Freitag, 16. November 2012

Zerreißprobe

Bettzeit.
Eh schon genervte Mama, weil Madame den ganzen Tag geheult hat, bringt eben jene Madame unter Protestgejammer Richtung Bett. 
Auf dem Weg kreuzt ein in feinste, kleine Schnipsel zerrissenes Buch ihren Weg.
Mal wieder.
Mama noch genervter.
Unter noch mehr Protestgeheule werden nun sämtliche Bücher aus dem Kinderzimmer entfernt. Außerdem muss eben jene Madame ihr zerstörtes Buch selber in den Müll befördern. Gefällt der Madame natürlich überhaupt gar nicht.
Noch mehr Protest.
Mamas Ohren drohen zu platzen.
Madame wird - immer noch protestierend - konsequent ins Bett befördert.
Genervte Mama atmet anschließend auf der Couch erst mal tief durch.

Eine höchst aktuelle Alltagssituation.
Schon früh ist uns aufgefallen, dass Johanna mit einer Engelsgeduld Taschentücher in erstaunlich gleiche, dünne Streifen zerreißt. Im Grunde hat sie damit angefangen, sobald sie sitzen und Taschentücher greifen und zerreißen konnte.
Damals fanden wir es höchst interessant und amüsant.

Das änderte sich, als zum ersten Mal die zugestellte Post dran glauben musste.
Bei dieser Gelegenheit lernte ich, geschredderte Unterlagen wieder zusammenzukleben. Puzzeln ist ein Witz dagegen.
Irgendwann stieg Johanna von Streifen auf Schnipselchen um.

Es geschieht nicht täglich, nicht mal wöchentlich, aber in regelmäßigem Abstand finde ich Häufchen feinster Papierschnipsel von irgendetwas irgendwo.

Heute nun ging das vorletzte Kinderbuch mit Papierseiten über den Jordan. Das Letzte existiert nur deshalb noch, weil es schon vor einiger Zeit aus Johannas Fängen befreit worden war.

Man fand es lange Zeit lediglich amüsant, seit man die Diagnose "sensorische Integrationsstörung" hat sieht man viele Dinge mit anderen Augen.
Und man beginnt sich zu fragen, ob solch eine stereotype Verhaltensweise - das Zerreißen von Papier - betrieben höchst konzentriert und mit einer Engelsgeduld zur normalen Entwicklung eines Kleinkindes gehört oder doch dieser Wahrnehmungsstörung geschuldet wird.

Vielleicht (hoffentlich) weiß unsere Psychologin mehr...

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