Sonntag, 30. Dezember 2012

Auf den letzten Drücker

Regelmäßig kurz vor Jahresende kann man bei mir ein mehr oder weniger amüsantes Phänomen beobachten: Ich verfalle in einen (für mich und meine Mitmenschen) anstrengenden Putz- und Umräumwahn
Dieses Jahr sogar auf die Spitze getrieben durch die spontane Wohnzimmerrenovierung/-veränderung.

Meist handelt es sich um ganz banale Geschichten, Dinge, die man an irgendeinem der vorangegangen rund 360 Tage längst hätte erledigt haben können, die aber immer wieder aufgrund der abstrusesten Gründe doch wieder verschoben werden mussten.
Ich kann das Schlafzimmer nun mal nicht aufräumen, solange dort noch das Bett drinsteht. Soll ich etwa drumherum räumen?
So etwas in der Art.
Oder anders ausgedrückt: Faulheit siegt.

Das war schon immer so.
Ich schätze, tatsächlich ist meine Faulheit dafür verantwortlich, dass ich ein Kaiserschnittchen war. Ich habe mich lieber zurückgelehnt und holen lassen, als selber was dafür zu tun, auf diese wunderbare Welt zu flutschen.
Dieser Charakterzug zog sich durch Kindheit, Schulzeit und Pubertät wie ein roter Faden. 
Aufräumen konnte irgendein anderer immer viel besser als ich, Hausarbeiten machten sich am besten morgens vor der Schule im Bus (jedenfalls in fortgeschrittenem Alter, in der Grundschule war ich brav), und für Klassenarbeiten/Klausuren habe ich erst gelernt, wenn der Lehrer bereits mit dem Aufgabenblatt neben mir stand.
Während sich Mitschüler monatelang an minutiös durchgeplanten Lernschematas durch die Abiturvorbereitung hangelten, schlug ich wenige (ich erinnere mich dunkel, es waren um die zwei) Wochen vor Toreschluss die Bücher auf und habe es trotzdem irgendwie geschafft. 
Und das gar nicht mal so schlecht, wie man nun vermuten könnte.

Ich bin so ein "auf-den-letzten-Drücker-Mensch"
Ich muss den Druck als Windhauch (nein, Orkan trifft es besser) im Nacken spüren. 
Dann, und fast nur dann, kann ich effektiv und gut arbeiten.

Dieser letzte Drücker wird richtig deutlich, wenn sich das Jahr dem Ende entgegenstreckt.
Plötzlich fallen mir unzählige Dinge ein, die ich längst erledigt haben wollte, Dinge, die ich nicht mit ins neue Jahr rüberschleppen möchte. Von den Altlasten befreien.

Das Wohnzimmer zum Beispiel. 
Es ist zwar noch nicht fertig, aber es hat endlich den schon oft thematisierten neuen Anstrich, die ersten frisch erworbenen Möbel stehen (die sich zum Glück nicht beißen mit den noch vorhandenen alten Möbeln), und den Rest bringt voraussichtlich der Januar. Wir reden ja nur noch von einem Möbelaustausch, den Bärenanteil, die Renovierung, haben wir - wie von mir erwünscht und erhofft - nun doch noch im alten Jahr erledigen können.

Oder unser Schlazimmer.
Irgendwo habe ich schon einmal kurz erwähnt, dass dieses unser Stiefzimmer ist, seitdem wir hier eingezogen sind. Vor gerade mal etwas über zwei Jahren. 
Immer noch halbe Abstellkammer für all das, was wir noch nicht unterbringen konnten. Zwischenlager für ausrangierte Johanna-Kleidung, die auf den nächsten Flohmarkt wartet. Und und und.
Kurz: Ein Nerv-Zimmer. 
Ich mag es nicht. 
Ich will es so nicht. 
Ich finde es schrecklich!
Seit Monaten nehme ich mir vor, da oben etwas zu ändern. 
Komplett neu geht nicht (auch wenn mir das am liebsten wäre), alles auf einmal schaffen wir finanziell nicht, anbauen können wir auch nicht, ist ja nur ne Mietwohnung, Umzug ist in Planung, dauert aber seine Zeit, wenn man entsprechende Ortswünsche und Ansprüche hat (obwohl mir das doch am allerliebsten wäre).
Somit bleibt nur, das Beste aus den vorhandenen Gegebenheiten zu machen.

Heute nun endlich, einen Tag vor Jahresende, hat es mich überkommen.
Mein Mann kam irgendwann zwischendurch mal verwundert nachschauen, wo ich denn abgeblieben war, während ich um- und ausräumte, Möbel verrückte, Dinge umorganisierte, mir den Kopf zerbrach, wie ich dieses oder jenes am besten lösen könnte, zwischendurch mitleid- und hilfesuchend aufstöhnte ob der schweren Mühen und Lasten beim Rücken und Räumen (vielleicht käme er ja von alleine auf die Idee, mit Hand anzulegen... aber nö...), und der in solchen Fällen obligatorische Rund-Um-Putz durfte natürlich auch nicht fehlen.

Am Ende war ich schwer zufrieden.
Nun kann man sich halbwegs wohlfühlen dort oben, und meine liebe Seele hat erst mal Ruhe.

Ich befürchte nur, irgendwann in den nächsten Tagen stellt sich die fast schon übliche Neujahrs-Unruhe ein, die meist zu Umräum- und Putzwahn führt, frei nach dem Motto: 
Alles neu im neuen Jahr.

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