Samstag, 26. Oktober 2013

Es hat "flupp" gemacht!

Dienstag, 22 Oktober 2013, 3.45 Uhr. 

Wir sind bei SSW 39+6, also einen Tag vor dem errechneten Entbindungstermin.

Mit einem Mal schrecke ich aus dem Tiefschlaf hoch. Sekundenbruchteile später wird es nass. Fruchtwasser! Nicht schwallartig, aber doch eine deutliche Menge.
Von stärkeren Wehen ist allerdings nichts zu merken.

Unbeholfen rollt sich der Wal - also ich - aus dem Bett und stiefelt breitbeinig ins Badezimmer.
Erst einmal die Lage checken.
Die Schleuse ist definitiv nicht offen, ich laufe nicht aus, aber das, was gekommen ist, präsentiert sich schön klar und geruchlos. (Ja, ich habe den Schnüffeltest gemacht.)
Sehr gut.

Ich stopfe mir ne dicke Binde in die Buchse - nur für den Fall, dass... - und watschel zurück ins Schlafzimmer.
Auf die sanfteste aller sanften Methoden wecke ich den Göttergatten: Ich schalte die Festbeleuchtung ein und verkünde: "Ich glaube, du kannst dich mal anziehen."
"Wieso?"
"Ist so schönes Wetter, ich möchte spazieren gehen."
...
"Ich habe Fruchtwasser verloren. Es ist soweit."

Wir ziehen uns ganz in Ruhe an, schnappen uns Tasche und Co. und machen uns auf den Weg ins Krankenhaus.
Kurz nach 4 Uhr kommen wir an, um 4.21 Uhr hänge ich das erste Mal am CTG.
Drei, vier Wehen sind zu sehen, und zu diesem Zeitpunkt bin ich noch guter Dinge, dass wir Jonas relativ zügig begrüßen können.






Muttermund fingerdurchlässig (hätte nach den tagelangen Vorwehen ja durchaus schon etwas mehr sein können), wie bei einer überaus angenehmen Untersuchung durch die Hebamme festgestellt wird. 

Wir drehen ne Runde durchs Krankenhaus, Spaziergänge sind angesagt, und gönnen uns nen leckeren Automatenkaffee bzw. -kakao.
Diesen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch bequem auf meinem Bauch abstellen.





Um 7.15 Uhr wird das nächste CTG geschrieben. Allerdings ist keine nennenswerte Veränderung zu sehen. Ich wehe gemächlich vor mich hin, mehr aber auch nicht. Einige Globulis sollen das ändern, und wir gehen erst mal lecker Krankenhausfrühstück genießen.




Danach weiterer Spaziergang, bis ich um 10.21 Uhr erneut ans CTG gefesselt werde. Bald eineinhalb Stunden liege ich dieses Mal dort herum. Der Monsieur randaliert dermaßen durch den Bauch, dass eine vernünftige Aufzeichnung nahezu unmöglich ist. Schließlich bekomme ich sogar Globulis, die das Kind beruhigen sollen (die haben ja auch schon bei der Wehenförderung super funktioniert).

Und dann - endlich: Eine richtig tolle Wehe wird registriert!
Das wars dann aber auch. Eine ist keine.

Gegen 12.30 Uhr beziehe ich mein Zimmer, verspeise erst einmal ein köstliches Krankenhaus-Mittagsmahl und latsche mit Mann im Schlepptau weiter übers Klinikgelände. Der ist davon übrigens total begeistert, so als passionierter Spaziergänger.
Aber wat mutt, dat mutt.
Mich fragt ja auch niemand, ob ich mit ner nassen Buchse rumlaufen will, weil immer mal wieder über den Vormittag verteilt der ein oder andere Schwall Fruchtwasser abgeht. Dank des dicken Bauchs kommt immerhin niemand auf die Idee, ich habe mir in die Hose gepinkelt. Die Situation ist doch allzu offensichtlich. Ehrlich gesagt ist mir das allerdings sowieso reichlich egal.

