklich keine Rede sein.
Seit der Ankunft mit Jonas zu Hause fühle ich mich gerade in diesen kleinen Alltagssituationen wie eine Schnecke auf Speed.
Eigentlich hundemüde und entsprechend bewegungsfaul, langsam und kaum aufnahmefähig, aber gleichzeitig gezwungen, durch die alltäglichen Arbeiten und Aufgaben zu hetzen.

Und genauso, wie man mit der Geburt in den Highspeed-Modus schaltet, leuchtet schlagartig wieder das omnipräsente Säuglings- und Kleinkinderbetreuungs- und Erziehungsmantra auf: 

Es ist nur eine Phase!



Kommentare:

  1. Was für zauberhafte wunderschöne Bilder! Danke fürs teihaben lassen.....
    Ich bewundere Dich... Dus chaffst das schon.
    Muss man ja, ne... *ggg*
    Nein, im Ernst... ich ziehe den Hut vor allen die ein 2tes. geschweige denn 3tes oder 4tes usw.(!) Kind bekommen... ich persönlich bin absolut nicht der Mensch für diese mütterliche Selbstaufgabe, garde in der anstrengenden babyzeit die ja doch ein Weilchen dauert.
    So schön&besonders die Zeit bei unsrer Mimi (sie wird nun im Dez.3J.) auch war, so meeeegaanstrengend und absolut Selbst-aufgebend habe ich sie empfunden.
    Hut ab, ehrlich!
    Alles gute und viel Schlaf wünsch ich...
    MamaMia

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  2. Ohje, süss.. hast mein Beileid aber gleichzeitig meinen Glückwunsch zu dem kleinen Wunder.. schön dass du den Mut hast einfach geradeheraus zu schreiben.. Deswegen bist du trotzdem mit Sicherheit eine Super-Mama.. Viel Erfolg weiterhin bei dem ganzen Highspeed-Kram und ein paar ruhige Minuten dazwischen wünsche ich!

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