Dienstag, 11. Dezember 2012

News aus München

Wären wir spontane Menschen, dann würde ich jetzt Klamotten und Spielzeug in Reisetaschen schmeißen, Notebook und Kindle unter den Arm klemmen und mitsamt Johanna und Sack und Pack nach München ins Kinderzentrum fahren.
Genau jetzt ist ein Platz in der stationären Essverhaltenstherapie frei.
Da es sich nicht um eine Akutklinik handelt, sondern das Ganze eher Reha-Charakter hat, wird dort über Weihnachten zugemacht.
Wir müssten also am 22.12. nach Hause fahren und im Januar wiederkommen, denn dass sich Johannas Problematik in zehn Tagen befriedigend bearbeiten lässt ist äußerst unwahrscheinlich, da sind wir uns alle einig.

Nun wird auch klar, dass die Angelegenheit nicht allein an fehlender Spontaneität scheitert (wir sind nämlich durchaus eine recht spontane Familie, sehr zum Leidwesen schon so mancher Person, die spontan zu irgendetwas mitgeschleift worden ist), sondern dass es rein logistisch und ökonomisch betrachtet einfach sinnvoller ist, generell erst im Januar mit der Therapie zu starten.

Der Arbeitsplan für mich ist bis Ende des Jahres geschrieben, es müsste so mancher Ersatz gesucht und gefunden werden, würde ich mich nun aus dem Staub machen.
Mein Mann arbeitet sowieso rund um die Uhr, der müsste erst mal frei bekommen, um uns nach München fahren zu können (Zug finde ich doof, und mein Mann/ihr Vater gehört einfach dazu, wenn wir in solch ein Abenteuer aufbrechen).
Und da sind wir schon bei einem ebenfalls wichtigen Punkt: Die Fahrt.
650km hin, 650km zurück. Das Gleiche noch mal am 22.12. 
2600km. Eine Tankfüllung kostet uns etwas über 100 Euro (nein, wir tanken kein Gold, wir haben einfach ein großes Auto mit nem großen Tank) und reicht für 600km (bzw. 500km, wenn mein Mann fährt). Wir müssten also alleine jetzt noch 400 bis 500 Euro berappen nur für die Fahrerei. Kommt sehr ungelegen so knapp vor Weihnachten.
Im Januar müssten wir dann erneut mehrfach hin- und herfahren, noch mehr Geld.
Ich sehe nur noch die Dollarzeichen an mir vorbeifliegen.

Nun könnte man natürlich sagen: Für die Gesundheit des Kindes sollte man alles in Kauf nehmen und in Bewegung setzen.
Richtig.
Aber es muss auch bezahlt werden können. Und man muss die Verhältnismäßigkeiten abwägen.
Wir stehen auf der Warteliste, und dort stehen laut brandaktueller Aussage gar nicht so wahnsinnig viele andere Kinder, also fahren wir sowieso irgendwann im Januar nach München. 
Ich schätze, die vier bis sechs Wochen machen den Braten nun auch nicht mehr fett. 
Also genießen wir die verbleibenden Wochen inklusive einem ruhigen, beschaulichen Weihnachtsfest und einem spannenden Jahreswechsel, bevor wir uns dann im neuen Jahr für vier bis sechs oder mehr Wochen aus dem Alltag ausklinken und die Therapie ganz schön weit weg antreten.
Außerdem hat mein Mann so noch Gelegenheit, mir zu Weihnachten oder Geburtstag oder so das Tablet zu schenken, dann brauche ich das riesige, schwere, unhandliche Notebook nicht mitschleppen.
(Was soll ich mit einem Zahnpfahl winken, wenn ich auch den ganzen Zaun nehmen kann?)

Schauen wir mal, dann sehen wir schon...

Kommentare:

  1. Hm.... Recht habt ihr. ich denke ich würde es genauso machen. Die paar Wochen noch geniessen und es dann angehen, wenn die Zeit dafür eben besser passt. Das gibt auch eine bessere Struktur und eine bessere innere Ruhe dafür finde ich!
    Toll... geniesst die Weihnachtsfeiertage und das Drumherum noch so richtig im Alltag.
    GLG, MamaMia

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    1. Vielen Dank, wir versuchen es. :)
      Gruß,
      Rebecca

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