Freitag, 25. Januar 2013

Die kleinen Dinge des Alltags

Etwas schier Unfassbares ist geschehen.
Etwas, wovon ich nie geglaubt hätte, dass es tatsächlich noch passieren würde, wenngleich mir mein Verstand immer sagte, dass es irgendwann so kommen musste.

Fangen wir vorne an:
Als ich 1999 von zu Hause auszog, um die große, weite Welt zu erkunden (du meine Güte, das war im letzten Jahrtausend!) und mein Leben die kommenden Jahre nach bestandenem Abitur als fleißige Studentin zu verbringen, legte ich mir schnell einen treuen Begleiter und Weggefährten zu.
Als Studentin hat man viel zu schreiben, vor allem viel mitzuschreiben, und damals, im letzten Jahrtausend (ich weiß gar nicht, wie das heute funktioniert) benutzte man dafür die Hand.
Kugelschreiber auf Papier.
So einfach war das.

Folglich legte ich mir einen ganz tollen Kugelschreiber zu. So einen dicken, mit gummierter Grifffläche versehenen Stift. Super Teil. Nicht ganz günstig, aber jede Mark (ja, damals waren es noch Deutsche Mark) wert. 
Und treu. Sehr treu!

Ich habe viel geschrieben seit dem Jahre 1999. Natürlich auch vorher schon, aber hier geht es ja um meinen Begleiter. 
Mitschriften von Vorlesungen und Seminaren, Klausuren, Zwischenprüfungen, Briefe, Geschichten, Texte, Gedankenfetzen, Worte, Worte, Worte.
Man mag es glauben oder nicht, aber ich habe nie die Mine austauschen müssen.
Der Stift schrieb und schrieb und schrieb. Ohne Unterlass, ohne Zweifel.


Bis gestern!
Ich sitze nichtsahnend im Wartezimmer unserer Logopädin, während die Madame drinnen Spaß hat mit Tante Logo und deren "Therapiehund" Taps (er ist kein richtiger Therapiehund, aber er ist immer dabei... tolles Tier) und weihe mein Geburtstagsgeschenk, das schöne Notizbuch, ein - natürlich mit meinem über alles geliebten Kugelschreiber - als mittendrin, von jetzt auf gleich, die Mine versagt. Einfach so. Ohne Vorwarnung.

Ich glaube, ich machte einen richtig dümmlichen Gesichtsausdruck. Konnte es kaum fassen. Zum Glück kam gerade niemand mit einer Kamera vorbei.
13 Jahre und ein bißchen lang hat er geschrieben. Ohne Murren.

Und nun muss ich tatsächlich die Mine auswechseln. Einfach unfassbar.
Aber natürlich werde ich es tun, denn dieser Kugelschreiber ist mir heilig. Absolut heilig. Ohne ihn verlasse ich nicht das Haus, er ist immer überall dabei. Und ich benutze nur ihn. Selbst wenn andere Stifte neben mir liegen stehe ich lieber auf und hole mir meinen Kugelschreiber, als diese billigen Kopien zu benutzen.
Bekloppt? Vielleicht. Aber das macht nichts.

Übrigens: Wer gut aufgepasst hat wird gemerkt haben, dass ich nun - nach der Ergotherapie - auch bei der Logopädie nicht mehr mit anwesend sein muss, sondern dass Madame das nun ganz gut alleine machen kann. Folglich habe ich nun nicht nur dienstags 45 Minuten für mich, sondern auch donnerstags. Welch ein Luxus! 90 Minuten pro Woche, die ich mit Lesen und/oder Schreiben verbringen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil deshalb irgendwas im Haushalt liegen bleibt.
Herrlich!

Wenn ich jetzt mal nicht ein Buch nach dem anderen "durchziehe"...

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