Freitag, 7. Dezember 2012

Das Mädchen und der Schnee

Auf einmal ist er da. Schlagartig. Unerwartet. 
Der Winter.

Über Nacht hat sich eine riesige Schneewalze (wie der örtliche Radiosender treffend titulierte) über den Niederrhein und das Ruhrgebiet geschoben, und heute Morgen öffneten sich die Schleusen.
Als wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg zum Kindergarten machten war die weiße Pracht noch sehr überschaubar und Johanna zeigte freudig aufgeregt auf die Schneeflocken und unser weißes Auto.
"Guck mal, Mama, der Schnee!" grinste sie.



Die eigentlich zehnminütige Fahrt zum Kindergarten dauerte heute etwa doppelt so lang aufgrund heftigen Schneefalls und noch nicht geräumter Straßen. Am Ziel angekommen zierte bereits eine etwa 5cm hohe Schneeschicht die Straßen, und Johanna stellte ich unüberlegt aus dem Autokindersitz gehoben in eine kleine Schneewehe. Das war zuviel des Guten.
Sofort begann sie zu weinen, fühlte sich sichtbar unwohl.
"Ich will nach Hause gehen." wimmerte sie, ihr Standardsatz, wenn sie mit einer Situation überfordert ist.
Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass wir doch nun in den Kindergarten gehen, wiederholte sie immer wieder genau dieses Mantra: "Wir müssen jetzt reingehen, Mama. Reingehen. Ich will reingehen, Mama."

Ich war nicht sonderlich überrascht darüber, dass Johanna mit dem Schnee nicht zurechtkommt.
Früher konnte sie weder über Sand, noch Gras, Teppich oder sonstigen mehr oder weniger unebenen oder sich zumindest anders anfühlenden Untergründen krabbeln/laufen, das hat sich mittlerweile gelegt, aber damit ist sie die letzten zwei Jahre auch sehr regelmäßig, wenn nicht sogar täglich konfrontiert worden.
Schnee hingegen hatten wir bisher so gut wie gar nicht.
Also etwas ganz Neues für die Madame.

Und sofort ist die Angst vor Unbekanntem da. 
Die Angst davor, was sich da unter ihren Füßen befindet. 
Es fühlt sich anders an, klingt anders, sieht anders aus, man erkennt den eigentlichen Untergrund nicht mehr, und Johanna kann das alles in dem Moment überhaupt nicht verarbeiten.

Es war aber auch wirklich viel, viel Schnee runtergekommen innerhalb von 30 Minuten.



Nachmittags dann habe ich aus Erzählungen heraushören können, dass Johanna im Kindergarten durchaus auch draußen im Schnee gespielt haben will (muss man ja so glauben, wenn das Kind das erzählt), und schon, als wir im Auto auf dem Weg nach Hause waren, fragte sie, ob wir noch etwas raus in den Schnee gehen könnten.
Zu Hause angekommen war es erfreulicherweise überhaupt kein Problem mehr für sie, durch den mittlerweile (für unsere niederrheinischen Verhältnisse) wirklich tiefen Schnee zu stapfen, sie hatte sogar Spaß dabei und hat gelacht. 
Ich schätze, das gemeinsame Spiel mit den anderen Kindern im Kindergarten hatte therapeutische Wirkung. Mir soll es Recht sein.
Spiel im Schnee mussten wir leider aufgrund des anhaltenden starken Schneefalls und der gerade erst beendeten Viren-Pingpong-Partie auf morgen verschieben.
Ich hoffe, die weiße Pracht hält sich so lange, die Chancen dafür stehen aber recht gut, es soll nämlich arschkalt bleiben und morgen dazu schön sonnig werden.
Und dann werden wir mal sehen, wie Johanna sich tatsächlich nun im Schnee verhält.
Ich bin gespannt.



Kommentare:

  1. Hi Rebecca,

    öhm seid ihr eigentlich in einem speziellen Kindergarten oder was machen die Erzieherinnen wenn sie die Kleine berühren müssen ??

    Gruß Brigitte

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    1. Hi Brigitte,

      Zum Glück hat Johanna nur ab und zu diese Probleme, dass sie sich nicht anfassen lassen möchte. Im Kindergarten gab es damit bislang überhaupt keine Probleme, dort können die Erzieherinnen sie auch wickeln, auf den Arm nehmen, trösten etc. Johanna geht in einen Regelkindergarten, sie hat keinen I-Status, würde sie auch nicht bekommen.
      An sich ist sie ein "normales" Kind mit ein paar kleinen Besonderheiten, sag ich mal... ;o)

      Gruß,
      Rebecca

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