Samstag, 16. Februar 2013

Die Tricks und Taktiken einer Dreijährigen

Johanna hat ihren grippalen Infekt ganz gut überstanden und isst mittlerweile wieder nazezu normal.
Grießbrei und Vanillejoghurt. Ab und zu mal etwas stückchenlose Suppe. Das Übliche eben.

Dafür haben wir in einem anderen Bereich einen ganz ordentlichen Rückschritt gemacht, scheint mir.
Sie hatte schon immer das Bedürfnis, mich an sich zu binden. Dafür zu sorgen, dass ich mich um sie kümmern, sie betüddeln muss. Über das normale Maß hinaus, in dem sich eine Mutter um ihr Kleinkind kümmern muss.
Das führte hauptsächlich dazu, dass sie erst sehr, sehr spät gelernt hat, selbständig zu essen.
Sie bestand vehement darauf, von mir gefüttert zu werden, bis sie etwa zweieinhalb Jahre alt war.
Dass sie den Löffel selber in die Hand genommen hat, kam nicht auf einmal von alleine, sondern erforderte monatelanges "Training", viel Protest, Weinen, Essensverweigerung, Geschrei, körperliche Ausfälle (nenne ich es mal), Sturheit an allen Fronten und immer wieder die stoische Wiederholung, dass ich ihr doch helfen müsse.
Dieses "Training" habe ich nur mit Hilfe unserer Therapeuten in Köln durchgehalten, es hat mir schon ziemlich viel abverlangt. Im Hintergrund immer die Angst, dass die Madame wieder aufhört zu essen und das Krankenhaus sich über unsere Anwesenheit freuen darf.

Aber wir haben es geschafft, und es kam der Tag, an dem die Madame ganz alleine gegessen hat. Sehr stolz darauf war, und seitdem isst sie perfekt alleine mit Besteck.

Seit einigen Tagen nun ist Johanna der Meinung, sich nicht mehr die Zähne putzen zu können.
"Aber du musst mir doch helfen. Du musst das machen!"
Ich habe ein Déjà vu.
Das kenne ich doch.

Wir haben lange gebraucht, bis wir überhaupt Zähne putzen konnten aufgrund ihrer Überempfindlichkeit im orofacialen Bereich. Ein Jahr etwa haben wir seit den ersten Zähnchen täglich darum gekämpft, dass die Beißerchen gepflegt werden können. Mit viel Geduld, aber auch viel Weinen, Protest, Geschrei, auch hier Sturheit an allen Fronten habe ich es letztendlich geschafft, Johanna die Zahnbürste schmackhaft zu machen.
Und nicht bald danach fing sie an, selbständig zu putzen.
Inzwischen macht sie es nahezu perfekt. Ich muss kaum nachputzen, und auch darauf ist die Madame sehr stolz.
Bis vor ein paar Tagen.
Auf einmal hat sie es verlernt. Oder gibt vor, es nicht mehr zu können.

Nun stehen wir zweimal am Tag im Bad und kämpfen den Kampf der Sturheit.
Ich weiß, dass sie die Zähne putzen kann, deshalb werde ich diesen Schritt zurück nicht mit ihr gehen.
Das sitzen wir aus. Auf Biegen und Brechen.

Genauso beim Treppe Laufen ("Aber mein Bein tut doch weh. Du musst mich tragen."), beim Schuhe Ausziehen ("Ich kann das nicht, du musst mir helfen.") und bei so ziemlich allem, was eine Dreijährige eigentlich schon nahezu perfekt kann, auf einmal aber wieder verlernt hat.

Ich wünsche mir starke Nerven.
Zum Glück hat sie die Sturheit von mir geerbt, und ich habe den größten Teil trotz Weitergabe an mein Töchterlein für mich behalten.
Werden mal sehen, wer das ausdauerndere Sitzfleisch hat.

Kommentare:

  1. Es ist Wahnsinn, wie so kleine Kinder schon so viel Intelligenz besitzen.
    Ich wünsch dir wirklich starke Nerven :)

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  2. Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen!

    LG
    Elke

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  3. Ohmannomannomann! Ich bekomme schon beim Lesen eine Krise! Es bleibt mir nur, Dir ganz, ganz viel Kraft und Gelassenheit zu wünschen.

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