Sonntag, 16. Dezember 2012

Es wird nie langweilig...

Unsere Madame ist immer für eine Überraschung gut.

Mit Schrecken habe ich gestern festgestellt, dass nun auch das Schneiden der Zehennägel extrem problematisch ist. Schon das bloße Anschauen ihrer Zehen hat gereicht, Weinen und "Nein! Nicht abschneiden!"-Geschrei auszulösen. 
Jeglicher noch so kindgerechte Erklärungsversuch meinerseits scheiterte kläglich, Johanna wurde immer ungehaltener.
Als ich dann die Nagelschere geholt hatte, war es ganz vorbei. Sie schrie und wand sich, so dass ich mich letztendlich mit meinem Oberkörper auf sie legen mußte, ihr Bein unter meinem Arm einklemmte und so irgendwie die Nägel schneiden konnte. Natürlich unter hysterischem Protest(?)geschrei. Unser beider Nerven angespannt bis sonst noch wohin.
Früher war Nägelschneiden absolut überhaupt kein Problem.

Solche extremen Situationen haben wir nicht oft, aber ab und zu kommen sie vor, wenn es darum geht, dass Dinge erledigt werden müssen, auch wenn Madame damit absolut nicht einverstanden ist. Und die Nägel mussten geschnitten werden. Unbedingt. 
Sonst hätte ich sie diesem Stress nicht ausgesetzt. Auch ich fühle mich ganz und gar nicht gut bei sowas, Johanna tut mir unendlich leid, wenn ich sie solchem Zwang aussetze. Aber mein Mann arbeitet nun seit Monaten so lange, dass schlicht so gut wie keine Zeit bleibt, so etwas gemeinsam (und damit vielleicht ein klein wenig entspannter) zu machen.
Morgens verlässt er das Haus, wenn wir noch schlafen oder gerade so wach werden, abends ist er normalerweise nicht vor halb neun zu Hause, da geht die Madame dann aber bereits ins Bett. Zumindest kurz danach. Wochenende wird auch gearbeitet... ja... auch ich bin davon und von dem dadurch nicht mehr vorhandenen Familien-/Eheleben schwer begeistert. Aber das ist ein anderes Thema.

Zu diesem Thema hier allerdings passt sehr gut, dass Johanna sich inzwischen von ihrem Papa abends in der Regel nicht mehr bettfertig machen lässt. Er darf sie nicht anfassen, nicht umziehen, die Windel nicht wechseln, Zähne putzen schon mal gar nicht. Muss alles Mama machen. Es gibt einzelne Tage zwischendurch, da lässt Johanna es doch zu, aber die sind sehr, sehr selten geworden.
Ich sehe einen großen Auslöser in den langen Arbeitszeiten meines Mannes. Er ist so gut wie gar nicht da, und Johanna verliert immer mehr den Bezug zu ihm - falls man das so ausdrücken kann. Ich weiß, was ich meine, aber ich weiß nicht recht, wie ich es formulieren soll. Ich hoffe einfach mal auf eure Interpretationsgabe.
Vielen Kindern würden Papas Arbeitszeiten vermutlich gar nichts ausmachen. Im Gegenteil: Die würden sich freuen, wenn er dann da ist und die Zeit mit ihm umso mehr genießen. 
Aber Johanna ist eben etwas Besonderes. 
Sehr empfindsam, sehr sensibel, sehr überempfindlich in bestimmten Bereichen, und ich vermute, dass sie deshalb auf ihre ganz eigene Art auf die angespannte Arbeitssituation reagiert. Sie braucht den regelmäßigen Kontakt, um ihn zulassen zu können. Regelrecht Gewohnheitssache bei ihr.
Das sind jedenfalls meine Überlegungen, werde Dienstag unsere Ergotherapeutin interviewen, ob ich damit Recht haben könnte.

Auch hat Johanna ihren Ernährungsplan (wenn man bei Brei und Joghurt überhaupt von etwas so Umfassendem wie Ernährungsplan reden kann) mal wieder reduziert.
Aß sie früher ganz gerne Fruchzwerge, wodurch wir Vanillejoghurt und Fruchtquark (ohne Stückchen) abwechselnd als Zwischenmahlzeit geben konnten, verweigert sie die Fruchtdinger nun auch. Gestern mußte ich sie beim Wocheneinkauf unbedingt in den Wagen packen, setzt man sie ihr aber vor, fängt sie an zu weinen und will sie ums Verrecken nicht essen. Eher isst sie gar nichts. In solchen Situationen könnte ich regelrecht ausflippen.
Nun ist es also morgens, mittags, abends Babygrießbrei und ab und zu zwischendurch Vanillejoghurt, und zwar nur noch Vanille. 

Es wird Zeit für München...

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