Donnerstag, 20. Juni 2013

"Ich will aber eine Windel!"

Ja, das ist wirklich so eine Sache.

Johanna wird im November stolze vier Jahre alt, zählt nun also etwas über dreieinhalb Lenze.
Vom sogenannten Töpfchentraining habe ich nie etwas gehalten. 
Meiner Meinung nach meldet sich das Kind von alleine, sobald es bereit ist, auf Toilette zu gehen.
Es gehören einfach zu viele physiologische Faktoren dazu, als dass man die Chose mit irgendeinem Training für Mutter und Kind befriedigend beschleunigen könnte. 

Seit Monaten bereits sagt Johanna Bescheid, wenn die Windel voll ist bzw. wenn sie kurz davor ist, Pipi oder Stinker zu machen. Sprich, sie versteht, was da los ist, und sie hat auch voll und ganz durchschaut, dass jeder andere ab einem gewissen Alter diese Geschäfte auf der Toilette abwickelt.
Sehr interessiert watschelt sie hinter Mama oder Papa her ins Badezimmer und erfragt ganz genau, was nun in der Schüssel landen wird, ob viel oder wenig, sie weist darauf hin, dass man sich anschließend den Popo mit Klopapier abwischen muss (gerne reicht sie es gleich an, hilfsbereit wie sie ist), und regelmäßig besteht sie vehement darauf, anschließend die Spülung zu betätigen.
Mich stört es nicht, wenn sie dabei ist - learning by doing. 
Mein Mann ist da ein wenig empfindlicher, aber das ist auch in Ordnung.

Jedoch selber mal Töpfchen oder Toilette benutzen? Nicht doch!
Dort kommt nun Johannas Wahrnehmungsstörung ins Spiel. Unter anderem.

Viele Kinder mit taktiler (oder sonstwie gearteter) Hypersensibilität ziehen sich nicht gerne bis auf die Haut aus.
Bei Johanna ließ sich von Anfang an feststellen, dass sie sich sehr wohl mit Windel, ums Verrecken aber nicht mit nacktem Hintern aufs Töpfchen oder die große Toilette setzen mag.
Es fühlt sich komisch an, vermutlich ist es die Kälte, der "Schutz" der Windel fällt weg, da hilft kein Zureden, kein Spielzeug, kein Ablenken, kein Überreden, kein gar nichts.
Natürlich versuche ich es immer wieder, aber ich halte nichts von Druck und Zwang (geht bei dieser Art Probleme sowieso nach hinten los, wie die Erfahrungen der letzten Jahre mich gelehrt haben), somit rudere ich auch immer wieder schnell zurück, wenn ich merke, dass Johannas Widerstand zu groß wird, sprich, dass wir uns der Hysterie nähern.

Nun riet uns unsere Ergotherapeutin, sie einfach mal nackt rumlaufen zu lassen, wenn es das Wetter hergibt (eine Standardmethode, um Kinder über den Sommer trocken zu bekommen), wies aber im selben Satz darauf hin, dass schon das "nackt rumlaufen Lassen" bei Johanna natürlich problematisch sein könnte.

Und es kam, wie es kommen musste: Gestern bei unserem wöchentlichen Kindergarten-Mamas-und-Kinder-Treff hüpften drei nackte, kleine Mädchen durch die 34 Grad heiße Luft - und eine Johanna mit Windel am Hintern. Nichts zu machen. Sie lässt sie sich ums Verrecken nicht ausziehen.

Ich schätze, mittlerweile liegt es nicht mehr nur an ihrer Hypersensibilität, sondern sie merkt sehr wohl, dass sie auch in dem Punkt (neben dem Essen) anders ist als ihre Freundinnen, die bereits alle ziemlich erfolgreich die Toilette frequentieren. 

Nun ja, nutzt nichts, nicht wahr?
Ich werde Johanna zu nichts zwingen, somit warte ich einfach weiter auf den Tag, an dem sie mir ganz empört sagen wird, dass sie doch gar keine Windel mehr brauche.
Bis dahin bekommt sie nun erst mal "das kleine, weiße Klo", das sie sich laut eigener Aussage wünscht in der Hoffnung, dass dieses dann vielleicht den Knoten lösen wird. Es gibt ja fast perfekte Toilettenimitationen als Töpfchen, vielleicht ist das die Lösung.

Möglicherweise haben wir Glück, und es passiert doch noch, bevor das zweite Windelscheisserchen auf der Welt ist, denn zwei Kinder parallel wickeln wollte ich eigentlich nicht. Vor allem keinen Säugling und eine Vierjährige.
Aber so lange, wie die Sache mit dem Essen dauert, wird vermutlich auch noch das Trockenwerden bzw. -sein auf sich warten lassen...

Kommentare:

  1. Ich denke auch, dass sich die Kleinen selbst melden sollten. Es sind ja keine Soldaten! Aber dazu gehört viel Geduld und Ausdauer, um nicht die Nerven zu verlieren. Diese Methode bringt am Ende mehr Früchte für die Kleinen, finde ich. Sie sind lebhafter, denke ich.

    Viele Grüße
    Und Empfehlungen für www.momscam.blogspot.de

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  2. Zoe wollte auch lange nicht, saß immer angezogen neben uns auf dem Töpfchen und irgendwann kam der Moment, da wollte sie von selbst ohne Windel. Eine Freundin von ihr war auch komplett "trocken" und hat dann nochmal ein halbes Jahr eingelegt, in dem sie einfach nicht gegangen ist - und ihre Eltern damit zur Rückkehr zur Windel gezwungen.

    Zwei Kinder nebeneinander wickeln ist gar nicht so schlimm, bei uns waren es allerdings 9 Jahre Unterschied.

    Mit dem "trocken-werden" machen einen normalerweise die Anderen am meisten verrückt: Andere Mamis, Großeltern undsoweiter müssen bei jeder Gelegenheit nachfragen und mehr oder weniger gute Tipps abgeben. Vielleicht entdeckt Johanna eines Tages in einem Schlüpfer die gleiche gefühlte Sicherheit wie in einer Windel - und geht dann aufs Töpfchen, um ihn nicht naß zu machen.

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