Donnerstag, 14. März 2013

Selbstbedienung bei Nacht

Nicht besonders hoch motiviert, aber dennoch gut gelaunt fahre ich heute morgen zur Arbeit.
Einzelhandel, ein Schuhladen der etwas größeren Sorte, rund 700qm (oder so) Verkaufsfläche, nettes Sortiment an Markenschuhen für Damen, Herren und Kinder, paar Taschen, Socken und Pflegemittel dazu, wie man sich nen Schuhladen der etwas größeren Sorte eben vorstellt.

Ich habe heute die ehrenvolle Aufgabe, den Laden aufzumachen, bin ich doch die Erste vor Ort. Doch was sehen meine müden Augen?
Da war schon jemand schneller als ich. Ganz offensichtlich ohne Schlüssel, denn das Schloss war gänzlich aus der Tür entfernt worden.
Ich werfe noch kurz nen Blick durch die Türe, sehe die Verwüstung, Licht brennt, und trete erst mal den Rückzug an.
Eingebrochen. Schon wieder.
So langsam finden wir nen jährlichen Rhythmus.

Zunächst verständige ich die Polizei, die sofort eine Streife zu schicken verspricht. Kurz danach trudelt meine Kollegin ein, die die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, als ich ihr erzähle, was offensichtlich vorgefallen ist. Sie übernimmt gleich die Telefonate mit den Chefs, während wir auf die Polizeistreife warten.

Erste eintrudelnde Kunden müssen wir mit erklärenden Worten wieder nach Hause schicken.
Bald trifft die Streife ein, und nach ersten Worten und einem Rundgang durch den Laden dürfen wir uns das Chaos mit eigenen Augen ansehen.

Als erstes fällt uns auf, dass der gesamte Laden, jeder einzelne Schuh, jeder Karton, jedes Regalbrett, der Fußboden, einfach restlos alles unter einer weißen Schicht verschwunden ist. Teure Markenschuhe fehlen artikelweise komplett, Taschen, Kasse aufgebrochen und leergeräumt - dabei haben sie uns einen Kassenschnitt mit Datum und Uhrzeit hinterlassen, den das EC-Gerät automatisch ausspuckt, vielen Dank auch - , gestrige Einnahmen ebenfalls gefunden und mitgenommen, ansonsten Chaos, wohin man schaut.

Die Streife verabschiedet sich recht schnell wieder, nachdem feststeht, dass keiner der Einbrecher mehr vor Ort ist, und wir warten auf den Beamten der Kripo.
Meine Kollegin telefoniert sich nen Wolf, und auch ich trommele nach und nach die ein oder andere Kollegin zur Chaosbeseitigung zusammen. Alle müssen ran.

Der inzwischen eingetroffene Kripobeamte klärt uns auf, dass die weiße Schicht, die über allem liegt, vom Feuerlöscher stammt, den die Täter offensichtlich benutzt haben, um ihre Spuren zu verwischen. Wird wohl gerne genutzt in der Szene.
Vielen Dank auch. Wisst ihr, was für ne Schweinerei das ist? Was ne Arbeit, dieses weiße Zeug wieder runterzubekommen? Kein Spaß. Und das liegt über dem kompletten Laden!

Pünktlich, nachdem der Kripobeamte alles aufgenommen und fotografiert hat und wieder abgezogen ist, treffen die Kolleginnen ein. Erste Fassungslosigkeit wird abgelöst vom Handlungseifer im Bemühen, diesem weißen Durcheinander Herr bzw. Frau zu werden.

Überall wuselnde, schrubbende, fluchende, aufräumende Frauen und dazwischen Kunden, die sich selbst von diesem Chaos und unseren Warnungen, den Dreck und die eingeschränkten Bezahlmethoden betreffend, nicht abschrecken lassen und munter übriggebliebene Schuhe shoppen. Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln.

Leider muss ich die Szenerie kurz vor 14 Uhr verlassen, weil die Madame aus dem Kindergarten abgeholt werden muss und ich so kurzfristig keine Kinderbetreuung organisieren kann, ich bin mir sicher, meine Kolleginnen haben noch nen anstrengenden Nachmittag. Ich selber bin ja morgen früh wieder da, mal schauen, welches Bild sich dann bietet...

Kommentare:

  1. Schöner Blog! Ich folge dir. Follow back ?

    www.mamasbeautywelt.blogspot.de

    Und Glückwunsch zum Bauchbewohner :)

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  2. ach du scheisse o.O
    ich bin ja ne banktante und bei uns haben die auch mal die filiale ausgeräumt. bzw versucht. die deppen haben nichtmal unsere kaffeekasse gefunden mit knapp € 50 drin, die haben nur die goldmünzenDUPLIKATE aus den vitrinen mitgenommen XD

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