Freitag, 25. Januar 2013

Weibliche Gedanken

Es gibt Tage, an denen geht es mir wunderprächtig. 
Mir scheint die Sonne aus dem Hintern, und wer genau hinsieht kann kleine, fröhlich zwitschernde, bunte Vögelchen um meinen Kopf kreisen sehen.

Dann gibt es Tage, da bin ich weder Fisch noch Fleisch, weiß nicht, wo ich mich lassen soll und alles ist so halb doof, aber doch auch irgendwie ooookeee... nichts Halbes und nichts Ganzes.

An anderen Tagen stehe ich morgens schon mit einem "Welt-lass-mich-heute-besser-in-Ruhe-Gefühl" auf, statt der Vögelchen ziehen Gewitterwolken ihre Bahnen und schießen sogar den ein oder anderen Blitz hinaus. Meist beruht das auf einer echt schlechten Nacht, wenig Schlaf, schnarchender Mann, womöglich albtraumgehabthabende Tochter... kurz: Bekomme ich nicht genug Schlaf ist der Tag gelaufen.

Und dann gibt es Tage wie heute.
Ich fühle mich fett. Noch fetter als sonst.
Ich müsste noch so viel machen, aber ich kann mich zu nichts aufraffen. Keine Lust.
Da hilft es auch nicht mehr, dass ich bereits einen morgendlichen Stadtbummel bei minus vier Grad hinter mich gebracht habe, weil ich für Nichte Alex, die Kleine, noch ein Geburtstagsgeschenk besorgen musste.
Eigentlich helfen frische Luft und Bewegung fast immer, aber an Tagen wie heute sind Hopfen und Malz verloren. Keine Chance. 

Bei dem Gedanken daran, dass der morgige Tag geprägt sein wird von Indoor-Kinderspielplatz morgens und eigenem Geburtstagskaffee nachmittags/abends, vergeht mir alles. Ich will doch Ruhe haben. Für mich sein. Nichts machen, niemanden sehen.
Aber nur heute. Morgen sieht das sicherlich schon wieder ganz anders aus, das alles wird bestimmt total spaßig, und es darf sich nun bitte auch niemand der direkt Betroffenen auf den Schlips getreten fühlen.
Ich hab einfach nen echt blöden Tag heute.

Woher diese Launen kommen? Wenn ich das mal wüßte, dann würde ich sie abstellen.
Sagen wir mal, ich lebe permant mit einer Art Grundunzufriedenheit, die ich aber meistens ganz weit hinten kaum sicht- und spürbar verschwinden lassen kann. Nur an manchen Tagen - so wie heute - da ist sie da. Hat sich über Nacht unbemerkt angeschlichen und treibt nun ihre bösen Spielchen.

Von unten schleichen Zweifel in mir hoch.
Bin doch so dick, ist es da wirklich ratsam, schwanger zu werden?
Abgesehen davon, dass wir hier von einem gesundheitlichen Risiko für Mutter und Kind reden... was wäre denn das für eine Schwangerschaft? Kein schöner Babybauch, weil sowieso schon mehr als genug Bauch vorhanden ist. Vermutlich könnte ich eine Schwangerschaft bis zur Entbindung problemlos verheimlichen, und im Kreißsaal rufe ich dann "Überraschung!", wenn es soweit ist.

Von Johanna gibt es keine Bauchbilder, auch da hatte ich schon nicht diesen klassischen, schönen Babybauch.
Ich hab die Madame aber auch echt gut verteilt damals, wurde einmal komplett rund. Oben, unten, vorne, hinten, nichts blieb aus. 
Die fehlenden Schwangerschaftsbilder machen mich bis heute ein wenig traurig.
Ich bin zwar kein Freund von Fotos (jedenfalls nicht von Fotos, auf denen ich zu sehen bin), mag mich nicht wirklich, aber so eine Schwangerschaft, das ist doch etwas Besonderes, erlebt Frau in der Regel nicht allzu häufig in ihrem Leben, das sollte man festhalten. Diese besonderen Momente.

Aber was bildlich festhalten, wenn nichts zu sehen sein wird beziehungsweise man es allenfalls erahnen kann? 

Auf der anderen Seite... ich bin, wie ich bin. Keinesfalls hässlich, nur etwas zu klein für mein Gewicht (und das, wo ich eh schon knapp 1,80m groß bin... wie groß müsste ich wohl sein für Idealmaße?). 
Apropos: Bevor mir hier das Wort "Idealmaß" um die Ohren gepfeffert wird. Ich möchte gar keine Idealmaße haben, nur ein paar Kilogramm weniger auf den Rippen. Und den Hüften. Und dem Hintern. Und dem Bauch. Und an den Armen... herrje, diese Arme!
Ich schweife ab.

Ich denke mir auch, ich bin nicht die erste, nicht die einzige und bestimmt nicht die letzte Frau mit zu viel auf den Rippen, die schwanger wird und im besten Fall ein gesundes Kind nach einer problemlosen Schwangerschaft bekommt. Ist es sinnvoll, mir da jetzt so einen riesigen Kopf zu machen?
Ich sage zwar jedem, der es hören will (und auch so manchem, den es gar nicht interessiert): Et kütt, wie et kütt.
Aber gesagt ist das ja leicht und schnell.

Nehme ich es tatsächlich so auf die leichte Schulter?
Spätestens nach diesem Text hier wird klar, dass dem natürlich nicht so ist.

Wird es etwas an unserem Entschluss, an einem Geschwisterchen für Johanna zu basteln, ändern?
Nein, natürlich nicht.
Aber Gedanken darf Frau sich ja machen...

Et kütt, wie et kütt.

1 Kommentar:

  1. Meine ganze Woche war so wie dein heutiger Tag. Irgendwass war immer. Ich hatte so viele momente, in denen ich mich einfach in meinem Bett vergraben und heulen wollte - und ich weiß noch nichtmal, warum...

    Und die Sache mit der Figur. Ja, das ist ein Graus. Jeder, der mich sieht, wird mir nen Vogel zeigen. Aber es gibt eben Tage, da ist es besser und schlechter. Heute freue ich mich, dass ich das erste Mal wieder "Vorweihnachtsgewicht" erreicht habe. Es waren zwar nur 1,5kg, aber die waren einfach nicht wegzukriegen.

    Ich finde, man muss sich auch mal selbst bemitleiden und schlecht drauf sein dürfen. Der nächste Sonnenschein-Tag kommt bestimmt :)

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