Montag, 3. Dezember 2012

typical me

Sagen wir es, wie es ist: Ich bin ein absolut untypisches Weibchen.
Jedenfalls, wenn man den tausenden und abertausenden Fashion-, Beauty- und Lifestyle-Blogs, dem Fernsehen, den Zeitungen, meiner Mutter und allen anderen Medien Glauben schenken mag.

Ich habe nun einige Tage darüber nachgedacht, ob ich es wagen kann, und ich bin nach langem Hin und Her endlich zu dem Schluss gekommen, einfach mal mutig sein zu wollen: Ich schminke mich nicht.

Jetzt ist es raus.
Ich schminke mich nicht.
Was für ein Befreiungsschlag. Puh. Hört ihr mein Aufatmen? Die Felswand, die von meinen Schultern gefallen ist?
Eventuell ab und zu (vor allem einmal monatlich) vorhandene Unreinheiten mit Concealer abzudecken zählt für mich übrigens nicht zum großen Dunstkreis des Schminkens. Das mache ich. Manchmal.
Aber das war's dann auch.

Keine Smokey Eyes (oder was für Augen auch immer), keine knallroten Lippen, nicht mal Mascara.
Ok. Die Wimpern tusche ich mir doch ab und zu. Etwa zweimal im Jahr. Weihnachten und Geburtstag. Wenn's hochkommt.

Keine Extensions in den Haaren, keine in den neuesten Modefarben designten Fingernägel, kein Kleiderschrank von der Größe eines durchschnittlichen Wohnzimmers, kein gar nichts.

Bereits in der Schulzeit tönte es von fern gerne an mein Ohr: Mach dir doch mal ein bißchen Farbe ins Gesicht. Dann würdest du gleich ganz anders aussehen.

Selbst heute noch höre ich diese Sätze das ein oder andere Mal. Auch nach nun 15 Jahren ist meine Mama nicht müde geworden, es wenigstens zu versuchen.
Sie bringt übrigens nicht mal ungeschminkt den Müll raus. Na ja, fast.
Sie wird nun aufschreien, dass das gar nicht wahr sei, aber wenn wir ehrlich sind: So ist es. Nicht wahr, Mama? Reg dich nicht auf (ich weiß ja, dass du hier mitliest), ich mein's nicht böse.

Als ich noch zur Uni ging - damals vor einem halben Jahrhundert - und der irrigen Annahme erlag, ich könne dort zwischen Büchern, Kopien und fadem Automatenkaffee den Mann meines Lebens finden, ja, da habe ich tatsächlich manchmal etwas Farbe im Gesicht verteilt. Nicht übermäßig viel, aber doch mehr als jetzt.
Spätestens seit ich Mama bin ist es damit ganz vorbei.

Ich habe morgens weder Zeit noch Lust, mich aufzustylen. Wenn man es genau nimmt hatte ich noch nie Zeit und Lust, mich aufzustylen. Ich fand das immer überflüssig. Finde ich immer noch.
Das hat eigentlich auch gar nichts mit dem Mamasein zu tun, nun habe ich lediglich eine viel angenehmere Ausrede, falls ich mal auf nicht vorhandenes Styling angesprochen werde. Musste alles schnell gehen morgens. Zu spät aufgestanden, Johanna stressig, Kindergarten wartet auch nicht ewig, keine Zeit gehabt für Make-Up und Föhnfrisur. Klingt doch gut?
Manchmal frage ich mich, was da bei Gott (oder wem oder was auch immer) schief gelaufen ist, dass er/sie/es mich derart atypisch veranlagt hat, und nicht selten ertappe ich mich bei dem Gedanken, ob ich nicht doch einmal etwas Zeit in mein Styling investieren sollte. Im selben Moment aber habe ich das Gefühl, dass das einfach nicht ich wäre, dass es sich schlicht falsch anfühlt, und somit ersticke ich den Gedanken bereits im Entstehen.

Ich bin, wie ich bin, und ich mache aus mir das, was ich aus mir mache. Punkt.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich pflege mich. Schlechter Geruch, fettige, strähnige Haare, dreckige Fingernägel, unsaubere Klamotten, kaputte Socken und Schuhe, all das geht überhaupt nicht, und ich lege bei mir und auch bei meinem Umfeld viel Wert auf diese Punkte. Gut, bis auf die Socken. Da bin ich selber manchmal nachlässig und verzeihe auch anderen so manches Loch im Strumpf. Sonst wäre meine Ehe vermutlich auch schon am Ende. Ein bisschen Schwund hat man immer.
Aber ansonsten bin ich da relativ penibel.
Das ist ein himmelweiter Unterschied.

Ob mein Mann sich insgeheim (oder hat er es etwa schon laut geäußert?) wünscht, ich würde doch etwas mehr aus mir machen? Mal ein bißchen Make-Up, oder so?
Gewicht verlieren sei mal dahingestellt, dass muss und wird passieren, aber darum geht es grad nicht. Mit der Thematik könnte ich wahrscheinlich ein ganzes Buch füllen.
Und sonst?
Keine Ahnung.
Spätestens, wenn er das hier gelesen hat, wird er sich eh dazu äußern.

Übrigens ist dieser Blog eine ganz tolle Form der nicht gesprochenen Kommunikation.
Habe ich keine Lust zu reden, schreibe ich darüber, dann folgt das Gespräch ganz von alleine.
Aber ob das der richtige Weg ist?
Vielleicht sollte ich auch darüber mal eingehender nachdenken...

Kommentare:

  1. ...du bist nicht allein. :-)
    Dein Blog ist echt gut, mach weiter so.

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    1. Das ist auch gut so, dass ich nicht alleine bin. ;o)

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  2. ...ich bin auch so ein atypisches Weibchen es können ja
    nicht alle groß, schlank, blond, vollbusig u. geschmickt durch
    die Lande stöckeln :o). Ich finde deinen Blog super bitte weitermachen.
    Dass deine Tochter die Krise aufm Weihnachtsmarkt kriegt kann ich
    sehr gut nachvollziehen, mir nimmt es nämlich auch jedesmal die Luft wenn
    ich mich zwischen Menschentrauben durchquälen muss und ich bin 184cm groß. HAbe auch wie deine Tochter eine Einschränkung die es mir sehr schwer macht mich unter Menschen zu bewegen. lg Brigitte

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    1. Vielen Dank für deine Worte, die Bestätigung und das Lob. :) Es tut immer gut zu sehen, dass man nicht alleine ist. Sei es nun eine bestimmte Einstellung betreffend oder eine Einschränkung, mit der man umzugehen lernen muss. Auch wenn es in diesem Fall nicht meine eigene Einschränkung ist sondern die meiner Tochter.
      Liebe Grüße,
      Rebecca

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  3. ...ich schminke mich auch nicht...und das ist gut so, findet mein Freund :-)

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    1. Sehr gut. :) Meinem Mann ist es zum Glück auch ganz recht so. :)

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