Donnerstag, 27. Dezember 2012

Schwedischer Möbelwahnsinn

Ich gestehe: Ich liebe die Möbel von IKEA. Die meisten jedenfalls. 
Auch im gelb-blauen Möbelhaus kann man den berühmt-berüchtigten Griff ins Klo tätigen, aber als regelmäßiger IKEA-Gänger kennt man seine Pappenheimer. 
Weiß, was man kaufen kann und was man lieber stehen lässt.

Gestern noch sagte ich beim leckeren Abendessen zu meiner Schwägerin, dass wir morgen (also heute) das wohl Dämlichste machen werden, was man einen Tag nach Weihnachten machen kann: Ein Besuch im schwedischen Möbelhaus.

Aber wenn ich eine Idee habe, dann muss ich die umsetzen. Am besten gestern. 
Befürchtungen und Erfahrungen werden unbeachtet liegen gelassen, allen Unkenrufen zum Trotz fährt man. Komme da, was wolle.

Vorgestern nämlich überlegte ich mir, das ein oder andere Möbelstück fürs Wohnzimmer zu kaufen. 
Oder eher: Das Wohnzimmer komplett neu zu gestalten. 
Um umsetzen zu können, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, müssen allerdings diverse Möbelstücke (vornehmlich die schwarze Couch) verrückt werden. Somit werden schmutzige Stellen und Bohrlöcher von Fehlversuchen in der Wand sichtbar, also fragte ich meinen Mann, ob wir denn nicht "eben" noch das Zimmer renovieren sollen, bevor wir die neuen Möbel reinstellen. Und wenn wir schon mal am streichen sind... Akzentstreifen in nem netten Braun oder so wären ja auch nicht schlecht. 
Nun haben wir ausnahmsweise mal ein paar Tage gemeinsam frei, Geld ist auch grad vorhanden für solche ungeplanten, sehr spontanen Käufe, die perfekte Gelegenheit. Hm, Schatz?
Meinem Mann sprang die Begeisterung förmlich aus dem Gesicht, sogar im wohlverdienten Urlaub muss der arme Handwerker ackern, aber er sagte lapidar: "Können wir machen."

Heute nun hatten die Geschäfte endlich (!) wieder geöffnet, und nachdem wir uns im Baumarkt alles Nötige für die Renovierung besorgt hatten fuhren wir weiter zum geliebten Möbelhaus.

Wir waren noch ein gutes Stück entfernt, da verdichtete sich der Verkehr bereits merklich.
Als nächstes stellten wir fest, dass unser IKEA einen Zusatzparkplatz (die Ausweichmöglichkeit für die ganz harten Tage) geöffnet hatte, und uns schwante nichts Gutes.
Mein Mann - ganz Optimist - fuhr trotzdem auf den Hauptparkplatz, und wir sahen uns mit Verkehrskadetten konfrontiert, die auf dem Parkplatz den Verkehr regelten und die Besucher in die richtigen Parkzonen einwiesen.
Verkehrskadetten. Ich habe noch nie bei IKEA Verkehrskadetten den Verkehr regeln sehen!
War aber gut, dass die da waren, so fanden wir zügig und recht nah am Haupteingang tatsächlich einen freien Parkplatz.

Im Haus wurden wir lautstark von einer Hausband begrüßt, die auf selbstgemachten Instrumenten (aus IKEA-Produkten, hauptsächlich Abteilung "Küchenzubehör") schmissige Musik zum Besten gab. Nur die Gitarre war wohl mitgebracht worden. Sehr cool!

Am Aufzug hieß es Schlangestehen.
Treppe war leider nicht wirklich möglich, weil wir Johanna wegen der drohenden Menschenmassen bereits am Auto in den Buggy verfrachtet hatten. Zum Glück! Ich glaube, die wär sonst völlig ausgetickt in dem Laden. Dank ihrer Sicherheitszone blieb sie erstaunlich gelassen, entspannt und gut gelaunt.

Wir schoben uns mit dem Strom durch den Laden, schafften es tatsächlich, an den für uns wichtigen Stationen auszubrechen und Halt zu machen und erreichten so nach gefühlten Ewigkeiten (und dem obligatorischen Köttbullar im Restaurant) die Kassenzone, wo uns erneut freudig strahlende Verkehrskadetten erwarteten, um den Kassenverkehr zu regeln.
Ach nein. IKEA-Angestellte. Aber in derselben Funktion.

Weitere gefühlte Ewigkeiten später waren wir viel zu viel Geld los und standen an unserem Auto. Mal wieder schauten wir mitleidig rüber zu den Corsa- und Micra-Fahrern, die krampfhaft versuchten, irgendwie diesen achttürigen Kleiderschrank oder den Schuhschrank für mindestens 300 Paar Schuhe in die Kofferklappe (Kofferraum kann man das ja nicht nennen) ihres Wägelchens zu bugsieren, während wir entspannt unseren Van beluden.
(Schatz, nachdem wir ja nun heute wieder das Thema hatten: Nein, ich kann mich doch nicht mit nem Kombi anfreunden. Ich mag unseren Van!)

Inzwischen sind einige Stunden vergangen, die Möbel haben wir im Schweisse unseres Angesichts aufgebaut, dafür musste (dieses Jahr wirklich extrem früh) der Weihnachtsbaum bereits weichen, und nun sitze ich hier, schaue mich um und bin schwer zufrieden. 

Morgen nun wird renoviert.
Ja, hätte man vielleicht andersrum erledigen können und sollen, aber so ist das, wenn man spontan ist. 
Denken kommt erst hinterher.

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