Donnerstag, 7. Februar 2013

Iss!

So langsam liegen die Nerven ein ganz klein wenig blank.
Ein Zustand, in dem ich - Johannas Problematik betreffend - relativ lange nicht mehr gesteckt habe.

Am Montag kam das Fieber.
Nachmittags hat Johanna das letzte Mal etwas gegessen, danach lag sie mit 40 Grad schwitzend und frierend zugleich flach.

Dienstag hat sie überhaupt gar nichts zu sich genommen außer Wasser (zum Glück immerhin das!), das Fieber ging im Laufe des Tages zurück und man befand sich ganz langsam und vorsichtig auf dem Weg der Besserung.
Abends das Intermezzo im Krankenhaus, aber ansonsten alles relativ positiv stimmend. 
Dass sie bis dato nichts gegessen hatte tat ich relativ sorglos ab. 
Krank, da hat man keinen Hunger.

Mittwoch dann war sie sichtlich besser drauf. 
Kein Fieber mehr, nur noch etwas Husten und Rotznase, aber ansonsten alles gut. Sie trank nach wie vor vorbildlich ihr Wasser, aber vom Essen wollte sie nichts wissen.
Eigentlich. Eigentlich aber auch doch.
Es stellte sich das Verhalten ein, dass ich noch von früher kenne, dass mich schon oft zur Weißglut getrieben hat.
Sie "ordert" Essen ganz explizit mit den Worten, dass sie Hunger habe und etwas essen wolle, und wenn es dann vor ihr steht, nimmt sie einen Löffel, vielleicht auch zwei, und das wars dann. 
So hat sie am Mittwoch genau zwei Esslöffel Vanillejoghurt und einen Esslöffel Rinderbouillon zu sich genommen. 
Abends dann "bestellte" sie Brei, und als sie davon tatsächlich eine Miniportion (wirklich ein Witz) verdrückt hatte, war ich deutlich beruhigter.
Sie fängt wieder an zu essen. Welch ein Glück!
Oder auch nicht.

Heute ist Donnerstag, es ist fast drei Tage her, dass sie die letzte richtige Mahlzeit (den Brei gestern Abend kann man kaum werten, so wenig war es) zu sich genommen hat, sie sieht nicht gesund aus, ihr Magen knurrt, dass es vermutlich noch die Nachbarn hören können, wir haben den Frühstücksbrei hinter uns, von dem sie genau einen Teelöffel gegessen hat, und sie möchte einfach nichts essen.
Spreche ich sie auf ihren knurrenden Magen an, sagt sie lapidar: "Aber ich habe doch keinen Hunger."

Sie trinkt ausreichend und ist soweit relativ munter.
Sie schläft mehr als normal, und sie ist extrem anhänglich und weinerlich, aber alles noch nicht so, dass ich nun sofort zum Arzt fahren müsste.

Die Frage ist nur: Wie lange können wir damit noch warten?
Es ist unfassbar, nun habe ich gerade im Kinderzentrum München Bescheid gegeben (Montagmorgen, um genau zu sein), dass sich die Situation derart verbessert hat, dass sie uns von der Warteliste streichen können, und prompt geht hier alles den Bach runter. 
Oder droht zumindest, den Bach runterzugehen.

Vielleicht überreagiere ich, weil wir eine ähnliche Situation vor fast einem Jahr bereits hatten und damit im Krankenhaus am Tropf gelandet sind, damals hat sie aber auch nichts getrunken, vielleicht überreagiere ich aber auch nicht. Wer weiß das schon?
Vielleicht fängt das Kind schlagartig wieder an zu essen (und ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher als das), vielleicht aber auch nicht.
Diese Ungewißheit, das Warten auf den Moment, in dem sie tatsächlich wieder isst...

Manch einer wird nun vielleicht denken: "Was macht die Alte da sich eigentlich für nen Kopf? Das Kind wird schon essen. Jedes Kind isst, wenn es Hunger hat."
Eine der meistgehörten Aussagen in den letzten bald drei Jahren. 
Es gibt aber tatsächlich Kinder, die eher verhungern würden als zu essen. 
Schwer zu glauben, aber wahr, und ich leiste immer wieder gerne Aufklärungsarbeit, wenn ich auf offene Ohren stoße.
Johannas Verhältnis zum Essen ist gestört, und ich hoffe wirklich, dass wir nun nicht wieder beim Arzt oder noch schlimmer in irgendeiner Klinik landen.

