Mittwoch, 6. Februar 2013

Im Fernsehen kommt eh nichts Gescheites...

... also fahren wir doch lieber ins Krankenhaus und schauen mal, was da so Spannendes abgeht.

Haben wir natürlich nicht gedacht, aber im Krankenhaus sind wir mit Johanna trotzdem gestern Abend noch gelandet.
Unverhofft kommt oft.

Ich wollte die Madame gerade ins Bett geleiten, als sie derart husten musste, dass sie sich zum zweiten Mal am gestrigen Tag erbrach, dieses Mal aber blutig. Nicht nur so wenig, dass es von einer aufgebissenen Lippe hätte kommen können, sondern schon besorgniserregend.
Und ich bin weiß Gott (oder wer auch immer) kein Mensch, der schnell in Panik gerät. Eher im Gegenteil. Wäre ich eine Charaktereigenschaft, dann wäre ich wohl die Gelassenheit.

Wie auch immer, mir war das alles zu rot, meinem Mann auch, wir packten die Madame kurzentschlossen ein und fuhren in das Krankenhaus, das wir nun schon das ein oder andere Mal seit der Geburt besuchen mussten.

Die Untersuchung war kurz und schmerzlos beendet, alles halb so wild, wenn Kleinkinder erbrechen, können wohl schon mal Äderchen platzen, und dann sieht die Sauerei so schön eingefärbt aus. Nicht ungewöhnlich, sollte aber auch wieder aufhören.

Es war jedenfalls gut, dass wir gefahren sind, auch für die behandelnde Ärztin, die hat sich nämlich anschließend sehr freundlich bei mir für die Lehrstunde (ihre Worte) bedankt.
Natürlich kam das Gespräch aufs Essen, und erfreulicherweise (auch überraschenderweise) kam mir die Ärztin nicht mit irgendwelchen klugen, aber unverständigen Ratschlägen, sondern gab sofort offen zu, dass sie von einer derartigen Problematik (Kleinkind, das keine feste Nahrung zu sich nimmt) noch nie etwas gehört habe. Nicht mal der Oberbegriff "sensorische Integrationsstörung" sagte ihr etwas, wurde aber fleißig notiert, weil sie sich darüber in Eigenrecherche noch schlau machen wollte.

Sie fragte sehr interessiert nach, wie das alles so aussähe, wie sich der Alltag gestalte, wo sowas herkomme, machte sich Notizen, und nachdem ich ihr etwas von taktiler Hypersensibilität, vestibulären Defiziten und Gipfel der Störung im orofacialen Bereich erzählt hatte - schön ausgeschmückt mit eigenen Erfahrungen im Alltag - war sie ehrlich baff und bemerkte anerkennend, dass ich ja ziemlich gut informiert sei.
Ich stecke halt seit zweieinhalb Jahren bis zum Hals drin in der Materie, da bleibt einiges hängen, vor allem, wenn man sich vieles selber aneignen muss, weil die meisten Ärzte selber keine Ahnung haben.
Mein Mann meinte hinterher, dass die Ärztin wohl noch nie von einer Patientin (oder Patientenmutter) derart mit Fachtermini bombardiert worden sei. 

Es war jedenfalls trotz allen Schreckens ein sehr erfrischender Arztbesuch, weil ich ausnahmsweise mal auf jemanden gestoßen bin, der offen und ehrlich interessiert war und sich nicht hinter seinem Fachbuchwissen verbarrikadiert hat.
Hab ich noch nie von gehört, kann es also nicht geben. Unfähige, hysterische Mutter.
So wird gerne reagiert.

An diesem Abend mal nicht.
Erfreulich.

1 Kommentar:

  1. Ende gut alles gut!
    Freut mich, dass es endlich mal eine positive Erfahrung für euch gab und das es Johanna besser geht

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