Um 15 Uhr - wie kann es anders sein - erneutes CTG und eine weitere Untersuchung.
Muttermund unverändert, CTG ebenfalls. Ganz herrlich.
Da nun beinahe 12 Stunden vergangen sind, seit die Blase gesprungen ist, präsentiert mir die Hebamme zwei sehr reizvolle Alternativen: Einleitung per Wehentropf oder Einleitung per Vaginaltablette.
Nach kurzer Beratung untereinander und Empfehlung durch die Hebamme entscheiden wir uns für die Vaginaltablette.
Da damals bei Johanna auch eingeleitet worden war und ich weiß, was dadurch an Wehen auf mich zukommen würde verweise ich direkt auf die nun gewünschte PDA, wenn es dann soweit ist.

Vaginaltablette ist übrigens super, Taschen-Internet auch. Während ich auf der Liege liege, googelt Männe mal eben mit dem Handy, wie so die Erfahrungswerte bei der Tablette aussehen.
Taschen-Internet - Segen und Fluch zugleich. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Tablette jedenfalls wird ganz unterschiedlich aufgenommen. Die Einen werden danach von den Wehen schier überrollt, bei den Anderen tut sich über Stunden gar nichts und sie landen trotzdem am Tropf. Dazwischen scheint es nichts zu geben.

15.30 Uhr: Einleitung durch Positionierung der Tablette.
16 Uhr: deutlich gesteigerte Wehentätigkeit.
Endlich!

Bißchen CTG wird noch geschrieben, und dann werde ich mal wieder weggeschickt mit der Auflage, um 19 Uhr erneut anzutreten.
Wir ziehen uns aufs Zimmer zurück, und kurz danach geht es los.
Ich gehöre zur ersten Gruppe: Ich werde überrollt.
Schlagartig sind sie da, schneller, als dass ich registrieren kann, dass ich nun tatsächlich Wehen habe. 
Ab 17.30 Uhr halte ich mich an der Fensterbank fest und kann nur noch veratmen.
Gegen 18 Uhr geht gar nichts mehr und wir brechen auf Richtung Kreißsaal. 
 Nach einigen Zwischenstops an den Wänden zum Veratmen bringe ich am Ziel angekommen nur noch ein "Ich habe Wehen!" raus und lande sofort wieder am Begleiter des Tages, dem CTG.
Was für ein herrliches Bild!




Schöne Wehen, viele Wehen, viele schöne Wehen. 
Scheiße, tut das weh!
Der Muttermund ist nun 4cm auf, nach kurzer Besprechung bekomme ich prompt die Mitteilung, dass wir nun in den großen Kreißsaal umziehen und auch die Anästhesistin informiert sei und so schnell wie möglich komme, um die PDA zu setzen.

Und dort landen wir: Im Borussia-Saal. 
Man entbindet eben in einer Fußballstadt. Unverkennbar.




Ich bekomme ein schickes Krankenhaushemdchen, Poppes hinten offen, werde verkabelt und verdrahtet, mir ist in dem Moment alles egal, ich bin ziemlich mit meinen Wehen beschäftigt.
Dann erscheint auch schon die sehnlichst herbeigewünschte Anästhesistin auf der Bildfläche, und beim dritten Versuch sitzt endlich die PDA.
An dieser Stelle möchte ich noch mal anmerken: Ich bin wirklich kein wehleidiger Mensch, ertrage viel, bevor ich mal Laut gebe, aber eingeleitete Wehen sind einfach fies. Sehr fies. 

Nun gibt es Erleichterung und ich kann etwas entspannen. Vorerst.
Die Geburt schreitet recht zügig voran, und mittlerweile höre ich immer öfter, dass Jonas wohl "heute noch" zur Welt kommen würde, also vor Mitternacht.
Im Rücken und im Bauch habe ich zwar keine nennenswerten Wehenschmerzen mehr, lediglich den Druck spüre ich, aber immer mal zwischendurch finde ich Gelegenheit, mich darüber zu wundern, dass ich trotz PDA totales Gefühl in den Beinen habe und sich auch im Schambereich immer mehr der alles überrollende Schmerz in den Vordergrund schiebt.
Druck ja, aber Schmerz?
Solcher Schmerz? 
Bei einer PDA? 
Irgendwas ist doch da nicht ganz koscher, oder?
Mein Notfall-Dröhnungs-Knöpfchen bringt ebenfalls keinerlei Erleichterung, ich glaube, da ist was nicht ganz optimal gelaufen mit der "Betäubung".
Nutzt aber nichts, da muss ich jetzt so durch.
Auch oberhalb des Schambereiches spüre ich nun wieder mehr. 
Wozu wurde dreimal in meinem Rücken rumgestochert, wenn es doch nichts gebracht hat?