Iss doch endlich wieder!

Kommentare:

  1. Oh mensch solche sorgen :( Nein ich komm mit keinem Spruch daher.... ich habe allerdings auch nicht ihre komplette geschichte jetzt im Kopf: Trinkt sie was anderes außer wasser? Würde sie z.B. Trinkbrei akzeptieren?

    Die Industrie hat ja sowas, was ich für babys schlimm finde, weil essen sollte vom Löffel kommen, aber hier ist ja eine ganz andere Situation.

    Der Trinkbrei hätte zumindest Energietechnisch mehr als Wasser?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Johanna trinkt rein gar nichts außer stillem Wasser. Kein Tee, kein Saft, keine Schorle, und erst Recht keinen Trinkbrei.
      Wir hangeln uns einfach weiter von Löffel zu Löffel, jeder einzele Löffel ist mehr als gar nichts, und dann hoffe ich, dass es nun über die Tage wieder bergauf geht mit der Esserei...

      Löschen
  2. Hai Rebecca,

    ich war ziemlich überrascht als du vor ein paar Tagen gepostet hast, dass du nicht nach München gehst. Sorry, wenn ich das sage, aber ich glaube du solltest dir das nochmals durch den Kopf gehen lassen, dein Kind hat eine ausgewachsene Essstörung und die wird nicht von alleine verschwinden. Leider. Man überlebt solche Kliniken und die können auch meistens gut helfen. Bitte nicht als Kritik sehen.
    ganz liebe Grüße
    Brigitte

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Brigitte,
      kein Problem.

      Dass wir nicht nach München fahren, haben wir nicht einfach so entschieden, sondern wir haben uns vorher (vor allem ich) wochenlang darüber Gedanken gemacht, das Für und Wider abgewogen, die Thematik in der Familie und auch mit unseren Therapeuten besprochen, und in Anbetracht ihrer wahnsinnigen Fortschritte auf der einen Seite und ihren ausgewachsenen Problemen damit, wenn man von Gewohnheit und Ritualen abweicht (und mehrere Wochen an einem fremden Ort ohne Kindergarten, Familie und Freunde wäre ein unvorstellbarer Einschnitt und vermutlich auch Stress für Johanna) haben wir alle gemeinsam entschieden, dass es für Johanna besser und sinnvoller ist, die Therapien zu Hause mit den bekannten Therapeuten weiterzuführen, auch weil der Alltag sehr entspannt geworden ist.
      Ich glaube immer noch, dass es die richtige Entscheidung war, denn so ein stationärer Aufenthalt kann (nicht muss, es gibt keine Garantie auf Erfolg) zwar esstechnisch was bringen, aber weiß ich, was er sonst noch bei Johanna auslöst und evtl. vermurkst?
      Natürlich ist es eine Farce, dass uns nun so etwas passiert, dass uns solch ein blöder Infekt wieder ein Scnippchen schlägt, aber im Grunde bin ich noch guter Hoffnung, dass sie heute, morgen, übermorgen wieder isst.

      Gruß,
      Rebecca

      Löschen
  3. Dass du / ihr das gut überlegt habt, bezweifle ich keine Minute. Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung, welche Ängste solch ein Klinkaufenthalt im Vorfeld mit sich bringt und dass man alles andere solch einer stationären "Extremherausforderung" vorziehen würde. Fakt ist in der Klinik ist man 24 Std. Rundumversorgt und die Chance, dass in solch frühem Alter einer evt. lebenslangen Essstörung vorgebeugt werden kann, ist glaube ich doch ziemlich groß.
    Ich wünsch euch ganz arg, dass ihr die richtige Entscheidung getroffen habt, deine Kleine zum "Vielfraß" :O) mutiert und bei euch Entspannung einkehren wird.
    lg brigtte

