Mittwoch, 12. Dezember 2012

Wie ist das eigentlich mit der Osteopathie?

Ich bin ein von Natur aus skeptischer Mensch.
Ich schätze, ich bin schon so auf die Welt gekommen.
Hätte ich damals schon reden können, hätte ich vermutlich erst mal skeptisch in die Runde der mundgeschützten Anwesenden (ich bin ein Kaiserschnittchen) geschaut und gefragt, ob das hier alles so seine Richtigkeit hat.

Somit habe ich mir nie Gedanken über die Osteopathie gemacht, ich habe diesen Zweig der alternativen Medizin überhaupt nicht in Verbindung gebracht mit Johannas Essstörung.
Alternative Medizin stand für mich bis dato sowieso nicht zur Debatte, ich bin bekennende Anhängerin der Schulmedizin.

Nun wird der ein oder andere aufgeweckte Leser derer, die mich persönlich kennen, zu Recht einwerfen: Aber halt! Du warst doch vor einer Weile eine ganze Zeit lang mit deinem Gewichtsproblem bei einer Heilpraktikerin in Behandlung. 

Darauf entgegne ich: Richtig! Und was hat es mir gebracht außer einem riesigen schwarzen Loch im Geldbeutel? Die Kilos waren kurze Zeit weg und kamen dann stetig, aber sicher, restlos wieder. Wäre ich mal meiner Skepsis treu geblieben, das wäre billiger gewesen.

Im Laufe der Zeit, je öfter und länger man wie auch immer gearteten Kontakt mit anderen Betroffenen hat, wurde die Frage danach, ob ich mit Johanna mal bei einem Osteopathen war, immer häufiger. Musste ich immer verneinen, war aber auch kein Problem für mich.
Irgendwann jedoch hat man den Punkt erreicht, dass man einfach alles versucht, um das Problem zu lösen. Dann wirft man seine Prinzipien über Bord und sucht doch einen Osteopathen auf. 

Dort waren wir heute zum dritten Mal.
Und inzwischen lässt sich Johanna die Behandlung - das Anfassen - richtig gut gefallen und hält tatsächlich die komplette Sitzung durch. Sehr zum Leidwesen meines Portemonnaies. Heute durfte ich zum ersten Mal den vollen Betrag bezahlen.

Skeptisch bin ich immer noch, keine Frage.
Aber unsere Osteopathin konnte mir den ganzen Sachverhalt recht schlüssig und nachvollziehbar erklären: Durch die Behandlungen lösen sich Johannas Blockaden nach und nach und sie sperrt sich nicht mehr gegen die Reizflut, sondern kann viel mehr zulassen als früher, was über kurz oder lang zur Reizüberflutung führen muss, weil Zulassen und Verarbeiten zwei Paar Schuhe sind. 
Da sie nun viel mehr aufnimmt, aber noch nicht alles verarbeiten kann, entstehen solche Situationen wie auf dem Weihnachtsmarkt. Und weil sie nicht mehr so blockiert ist geht sie viel offener auf neue Dinge zu, wie zum Beispiel der Fahrt auf dem Karussell.
Gleichzeitig erhöht sich aber auch Johannas Schlafbedürfnis, weshalb sie nun öfter mal im Auto wegpennt, wenn wir unterwegs sind. Es geht (leider) nicht soweit, dass sie Mittagsschlaf machen würde. 
(Ich könnte den wirklich gut gebrauchen!)
Zum Einen ist das alles sehr anstrengend für sie, ganz viele neue Eindrücke und Erfahrungen, die verarbeitet werden müssen, zum Anderen ist Schlaf eine Schutzfunktion des Körpers. Wird alles zuviel, werden die Schotten dicht gemacht und man schläft.

Natürlich können die Veränderungen auch rein zufällig geschehen oder einer Entwicklung geschuldet sein, die so oder so stattgefunden hätte. Auch unsere Ergotherapeutin könnte Einfluss gehabt haben. Man weiß es nicht.
Der Osteopathin spielt es jedenfalls ganz gut in die Hände, sie kann mir einen vom Pferd erzählen, wenn sie das möchte, widerlegen kann ich es nicht. Beweisen kann sie es aber auch nicht, und somit nehme ich die Entwicklungen freudig zur Kenntnis, bleibe aber skeptisch.

Nicht skeptisch genug, um das Geld nicht mehr bezahlen zu wollen.
Nachher liegt es doch an der Osteopathie! 
Man weiß es eben leider nicht...

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