Donnerstag, 25. April 2013

Von kleinen Tyrannen oder solchen, die gerne welche wären...

Was für ein Tag!
Wirklich.

Ich habe schon viel mit Johanna erlebt, aber an einen Tag wie heute kann ich mich nicht erinnern.
Wir hatten dank ihrer (Nicht-)Esserei schon so manchen Wutausbruch, hysterischen oder sonstwie gearteten Anfall, schon so einige (um nicht zu sagen "viele") schwierige Situationen zu meistern.
Heute war sie "anders schwierig".

Dabei fing der Tag eigentlich sehr harmlos - gar harmonisch - an.
Ich musste sie wecken, damit wir noch rechtzeitig in den Kindergarten kamen - und das ist bei diesem Morgenmuffel (von wem hat sie das bloß?) wahrlich kein Zuckerschlecken. Normalerweise wird sie rechtzeitig von alleine wach.
Heute nicht.
Doch wider aller Erwartungen strahlte mir ein Lächeln entgegen, nachdem sie aufgewacht war, und auch die ganze morgendliche Prozedur gestaltete sich erfreulich unkompliziert.

Als ich Johanna dann am frühen Nachmittag aus dem Kindergarten abholte, zeigte sich mir ein ganz anderes Kind.
Bereits auf der Heimfahrt wollte die Madame mir vorschreiben, welches Fenster ich wie weit zu öffnen hätte bzw. dass im Grunde alle Fenster hermetisch zu verriegeln seien. 26°C Außentemperatur, 32°C im Wagen, da lasse ich auch bei aller vorstellbaren Liebe zu meinem Kind die Fenster ums Verrecken nicht geschlossen!

Madame versuchte zu diskutieren bzw. beharrte vehement knatschend auf ihrem Wunsch (Befehl) und verfiel in weinerlichen Singsang, als ihr klar wurde, dass mein Sturkopf noch ein klein wenig größer ist als ihrer.
Tolle Heimfahrt.

Es hielt sich dran.
Mittagessen fiel aus, weil Johanna nichts Recht war, ich mir allerdings nicht mehr auf der Nase herumtanzen lasse. Habe ich mühsam in unserer Therapie letztes Jahr gelernt, verinnerlicht und halte mich seitdem ziemlich genau daran. Auch die Oma - heute ebenfalls anwesend - blieb erfreulich konsequent.
Ob Schüssel, Löffel, Tasse, Glas, Sitzplatz, alles war falsch. Erst sollte die Oma, dann doch die Mama, wieder die Oma, hier sitzen, dort sitzen, auf dem Schoss, doch nicht, in der Küche, doch lieber auf der Terrasse und so weiter und so fort. Alles begleitet von permanentem Geheule und wütend gebellten Befehlen.  Zwischendurch wollte die Madame den anderen Anwesenden - also meiner Mama und mir - diktieren, wer was zu essen hat, aus welchen Gläsern getrunken wird, wer wo seinen Sitzplatz hat (selbst wenn man schon sitzt, dann hat man sich gefälligst umzusetzen)... die Liste ist schier unendlich.

Wir blicken zurück auf einen Tag voller Geheule und Kontrollwahn - nicht nur beim Essen, sondern in allen erdenklichen Situationen - seitens Johanna.
Der zwischenzeitliche Besuch bei unserer Logopädin, der heute wie jeden Donnerstag anstand - bestätigte, was ich schon vermutet hatte: Da sich momentan bei Johanna wieder mal ganz viel verändert, sie eine enorme Entwicklung durchläuft - sei es im ergotherapeutischen Sinne, also in ihrer Körperwahrnehmung, oder speziell beim Thema "Essen", sie traut sich mittlerweile ja viel mehr und hat den großen Fortschritt "Abbeißen und Runterschlucken" gemacht - ist sie natürlich verunsichert und versucht, die Kontrolle zurückzuerlangen. Indem sie alles und jeden in ihrem Umfeld kontrolliert.

Diesen Kontrollzwang kenne ich noch von früher von ihr, haben wir in solch extremer Form allerdings lange nicht mehr erlebt.
Nun heißt es Nerven behalten, konsequent bleiben, nicht auf der Nase herumtanzen lassen, Grenzen aufzeigen. 
Dass die Madame dazu noch in der allerfeinsten, für dreieinhalbjährige Kinder ganz normalen Trotzphase steckt macht die Angelegenheit nicht unbedingt einfacher.
In der Regel lasse ich Johanna in kritischen Situationen zwei, drei Alternativen, aus denen sie dann wählen kann (so behält sie im weitesten Sinne die Kontrolle, wenn auch in einem von mir abgesteckten Rahmen), alles andere wird vehement abgeschmettert.

Ich hoffe, das ist bald wieder vorbei.

Kommentare:

  1. Stark bleiben und weiter konsequent sein. Tschakaaa, du/ihr schafft das!!! ;o)

    lg
    zelakram.blogspot.com

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  2. au weia, das klingt anstrengend! wünsche euch starke nerven und dass die phase bald vorbei ist (mami-mantra und so ;) )

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  3. Danke Danke Danke!
    Dein Post lies mr gerade ein Licht aufgehen.
    Genauso ist unsre Mimi nämlich auch oft, total kontrollierend, in weinerlichem Sing-Sang, dazwischen Befehlston, dann geheule - uns erklären wer was wie zu machen hat. Mit ewigem Hin- und Her, was mich oft rasend macht.
    An Unsicherheit hatte ich nie gedacht - Danke!
    Nund ist es mir klar.
    Seit vorgestern erst wieder und ich merke zugleich sie hat eine Schubphase, nicht körperlich, sondern vom "Kopf" her.
    Ich glaube, wir spielen ihr jedes Mal viel zu lange mit bei ihrem Spielchen.
    Soll man da dann möglichst wenig auf diese unmöglich bestimmenden Wünsche eingehen und ganz bestimmend sagen das jetzt eben die Febnster offen bleiben weil es heiß ist? NAch dem Motto: "Und aus!"??
    Ich weiß oft nicht wie ich damit umgehen soll, aber da mitzumachen ist auch sicher falsch.
    Eigentlich ganz logisch, sich aus Unsicherheit wieder Sicherheit durch Kontrolle verschaffen zu wollen.
    Toti toi toi Euch und gaaaaaanz viele Nervene für Dich!!!
    Ich kenn das sooo gut. *seufz*
    GLg, MamamMia

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  4. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Du machst das super. Und vielen Dank, dass du das mit uns teilst.
    Einen wunderbaren Tag wünscht euch Iris

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