    AntwortenLöschen
  4. Ach, du arme, das tu tmir so leid!
    Ich drücke ganz fest die Daumen das sie bald wiede reinw enig mehr isst.... *seufz*
    Bei Krankhei tund Fieber ist es ja wirklichnormal, mal 2, auch 3 Tage nichts zu essen, der Körper konzentriert sich eben auf Abwehr und will sich nicht anderweitig "belsaten"
    Aber bei Johanna ist das natürlich ganz was anderes.
    Zum Glück trinkt sie wenigstens brav, das ist daa Wichtigste!
    Aber den Termin in München hätte ich trotz der Verbesserung nie im Leben abgesagt, den könnt ihr doch in jedem fall mehr als gut gebrauchen, einfach für Euch selbst auch wenn mal eine bessere Phase ist würde ich das auf jeden Fall nutzen!!!!
    Dennoch kann ich Eure Entscheidung verstehen und bin sicher, wies ehr ich Euch darüber Gedanken gemacht habt!
    Hach, naja.. dies espielchen mit Löffelweise essen und den rest dann doch nicht würde ich schon so gut es geht mitmachen, was soll man auch sonst tun?
    Hach, ich denke ganz viel an Euch und würde Euch/Dir gerne ganz ganz viel tiefes Urvertrauen mitten ins Herz schicken!
    Ihr schafft das, versuch Euch nicht unter Druck zu setzen (haha... leicht gesagt, ich weiß).
    Ach,was soll ich sagen... Alles alles Liebe!!!!!!
    Du machst das tortzdem so toll, ehrlich, sehr bewundernswert.
    Ach, Johanna ist aber nicht untergewichtig oder ist es etwa doch "knapp"?
    Ich meine, so statistisch gesehen, obwohl ich davon ja eigentlich nicht so viel halte aber ein wenig Richtwert ist es ja doch oder?
    MamaMia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Johanna ist natürlich kein dickes Kind.
      Sie lag mit ihrem Gewicht nach der Säuglingszeit immer relativ deutlich unterm Durchschnitt, aber tatsächlich untergewichtig war sie nur letztes Jahr, als wir aufgrund Nahrungsverweigerung im Krankenhaus gelandet sind.
      Das ist eben die Gefahr an solchen Infekten: Isst sie dann tatsächlich einige Tage nichts (jetzt über die Tage hat sie zB auch wieder rund 1kg Gewicht verloren) ist die Grenze zum Untergewicht recht schnell überschritten.

      München ist übrigens nicht aus der Welt. Wir fahren JETZT nicht, aber sollte sich in sechs, acht, zehn Monaten nichts getan haben, besteht immer noch die Möglichkeit, die stationäre Therapie anzutreten bzw. sich rechtzeitig, wenn man das absehen kann, erneut auf die Warteliste setzen zu lassen.

      Löschen
  5. Du hast ja Recht, München ist ja nicht aus der Welt.
    Imemr aufs Herz hören,w enns grade icht sein soltle wird das schons einen Grund haben.
    Hach ja.... Unsre Mimi (24Monate) hatte auch grad paar Tage Fieber, das hatte sie noch nie und da aß sie eben auch gut 3 Tage nix bzw. kaum und da merkten wir nach 4 Tagen schon "Oje, sie hat aber abgenommen." Oder meinten "Heute hat sie nur paar Löffel das und das gegessen aber wenigstens getrunken"
    Ich meinte zu meinem Freund wie froh wir sein können das Mimi eher immer eines dieser Wuzelkinder war/ist,sie hatte immer schon diese knuffigen Ringelchen an Armen, Beinchen und Fingern die mich immer störten weil ich einfach nicht wollte das sie dick aussieht bzw. ich wirklich sehr um gesunde Ernährung ohne Zucker und so bei ihr bemüht bin. Und wenn sie dann krank sind ist man froh um diese Reserven, dabei ist unsre Mimi ja pumperlgsund.
    Daher kann ich mir kaum vorstellen wie es mir in Deiner Situation gehen würde und ziehe wirklich den Hut und wünsche Euch immer ganz viel Kraft.
    Gute Besserung weiterhin!
    Allerliebste Grüße, MamaMia

    AntwortenLöschen