Montag, 10. Dezember 2012

Wieder ein Schritt nach vorne

Heute haben meine Mama und ich mit Johanna einen Weihnachtsmarkt besucht.
Unser Plan, unter der Woche zu gehen, weil dann sicherlich nicht so viel los sein würde wie am Wochenende ging voll auf, und somit war Johanna ganz schön entspannt. Trotz der Lichter und Gerüche. Es herrschte einfach nicht so ein Trouble, keine Kakophonie aus musikalischen Weihnachtsklängen, Gebimmel, Stimmengewirr, Hundegebell, Gekreische, Lachen und was es nicht sonst noch in solch einem Weihnachtsgewühl zu hören gibt.
Stattdessen sehr schön ruhig und luftig.
Dennoch bevorzugte Johanna die Sicherheitszone "Buggy", allerdings wesentlich entspannter und aufgeschlossener als bei unserem letzten Weihnachtsmarkt-Fiasko
Zwischendurch trällerte sie sogar ein lustiges Liedchen.

Wir kamen an einem Karussell vorbei. So ein Richtiges. Ein Großes. 
Viele Gefährte, die sich unter Rattern, Bimmeln und mit typischer Kirmesmusik im Hintergrund einige Runden im Kreis bewegen. Ich habe als Kind am liebsten auf irgendwelchen Plastiktieren (ist das überhaupt Plastik?) gesessen.
Johanna war beim Anblick des Karussells kaum noch zu halten. Sie kletterte beinahe von alleine aus dem Buggy und bestand vehement darauf, dort mitfahren zu wollen.
Eine Premiere!
Sie ist noch nie Karussell gefahren. Niemals nie. Sie hatte immer Angst davor, es war ihr schlicht nicht geheuer, und schon die Frage danach, ob sie mal mitfahren wolle führte zu Tränen in den Augen und langgezogenem Gejammer.
Nicht so heute. Zum allerersten Mal wollte sie unbedingt mit dem Karussell fahren.

Meine Mama und ich schauten uns eine ganze Weile unsicher an. Wir wußten nicht, ob das nicht völlig in die Hose gehen würde, aber letztendlich sagte ich: "Lassen wir sie halt fahren, wenn sie unbedingt will. Wird schon schiefgehen."

Madame - ganz Prinzessin, die sie gerne wäre (ich allerdings klinke mich da immer mal wieder ein, ich mag dieses ganze rosa Mädchengedöns und vor allem das Prinzessinnenzeug nicht sonderlich) - bezog sofort die Kutsche.
Die Gefährte setzten sich in Bewegung und Johanna strahlte übers ganze Gesicht, rief mir im Vorbeiflug zu, sie fahre nun einkaufen und jauchzte. Wie Graf rotzt hatte sie sich auf der Kutschenbank breitgemacht, die Füße auf der gegenüberliegenden Sitzgelegenheit hochgelegt.

Hätte die Fahrt nur drei Runden gedauert, alles wäre prima gelaufen.
Leider aber dauerte das Ganze einige Runden länger. Und je länger die Karussellfahrt dauerte, desto länger wurde auch Johannas Gesicht. Bis sie irgendwann anfing zu weinen und runter wollte. Zum ersten Mal bedauerte ich es, viel fürs Geld bekommen zu haben.
Wir riefen Johanna zu, dass die Fahrt gleich zu Ende sei und sie dann sofort zu uns kommen könne, aber so lange müsse sie nun eben noch durchhalten. 
Und es klappte tatsächlich. Sie sah zwar überhaupt gar nicht glücklich aus und weinte vor sich hin, aber sie wurde nicht hysterisch, sie schrie nicht, sie ertrug es den Umständen entsprechend gut. Es dauerte zwar auch danach noch eine Weile, bis sie sich beruhigt hatte, aber insgesamt war diese Aktion trotzdem ein riesiger Fortschritt!
Drei Runden lang hatte sie Spaß, dann kam sie vermutlich nicht mehr hinterher mit der Verarbeitung der ganzen Eindrücke und es wurde ihr zu viel. Aber dass sie sich überhaupt überwunden hat, dass sie sich nun an so etwas Unbekanntes, Neues herangetraut hat, zeigt mir, dass wir nach wie vor auf dem richtigen Weg sind und dass es voran geht.
Ich bin extrem stolz auf meine Madame.

1 Kommentar:

  1. Gratulation sag ich da mal...auch wenn es dann Geweine gab, hört sich nach einem riesen Erfolg an so wie du schreibst.

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