Samstag, 12. Januar 2013

Was machen wir denn da?

Ich bin ja wirklich kein Freund von, sagen wir mal, "Illegalitäten".
Auch oder gerade nicht in der Kindererziehung.

Aber manchmal kommt man nicht drumherum.

Man stelle sich vor, da sitzt oder steht eine aufmüpfige, kleine Dreijährige mit hochrotem Trotzköpfchen vor einem und weigert sich strikt, dieses oder jenes wieder wegzuräumen, nachdem sie es mitten im Weg einfach hat fallen lassen.
Um dem Ganzen den passenden Look zu verpassen, werden die kurzen Ärmchen vor der Brust verschränkt und die Unterlippe setzt sich schmollartig vor die Oberlippe.


Andere Situation, aber ähnliches Gesicht. Wie Graf Rotz:




Morgens vor dem Kindergarten. 
Madame nimmt sich ihre Hausschuhe von der Schuhbank und lässt sie mitten im Flur wieder fallen, als ich ihr sage, dass sie die nun wirklich nicht brauche beim Zähneputzen.

Ich: "Räum deine Schuhe bitte zurück auf die Schuhbank. Dorthin, wo sie hingehören."
Sie: "Nö."

Ich werfe einen kurzen Blick auf die Uhr, ja, ein klein wenig Zeit zum Aussitzen haben wir. Minuten, mehr nicht, aber immerhin.

Ich: "Räumst du deine Schuhe jetzt bitte zurück auf die Schuhbank?!" 
Sie (Arme verschränkt, starrer Blick in meine Augen): "Nö." 
Inzwischen schiebt sich auch langsam die Unterlippe vor. Keinen Millimeter weicht sie meinem Blick aus.

Ich werde gaaaanz langsam leeeeicht ungeduldig: "Räum bitte deine Schuhe dorthin zurück, wo du sie hergenommen hast, sonst müssen wir leider zu Hause bleiben. Dann können wir nicht in den Kindergarten fahren, und heute Mittag können wir auch nicht zu (Cousine) Alex."

Sie (starr, starrer, am starrsten): "Nö."

Ich lasse mich mitten im Flur auf meinen Hintern plumpsen, schaue sie an, und wiederhole mein Mantra von "kein Kindergarten, keine Alex, wenn nicht Schuhe dahin, sofort!".

Sie grinst, lässt sich ebenfalls auf ihr Popöchen nieder und zieht sich ihre Stiefel aus.
Völlig in Ordnung für sie, dass wir nirgendwohin fahren, solange die Schuhe da im Weg rumliegen.

Nun steht (beziehungsweise sitzt im hier präsentierten Fall) man da als Mutter und fragt sich, womit man dieses Kind denn überhaupt erpressen kann, wenn selbst Kindergarten- und Alex-Abstinenz nicht ziehen. Und damit sind wir wieder bei den eingangs erwähnten "Illegalitäten". Erpressung. Irgendein Druckmittel braucht man als Mutter eines Kindes, welches sich in der Blüte seiner ersten (und sicherlich nicht einzigen) Trotzphase befindet. 
Ja, sie müssen Grenzen austesten. Schauen und lernen, wie man sich behauptet, wie weit man gehen kann, selbstbewußt werden und und und. Aber muss das morgens um halb acht vorm Kindergarten sein, wenn man als Mutter Zeitdruck hat, weil es dem Chef oder wem auch immer piepegal ist, ob man noch die Aufräumthematik ausdiskutieren musste?

Ich habe solche Androhungen übrigens schon durchgezogen. Es liegt also nicht daran, dass Johanna ganz genau weiß, dass ich eh nicht zu meinem Wort stehe. 
Aber - und da bin ich fast vom Glauben abgefallen - sie heulte nicht rum, sondern informierte diejenigen Personen SELBER per Telefon darüber, dass wir leider nicht kommen können. 
Die Erklärung blieb natürlich an mir hängen, dafür ist sie dann doch noch zu klein, aber womit bekomme ich dieses Kind, wenn nicht mal sowas zieht? Wenn sie mir ins Gesicht lacht und dann eben in ihrem Zimmer spielen geht?
Nimmt man ihr das Lieblingsspielzeug weg, spielt sie mit etwas anderem.
Nimmt man ihr auch das weg, nimmt sie sich das nächste.
Ist alles weg, setzt sie sich hin und singt oder führt Selbstgespräche oder Gespräche mit imaginären Freunden.
In einer Lautstärke, Inbrunst und mit solch einer Ausdauer, dass man ihr nach relativ kurzer Zeit das Spielzeug zurückgeben möchte.

Wie überstehe ich diese und alle kommenden Trotzphasen ohne Druckmittel? An die Pubertät darf ich gar nicht erst denken. Hilfe!
Ich befürchte, mein Kind ist zu clever für mich. Zu vorausschauend. Zu irgendwas. Zu alles.

Von wem hat sie das?
Unglaublich.

Die umgekehrte - natürlich viel bessere - Variante, das Belohnungssystem, funktioniert übrigens auch nicht. 
Mit irgendeiner Süßigkeit (wird ja gerne genommen als Belohnung) muss ich ihr natürlich überhaupt nicht kommen, aber auch alles andere (Fernsehen (interessiert sie noch nicht), Spielzeug, Spielzeit mit Mama oder Papa, Basteln, was auch immer man sich vorstellen kann) funktioniert nicht. Meine Tochter ist nicht käuflich oder bestechlich. Da hat sie mir ihren drei Jahren bereits ganz klare Prinzipien. 
Woher sie die hat, kann ich mir nicht erklären.

Ich muss mir einen Masterplan ausdenken. Googeln. Es gibt bestimmt schon irgendwelche Erfahrungswerte zu besonders erpressungs- und bestechungsresistenten, trotzenden Kleinkindern. Johanna wird sicherlich nicht die erste und einzige sein. 
Aber - und das tut mir leid für jede Mama, die nach mir kommt - sie wird auch nicht die letzte sein. :o)

An diesem Morgen habe ich sie mir übrigens irgendwann unter den Arm geklemmt, hab mit ihr "den Flieger gemacht", die Schuhe habe ich ihr einfach in die Hände gedrückt, und dann bin ich mit ihr über die Schuhbank "geflogen", wo sie ihre Fracht abwerfen konnte. 
Fand sie nach anfänglichem Moppern irre lustig.
Super.

1 Kommentar:

  1. Die zwei grundlegenden Erziehungsprinzipien: Bestechung und Erpressung (sag ich auch schon ganz lange und freue mich, das auch hier wieder zu finden). Ich hatte in der Phase gottseidank immer Zeit, so dass ich das Spiel: "ich werde dich nicht zum Kindergarten tragen, du musst schon laufen, und wenn du nicht willst, kein Problem, dann warten wir halt hier auf dem Bürgersteig" immer für mich entscheiden konnte. Man muss aber daran denken, dass die Dreijährigen ihr Leben als komplett fremd bestimmt empfinden und deswegen einfach ab und zu auch ihren Willen durchsetzen müssen (leider oft bei denkbar ungeeigneten Gelegenheiten). Wenn mir jemand alles vom Aufstehen zum Anziehen, Essen, Schlafen gehen vorschreiben würde, wäre ich wohl auch ganz froh, wenn ich den ab und zu mal auflaufen lassen könnte.
    Nicht Verzweifeln! Liebe Grüße, Andreas

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