Dienstag, 2. Juli 2013

Die Suche nach dem Heiligen Gral

Johanna ist - wie die meisten inzwischen wissen dürften - was ihre Ernährung angeht recht speziell. 
Das hat sich trotz aller Fortschritte bei SI-Therapie und Logopädie bisher nicht grundlegend geändert.
Sie probiert zwar viel aus, lutscht an den meisten Lebensmitteln herum, traut sich sogar gaaaaaanz langsam ans Knabbern, aber tatsächliche Ernährung erfolgt immer noch ausschließlich über Baby-Grießbrei und Vanillequark.

Für diejenigen, die hier doch noch relativ neu sind: Es gibt tatsächlich Kinder, die eher verhungern würden als Nahrung zu sich zu nehmen, die in Geschmack, Konsistenz, Aussehen oder was auch immer nicht dem entspricht, was sie zu sich nehmen können aufgrund welcher Essstörung auch immer.
Johanna ist so ein Kind.
Schwer vorstellbar, noch schwerer nachvollziehbar, aber das hat nichts mit "auf der Nase rumtanzen lassen" (ein gerne bzw. vielmehr oft, aber ungerne gehörtes Vorurteil) zu tun, es ist tatsächlich so.

Nun kann man Johanna natürlich nicht jeden Baby-Grießbrei und auch nicht jeden Vanillequark vorsetzen. Sie ist da sehr eingeschränkt. Geschmack muss stimmen, Konsistenz muss stimmen, Aussehen muss stimmen.
Die passenden Lebensmittel sind also unser Heiliger Gral.

Madame ist festgefahren auf Vanillequark von Exquisa, mit Glück nimmt sie auch Weihenstephan oder Vanillejoghurt von Landliebe.

Unsere Quarkvorräte neigten sich dem Ende zu, somit machten wir uns heute auf den Weg, eben jene wieder aufzufüllen.
Der erste Gang führte in den örtlichen Supermarkt unseres Vertrauens, ich ließ Thomas eben alleine reinhüpfen und wartete im Auto, fest davon überzeugt, dass wir schnell wieder den Heimweg antreten könnten.

Doch weit gefehlt. Viel zu schnell kam er mit leeren Händen zurück. 
Kein Exquisa mehr da, Weihenstephan auch nicht.

Also ab nach real.-
Einmal hin, alles drin.
Wir tingelten durch unseren hochmodernen "Future Store", kamen in der Kühlung im Quarkbereich an und standen vor einem leeren Regal. Ungläubig schauten wir uns an.
Kein Exquisa mehr da, Weihenstephan auch nicht.

Kurz überlegt entschieden wir uns, die Supermärkte im angrenzenden Ort abzuklappern.
45 Minuten und Lidl, Penny und REWE später saßen wir wieder im Auto und waren mit unserem Latein so ganz langsam am Ende. Konnten es im Grunde nicht fassen.
Kein Exquisa mehr da, Weihenstephan auch nicht. 
Nirgendwo.

Mittlerweile stellten sich ratlose Gedankenfalten auf den Stirnen ein, was sollten wir machen, wenn wir Johannas Quark in einem 15km großen Einzugsgebiet nicht auftreiben konnten?
Ab nach Düsseldorf? Metro? Direkt den 10l-Eimer Exquisa einpacken?
Da fiel mir im selben Ort noch der Edeka ein, flugs vorbeigefahren und fast schon Galgenhumor-erfreut festgestellt, dass der seit neuestem scheinbar gar nicht mehr existiert.

Nun resignierten wir.
Aus anfänglichem "so weit fahren für Quark?" wurde ein "scheiss' auf die Strecke, wir brauchen den Stoff!", und somit fuhren wir den ganzen Weg retour und noch weiter in ein anderes Örtchen zum dort ansässigen neuen, großen Edeka. 
Wenn die keinen Vanillequark haben, wer denn dann?

Dachten wir und packten optimistisch auch noch frische Erdbeeren und Bratwürstchen ein.
An der Kühlung angekommen jedoch fielen wir aus allen Wolken.
Kein Exquisa mehr da, Weihenstephan auch nicht.

Was ist denn los hier? 
Essen in Anbetracht der hochsommerlichen Temperaturen (mehr als 20 Grad Celsius sind ja mittlerweile schon hochsommerlich zu nennen) auf einmal alle Vanillequark? 
Gibt es schlagartig noch mehr Kinder wie Johanna? 
Oder haben sich Exquisa und Weihenstephan gegen uns verschworen und die Produktion eingestellt?
Um nicht länger mit leeren Händen dazustehen, und weil uns inzwischen wirklich die Supermärkte im nicht allzu weit entfernten Umland ausgingen, tätigten wir einen Notkauf: Zwei Gläser Landliebe Vanillejoghurt in der Hoffnung, dass Madame den essen wird, wenn es keine andere Wahl gibt. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht. Aber ohne Nervenkitzel wäre es ja auch langweilig.