Ich bin leicht genervt.
Oder wäre es, wenn ich Zeit und nen Kopf dafür hätte, darüber nachzudenken.

Habe ich aber nicht. Ich kann nur noch schreien. 
Schreien und die Hand meines Mannes zerquetschen. 
So etwas habe ich noch nicht erlebt. Dagegen waren die 18 Stunden bei Johannas Geburt ein Spaziergang, wenn man vom Schmerzlevel ausgeht.

Irgendwann kann ich auch nicht mehr anders als mitzupressen. Kann dem Druck und Schmerz nach unten nicht widerstehen, mein Körper zeigt mir, wo es langgeht, und die Hebamme geht den Weg mit. Zusammen mit der Ärztin.
Irgendwann höre ich erneut: "Der kleine Mann kommt heute noch."
Ich schaue auf die Uhr an der Wand und bringe ein "Aber es ist erst zehn vor elf! Dann kann das ja noch über ne Stunde dauern!" heraus.
"Nein, nein, so lange dauert das nicht mehr." erklingt zwischen meinen Beinen die Antwort.

Ich fühle, wie sich das Köpfchen aus mir herausschiebt, wie ich das Köpfchen aus mir herauspresse. Spüre, wie die Hebamme an Saum und Muttermund herumfummelt, zur Seite schiebt, dehnt, damit der nötige Platz geschaffen wird, und ich höre das fiese Schnipp-Schnapp der Schere. Schon wieder geschnitten. Aua.
Ich bin mir absolut sicher, ich zerreiße, werde einfach halbiert.

Und dann - zwei, drei oder auch vier unglaublich heftige Presswehen später - ist er da. 
Der Kopf. 
Schlagartige Erleichterung, leichtes Nachpressen, und dann flutscht Jonas auf die Welt.
22.55 Uhr.
Draußen tobt ein schweres Unwetter mit Blitz und Donner und allem drum und dran, wie ich später erfahre. Mitbekommen habe ich davon rein gar nichts.

Sofort erklingt seine kräftige Stimme, eine zauberhafte Melodie des Lebens in meinen Ohren.
Thomas darf die Nabelschnur durchschneiden, und dann bekomme ich Jonas auch schon zu mir.




Was für ein kleines Wunder.
Gerade noch in meinem Bauch, und nun von Angesicht zu Angesicht.
Bißchen verschmiert zwar noch, aber dennoch wunderschön.

Leider kann auch das schönste, kleine Wunder nur bedingt trösten und ablenken, wenn ein Dammschnitt ohne Betäubung genäht wird. Bei Johanna habe ich damals von der ganzen Näherei dank PDA nichts mitbekommen, dieses Mal war es wie eine zweite Geburt. Nur noch etwas fieserer Schmerz.
Zum Glück geht alles irgendwann vorbei, so auch diese Qual.
Und dann steht Jonas wieder im Vordergrund.

Stolze 4000g schwer, 53cm lang und mit einem Kopfumfang von 36cm präsentiert er sich.
Und kerngesund.

Was will man mehr?



Kommentare:

  1. Cool ! Ich bin die erste ;-) Ich gratuliere dir ganz Herzlich zu deinem wunderschönen süßen Wonneproppen. Dem Papa natürlich auch und der großen Schwester ! Hast du toll gemacht. Wünsche Euch eine ganz tolle Babykuschelkennenlernzeit ! Ganz liebe Grüße Bibi

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  2. Die herzlichsten Glückwünsche aus der Hauptstadt schicke ich dir, dem Papa und der nun großen Schwester Johanna. :o)
    Ein von mir geliebter Mensch verlässt in genau dieser Zeitspanne die Welt, um einem anderen seine Zeit auf Erden zu geben. Ich wünsche Jonas beste Gesundheit, Glück und das er das Leben in vollen Zügen genießt!!!
    lg
    zelakram.blogspot.com

