Donnerstag, 11. Juli 2013

Von kleinen Freundschaften und großen Krokodilstränen

Johanna ist gerne im Kindergarten.
Soll sie nachmittags abgeholt werden, wird - wer auch immer diesen Job gerade übernimmt - derjenige konsequent ignoriert. Die geliebte Kindergartenzeit kann doch nicht schon wieder vorbei sein.
Da muss man sich auch schon mal konsequenter in den Mittelpunkt des Geschehens bringen, um die Madame zum Mitkommen bewegen zu können.
Prinzipiell ja sehr schön.

Johanna ist wirklich gerne im Kindergarten. 
Aber Johanna GEHT nicht gerne in den Kindergarten. Jedenfalls nicht, wenn ICH sie dort hinbringe, was ich aufgrund der beruflichen Gegebenheiten meines Mannes und mir so gut wie immer mache.

Im Moment durchlaufen wir eine ganz schlimme Phase von "meine-Mami-soll-hierbleiben", ich fühle mich stark erinnert an die früheste Eingewöhnungszeit vor gut einem Jahr.
Obwohl... stimmt nicht... nicht mal da hatte wir derartige Probleme. 

Jeden Morgen im Kindergarten verabschiede ich mich natürlich ausführlich von meiner Tochter, gebe ihr mit auf den Weg, wer sie mittags abholen kommen wird, wünsche ihr viel Spaß, drücke ihr noch ein Küsschen auf, und dann mache ich mich auf den Weg nach Hause oder zur Arbeit.
Jedenfalls sollte es so sein.
Seit einer Weile nun haben wir das Ritual erweitert. Ich muss mit der Madame morgens eine Runde durch den Kindergarten drehen und überall mal schauen, was wo los ist. Währenddessen klammert sie sich an meine Hand und weicht keinen Millimeter von mir. In der Regel dauert diese Runde ein paar Minuten, und danach kann ich sie dann in die Obhut ihrer Bindungserzieherin geben oder in den Kreis ihrer Kindergarten-Mädelsclique entlassen. Damit kann ich leben.
Seit einigen Tagen aber spielt sich morgens ein regelrechtes Drama ab.
Sobald es an die Trennung geht weint die kleine Madame bitterlich große Krokodilstränen, ihre Mädelsclique bringt keine Erleichterung, nicht mal Johannas allerallerbeste kleine Freundin kann sie ablenken.
Letztendlich nimmt ihre Erzieherin sie mit, lenkt sie mit Spiel und Spaß ab, und ich kann das Feld räumen.

Mir zerreißt es regelrecht das Herz, mein Mädchen so leiden zu sehen, obwohl ich genau weiß, dass nach 15-20 Minuten alles vergessen sein wird und sie fröhlich und munter den Rest des Tages mit ihren Freundinnen spielen wird, bis sie am Mittag zur Abholung weder Mama noch Oma sehen möchte, sondern am liebsten noch viele weitere Stunden im Kindergarten bleiben würde.

Nach solchen Trennungsszenen muss ich selber jedes Mal ein paar Tränchen verdrücken. Ganz schlimm.

Wo kommt das auf einmal her? Wir hatten nie solche Probleme.
Hat es wirklich mit der Schwangerschaft zu tun?
Da wir den kommenden Nachwuchs sehr offen und regelmäßig auch mit Johanna thematisieren - natürlich kindgerecht - und sie täglich den wachsenden Bauch sieht, ist das ein erstes Anzeichen von kommender Eifersucht? 
Oder nein, Eifersucht nicht, denke ich. Dazu redet sie zu liebevoll und voller Vorfreude über ihren kleinen Bruder. 
Aber die Gewissheit, dass sie die Mama bald teilen muss? 
Macht ihr das Angst?
Hängt sie sich deshalb morgens in dieser ganz klassischen Trennungssituation derart an meinen Rock- oder vielmehr Hosenzipfel?
Und wenn es so ist, wie geht man am besten damit um?

Wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich nachher bei der Abholung mal ein Wörtchen mit Johannas Erzieherin darüber wechseln. 
Mal schauen, wie die das sieht.

Kommentare:

  1. Och... *schnief*
    Ich kann mir schon denken das dies vielleicht die baldige Veränderung betrifft,d ie auch - Johanna bestimmt schon arg spürt und sie bestimmt auch inenrlich auf ihre Art beschäftigt.
    Sei macht halt auch Phasen durch und vielleicht ist diese Anhänglichkeit im Moment eben Ausdruck dessen.
    Ihr schafft das! Ganz bestimmt...
    Ich würde mich da wohl auch an die Erzieherin für Tipps wenden, bestimmt kann sie Euch ein kleinw enig weiterhelfen.
    Hach, ich fühle so mit.
    Im Sep komtm meine Kleine nuna uch ind en Kindergarten, sie wurde am 19.Juli 2 1/2 Jahre alt und ich kann mir solche Phasen und Trennungsszenarien noch gar nicht richtig vorstellen.
    Aber wenigstens gefällt Johanna die Zeit während des Kindergartenaufenthalts total, das ist jedenfalls toll.
    Alles Liebe für Euch!
    GLG, MamaMia

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  2. Hallo Rebecca,

    unser Enkelchen (ein kleiner Jonas) ist im selben Alter wie deine "Madame" und meine Tochter ist ebenfalls im 9.Monat schwanger. Zur Zeit zeigt er die gleichen Verhaltensweisen wie Johanna - er will morgens nicht in den Kiga obwohl er von Ánfang an keine Schwierigkeiten gemacht hat und hängt auch an Mamas Rockzipfel wenn er mal bei uns bleiben soll. Wenn die Eltern dann weg sind ist aber alles vorbei und er spielt als wäre nichts gewesen. Ich glaube da spielt auch die sogenannte Trotzphase eine große Rolle, einerseits brauchen sie in dem Alter noch viel liebevolle Zuwendung, andererseits wollen sie aber auch ihren Kopf durchsetzen und selbst mit bestimmen was mit ihnen passiert. Dabei müssen sie aber erst lernen bei welcher Gelegenheit sie ein Stimmrecht haben. Und die Ungewissheit was da mit dem Geschwisterchen auf sie zu kommt tut ein übriges. Da sind starke Nerven gefragt damit man Chef im Ring bleibt!
    Liebe Grüße und alles Gute für euch!
    Regina

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