Montag, 23. September 2013

Die Zeit, die Zeit...

Manchmal scheint alles still zu stehen, dann wiederum rast die Welt mit ihren Ereignissen und Veränderungen an einem vorbei, und man kommt kaum hinterher.

Mit Johanna ist es im Moment so, als hätte ich ein sieben- oder achtmonatiges Baby hier, das ich nach und nach an Beikost gewöhne.
Von Mal zu Mal schiebt sich die Madame mehr in den Mund, die Bisse werden größer, und die Mengen, die sie zu sich nimmt, wachsen.
Heute hatten wir das erste Mal einen Tag, an dem sie mehr "Normales" als Brei verspeist hat. 
Genau genommen hat sie erst heute Abend eine Breimahlzeit verlangt. 
Frühstück, Mittag und Snacks bestanden aus fester Nahrung in Form von Knäckebrot, belegtem Brot, Käse, Keksen, Obst- und Gemüsesticks.
Dabei nimmt sie zwar immer noch nicht wahnsinnige Mengen zu sich (ob sie überhaupt satt wird?), aber Johanna wird sich schon melden, wenn sie ihren Hunger stillen muss, und vermutlich kann sich ein leichtes Hungergefühl nur positiv auf ihre Motivation auswirken, sich noch mehr an fester Nahrung zu versuchen.

Sowieso macht sie den Eindruck, dass sie den Brei nun, da sie endlich auf den Geschmack gekommen ist, einfach über hat und nur noch darauf zurückgreifen mag, wenn es gar nicht anders geht, wenn sie Pause braucht vom Neuen.
Man darf nicht vergessen, dass feste Nahrung nach wie vor völliges Neuland für sie ist, dass sie immer noch mit jedem Bissen dazulernt, und dass das Ganze ein langer Prozess ist. Eben genau der Prozess, den andere Kinder in der Regel vor ihrem ersten Geburtstag durchlaufen.
Diese Kleinen werden auch nicht eines Morgens wach und ernähren sich wie auf Fingerschnipp komplett fest.
Wir durchleben das Ganze nun eben mit rund drei Jahren Verspätung.

Jeden Tag staune ich Bauklötze, wenn ich mein Mädchen (heimlich) beim Essen beobachte.
Gestern hat sie sich bei Oma fadenweise das Sauerkraut reingezogen - im wahrsten Sinne des Wortes. Herrlich. Und immer noch faszinierend.

Gleichzeitig rast die Schwangerschaft nur so an mir vorbei.
Es sind nur noch vier Wochen bis zum voraussichtlichen (korrigierten) Entbindungstermin, drei Wochen bis zum ursprünglichen Termin.
Nur noch vier Wochen! 
Wo ist die Zeit geblieben? Wo ist die Schwangerschaft geblieben? 
Ich habe doch erst gestern positiv gestestet.
Und dann schleicht sich Wehmut ein. 
Nur noch vier Wochen (plusminus) werde ich diesen schönen, dicken Bauch haben. Werde ich unseren Jungen spüren, wenn er sich mal wieder durch meine Eingeweide wühlt. Nicht angenehm und dennoch so besonders und wunderbar.
Ich möchte den Bauch mit seinem Innenleben nicht hergeben.
Wenngleich ich natürlich mittlerweile wahnsinnig neugierig auf den kleinen Mann bin, wissen möchte, wie er aussieht, sich anfühlt, riecht, wem er ähnlich sieht, wie seine Stimme klingt. Ich freue mich darauf, ihn in den Armen zu halten (obwohl ich mich auf den Weg dorthin - die Geburt - nicht sonderlich freue, aber wat mutt, dat mutt, ne), und trotzdem mag ich aber auch den dicken Bauch nicht hergeben.
Es wird das letzte Mal sein, dass ein Baby in mir heranwächst bzw. herangewachsen ist, das letzte Mal werde ich die Beulen über die Bauchdecke wandern sehen, wenn es sich bewegt, das letzte Mal werde ich die Bewegungen spüren... wie gemein.
Kann ich die Empfindungen nicht irgendwie konservieren? Eine Gefühlsaufnahme davon machen, die ich mir anschließend immer wieder vorspielen kann?
Das wär doch mal was...
Erinnerungen verblassen. Leider.

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