Inzwischen waren wir seit knapp zwei Stunden auf der verzweifelten Suche nach Vanillequark, die Zeit war derart vorangeschritten, dass wir uns schon bald auf den Weg zum Kindergarten (noch ein anderer Ort) machen konnten, um die Madame abzuholen, und dort, ja dort gibt es einen fast nigelnagelneuen Kaiser's-Markt. 
Die allerletzte Anlaufstelle, um vielleicht doch noch zu bekommen, was wir uns so sehnlichst wünschten.
Also schoben wir auf dem Weg zum Kindergarten einen kurzen Zwischenstop ein, waren kurz beeindruckt vom hellen, freundlichen, großzügigen Supermarkt, kamen an der Kühlung an, und uns klappten die Kinnladen herunter.
Vor uns erstrahlten vier (in Zahlen: 4!) Pötte Vanillequark im herrlichsten Glanze.
Nicht Exquisa, nein, Exquisa war nicht mehr da, aber Weihenstephan!

Vier wunderschöne, blaue 500g-Pötte mit allerleckerstem Weihenstephan-Vanillequark.
Der Exstase nahe rafften wir zusammen, was wir tragen konnten, nicht dass uns die noch jemand wegschnappt, und konnten unser Glück kaum fassen.




Nach zwei Stunden, etlichen Kilometern auf dem Tacho und sieben Supermärkten in vier verschiedenen Orten waren wir endlich am Ziel unserer bescheidenen Träume.
Kurz verschwendete ich einen Gedanken daran, was nun die anderen armen Menschen in unserem Einzugsgebiet machen würden, die ebenfalls Vanillequark kaufen möchten, schließlich hatten wir die letzten Vorräte aufgekauft, aber der Gedanke verflog ganz schnell wieder.

Und ich verschwende zumindest heute auch keinen weiteren Gedanken daran, dass diese 2kg Quark vermutlich höchstens bis Donnerstag reichen werden und dann die Odyssee von neuem starten wird.

Eine Quark-Flatrate wäre was für uns.
Ein Abo. Automatische, wöchentliche Lieferung, vielleicht sollte ich mal an Exquisa schreiben? Oder Weihenstephan?

Nun ist der Kühlschrank jedenfalls erst mal wieder voll, und das ist auch gut so!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Rebecca,

    das ist ja der Hammer! *lach* Kann man garnicht glauben, dass so etwas passieren kann. Aber so ist es ja eigentlich immer, oder? Wenn man etwas braucht oder verzweifelt sucht, ist es nicht auffindbar, aber hat man dann erstmal für Ersatz gesorgt, ist es plötzlich wieder überall und in Massen erhältlich. Ich drücke dir die Daumen, dass Johanna weiterhin so tolle Fortschritte macht, lieber kleine, stetige Mäusetapser, anstatt große Sprünge, die ins Leere führen. Ich spreche da aus Erfahrung, mir geht es ja ähnlich, wie deiner Kleinen. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Mach weiter so, auch mir hilft es immer wieder, hier von euch zu lesen.

    Lieben Gruß, Katharina :)

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  2. Tja, so geht uns das mit unserer Babymilch. Aber wie ich gehört habe nicht nur uns ... :-(
    Die kann ich im Notfall aber noch Online bestellen. Wobei ich schon nervös werde wenn nur noch 2 Packungen im Schrank stehen. LG Bibi

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  3. ich denke trotzdem das alles auch eine Erziehungssache ist...mit ihren fast 4 Jahren bist Du meiner Meinung nach viel zu nachgiebig mit ihr aber das muss ja jeder für sich entscheiden!

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    1. Und ich denke, dass du eine derjenigen bist, die die Problematik bzw. die dahinterliegende Störung nicht nachvollziehen können. Johanna ist nicht verzogen, sondern sie ist krank. Versuche ich, ihrer Essstörung mit Druck oder gar Zwang zu begegnen, landet sie im Krankenhaus am Tropf. Alles schon gehabt.
      Daher entscheide ich mich aufgrund nun jahrelanger Erfahrung, vielen Gesprächen mit Therapeuten und Ärzten und diversen Krankenhausaufenthalten weiterhin für den Weg, den wir bereits beschreiten.

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  4. Ich mach auch lieber 5 Milchflaschen in 24 Stunden und lasse dem Babymädchen ganz viel Zeit und ihr eigenes Tempo beim Essen lernen, als das ich sie zum Essen zwinge, was eh nicht funktioniert, und damit mehr kaputt mache als alles andere. Mach weiter so wie du es für richtig hälst und für gut rausgefunden hast. LG Bibi

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