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  3. Ich gratulieiiiiere Euch von ganzem ganzem herzen!
    was für ein wudnerhübscher kleien rBub - unglaublich... so friedlich das Bild. Er ist so schö.
    Das Bild wo er aufn Bauch liegt ist unglaublich...dieser erste Augenblick, gemeinsam, so unglaublich eingefangen und ihr lasst uns daran teilhaben ein stückchen. Danke, ich bin unendlich gerührt. *Träne wegwisch*
    Endlich ist er da..... wie aufregend.
    Ich hoffe es geht Euch gut, das ihr gut zusammen findet, Euch kennenlernt und Johanna ihren kleinen Bruder gut aufnimmt.
    Boah... 40000g. Hut ab!
    Hast Du toll gemacht. Klingt trotz der notwendigerweise üblen Schmerzen nach einer schönen Geburt.
    Hach, ich freu mich sooo für Euch!
    Ich wünsche Euch ganz viel Ruhe und Kraft, viel gemeinsame, intensive Zei tund Entspannung gemeinsam auch die nächsten Tage. Lasst Euch von Besuchen nicht überollen...
    Willkommen kleiner Erdenbürger - so schön das Du nun da bist!
    Alle sLiebe für Euch
    MamaMia

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  4. Herzlichen Glückwunsch zum gesunden Sohn und Bruder!
    Ich finde es einfach toll dass du uns an deiner Schwangerschaft und Geburt teilhaben lässt.
    Eine schöne und spannende Zeit wünsche ich euch Dreien!
    LG Regina

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  5. Wie schön, wie aufregend!
    Herzlichen Glückwunsch zu so einem gelungenen Wunder.
    Alles Gute!

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  6. Bin gerade durch Klickere über deinen Blog gestolpert... sehr schöner Artikel, hachja, da werden Erinnerungen wach! Herzlichen Glückwunsch dann auch mal von mir! Erholt euch gut und eine schöne Zeit!

    Liebe Grüße vom Vorstadtterror

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  7. herzlichen glückwunsch zum gesunden kleinen mann :)

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  8. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt des kleinen Jonas.... danke auch für den schönen und ausführlichen Bericht!!!

    Alles Gute für euch!

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  9. Herzlichen Glückwunsch, alles Liebe und eine wunderschöne Kennenlernzeit wünscht Euch
    Elisabeth

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  10. oh neine, wie wunderschön, ich wird verrückt, toller ehrlicher bericht, woow, ich wünsche euch von herzen alles gut und für den kleine jonas gottes wunderbaren segen auf allen wegen die er je gehen wird.

    nun seid ihr ratz fatz zu 4. wunderschön... und wunderbar wenn die schmerzen nachlassen, ich kann bei einer "echten" Geburt leider nicht mitreden, ich hatte leider bedingt durch einen steißbeibruch und auch noch beckenfehlstellung 2 Kaiserschnitte, ich hätte die Kids lieber normal geboren, kann mir nicht vorstellen wie sich jemand freiwillig ein Kaiserschnitt antut ;))
    ich wünsche euch auch eine ganz tolle zeit zusammen, und bin gespannt auf deinen bericht wie Johanna ihren kleine bruder findet ;)

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  11. ich habs verpasst obwohl ich ja quasi den termin erraten hatte!
    alles alles gute und herzlichen glückwunsch und eine ganz ganz tolle kuschelzeit wünsch ich euch :-)
    süsser kleiner mann! und toller bericht! ich mags ja, wenns detailliert und nicht geschönt ist und bin jedes mal froh, dass bei mir nie einer einleiten wollte (oder schneiden… hab dem mann gesagt, wenn er wen mit ner schere da rumspringen soeht, dann soll der die umtreten! reissen ok, aber schneiden nein!!)

    in den borussenkreisssaal hätten die mich nich rein bekommen, da hätt ich den wutz lieber auf dem flur bekommen ;) hihi ^^ gut, dass die in rheydt sowas nicht haben. aber nen jünter haben wir geschenkt bekommen… bjarne isst den ganz gerne XD

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  12. Ist zwar schon ein Monat seit deiner Entbindung her - aber dennoch möchte ich dir zu deinem zauberhaften Jonas gratulieren.
    Da ich selbst noch ein kleines Wunder im Bauch habe, lese ich mir sehr gerne Geburtsberichte durch und du hast deinen wundervoll geschrieben. Unverblümt, ehrlich und gefühlvoll.

    Ich wünsche euch alles alles Liebe <3
    www.schwangerschaft-hautnah.blogspot.de

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