Mittwoch, 28. August 2013

Schritt für Schritt

Gerade in den letzten Tagen/Wochen bewegt sich so wahnsinnig viel bei Johanna.

Aus gegebenem Anlass - beide Verordnungen (Ergotherapie und Logopädie) waren abgelaufen und wir mussten heute zur Entwicklungskontrolle beim Kinderarzt antreten, um neue Verordnungen zu bekommen - möchte ich auch hier einmal kurz umreißen, wo wir nun eigentlich stehen.

Sehr intelligentes Kind, sprachlich und feinmotorisch ganz weit vorne, daran hat sich nichts geändert.
Wohl aber an Johannas Defiziten. In die absolut richtige Richtung!

Seit wenigen Wochen nun kaut sie. 
Beißt von Nahrungsmitteln ab und erfährt für sich hochkonzentriert in ihren ganz eigenen Wahrnehmungswelt, was man alles mit den Zähnen machen kann, wo man wie viel Druck braucht, dass unterschiedliche Nahrungsmittel unterschiedliche Arten des Kauens erfordern und und und.
Es ist immer wieder wahnsinnig spannend und interessant, ihr Gesicht zu beobachten, während sie diese für sie vollkommen neuen Erfahrungen macht.

Und brandaktuell: Seit wenigen Tagen nun schluckt sie tatsächlich Lebensmittel herunter, anstatt sie nach dem Kauen per Hand wieder aus dem Mund zu befördern. 
Es sind zwar winzige Minifitzelchen, die da zwischen den Zähnen, durch die Speiseröhre im Magen verschwinden, aber sie isst! 
Johanna fängt an zu essen!




In den letzten zwei, drei Tagen verschwanden weichgekochte, kleine Möhrenstückchen, Toastkrümel, Käsestückchen, ein Keks, ein Chicken Nugget (zumindest das innere Fleisch, die Panade blieb liegen) und sicherlich noch das ein oder andere weitere Stückchen in Johannas Mund und wurden tatsächlich heruntergeschluckt.




Zum Hungerstillen reicht das natürlich noch nicht, da müssen nach wie vor Grießbrei und Vanillequark herhalten, aber dennoch sind das riesige Fortschritte.
Ich kann mich nur wiederholen: Johanna fängt an zu essen! 
Und das ist ganz wunderbar!

Natürlich hat sie durch diese ganz neuen Erfahrungen, durch die rasanten Fortschritte, die sie nun macht, jede Menge zu kompensieren
Muss sich erden, braucht Bekanntes, in das sie sich zurückziehen kann, ihre Sicherheitszone in der großen, unbekannten Welt.
Hier hatte ich bereits berichtet, dass Johanna in erster Linie durch das monotone Zerreißen, Schreddern, Zerschnipseln von Papier jeglicher Art kompensiert.

Ihr könnt euch vorstellen, wie es derzeit täglich hier aussieht.
Papierschnipsel, wohin man schaut.






Nur ein kleiner Abriß, der das ganze Ausmaß der Schnipselei gar nicht in voller Pracht wiedergeben kann.
Täglich finde ich hier wahre Papierschnipselberge.
Immerhin vergreift sich Johanna aber nur noch an Papier, das sie ruhig schreddern darf.
Bücher oder ähnliches sind schon lange nicht mehr zerstört worden.

Und wenn sie das braucht, um sich in anderen Bereichen weiterentwickeln zu können - um weitere Fortschritte in Richtung "normales Essverhalten" zu machen - dann karre ich ihr gerne tonnenweise Papier an.

Vielleicht platzt dann auch demnächst irgendwann der Knoten in Sachen "Wasser auf dem Körper" und "Trockenwerden", das sind nämlich noch zwei große Problemfelder neben dem Essen, aber ich bin guter Dinge, dass Johanna sich auch in den Bereichen immer mehr trauen wird.

Gut Ding will Weile haben, und kommt Zeit, kommt Rat (bzw. Verbesserung).

Ich bin jedenfalls wahnsinnig stolz auf mein kleines Mädchen und könnte jedes Mal vor Rührung und Freude in Tränen ausbrechen, wenn ich ihr beim Essen zuschaue.
So kann es weitergehen.

Kommentare:

  1. Wow, was tolle Fortschritte!
    Ich verfolge deinen Blog mit steigendem Interesse und fieber sehr mit euch mit. Es ist total toll, zu lesen, das deine Kleine nun solch große Fortschritte macht. Das macht sie ganz toll! :-)

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  2. Wow, das sind doch mal gute Nachrichten :)

    Hat denn das trocken werden auch etwas mit ihrer Essstörung zutun?

    Grüße Josy

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    1. Im weitesten Sinne schon.
      Johanna hat eine ganzheitliche Wahrnehmungsstörung (taktile Hypersensibilität), die in der Essstörung gipfelt. Aber man sieht ihre Überempfindlichkeit eben auch in anderen Bereichen (wie beim Wasser und dem Trockenwerden zB), weshalb wir auch die Ergotherapie verschrieben bekommen.
      Gruß,
      Rebecca

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  3. Hallo,
    ich bin schon seit einiger Zeit "stille Leserin" Deines Posts (ich glaube, über Babykindundmeer gekommen) und muss nach dem Lesen dieses Posts (der selbst mir als wirklich Unbeteiligte Gänsehaut macht) sagen, wie toll es ist, über diese Entwicklung zu lesen!!
    Hut ab vor Johanna aber auch vor Euch allen, die ihr sie auf ihrem Weg unterstützt und ihr ein so sicheres und tolles Umfeld gebt, das sie diese Entwicklung machen kann! Sehr berührend!!

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  4. Rebecca, ich freue mich so sehr für euch
    Weiter so, Johanna. Du machst das super!!!

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