Donnerstag, 29. November 2012

Verpasster Moment

Kurz bevor ich die Tür ins Schloss zog, zögerte ich einen Moment.
Sollte ich die Kamera mitnehmen?
Ach nein, ich brachte die Madame ja nur kurz in den Kindergarten. Zeit, um groß auf die Pirsch zu gehen, hatte ich eh nicht.

Nachdem ich Johanna wohlbehalten abgeliefert und in den Dienst des Spiels gestellt hatte, ging ich zurück zum Auto.
Bei einem kurzen Blick zurück sah ich ihn: Groß, nein riesig, voll, und so nah über der Strasse, dass man den Eindruck gewann, ihn mühelos berühren zu können. Der Mond. Der volle, leuchtende Mond am Morgenhimmel. Das Bild perfekt machte ein bereits winterkahler Baum, der seine knorrigen Äste zum Erdtrabanten ausstreckte.

Noch während ich den Anblick bestaunte wanderte ein dickes, fettes "Scheisse!" durch meinen Kopf. 
Hätte ich doch mal die Kamera mitgenommen!
Den Gedanken, das Handy zu zücken, verwarf ich sofort wieder. Die Bilder sind einfach unterirdisch und kommen nicht in Frage, wenn zu Hause (ja, zu Hause, da liegt sie gut!) eine Spiegelreflexkamera wartet.

Eine schnelle Rechnung ergab maximal 20 Minuten, um zu Hause die Kamera zu holen und zurück beim Mond zu sein. Das war es wert, es zu versuchen, entschied ich.

Durch die Jagd auf das eine Foto getrieben fuhr ich unwesentlich schneller als erlaubt nach Hause, nicht ohne permanent einen Blick auf den Mond zu haben. 
Wehe, er macht sich noch dünne!

Ich flitzte die Stufen zur Wohnung hoch, schnappte mir dort angekommen meine Kamera und saß dann auch schon wieder im Auto.
Jedoch in diesen zwei Minuten in der Wohnung hat mir eine gigantische Wolkenfront kräftig in die Suppe gespuckt. Mond weg. Nichts mehr zu sehen. Ich fuhr trotzdem die Strecke zum Kindergarten zurück in der leisen, utopischen Hoffnung, er möge vielleicht wieder durch die Wolken blinzeln.
Aber nein. Natürlich nicht.

Nun sitze ich hier und schreibe meine verpasste Chance nieder, während ich das Bild dieses fantastischen Mondes noch im Kopf habe, und ich schwöre hiermit feierlich, dass ich nicht mal mehr den Müll runterbringen werde, ohne meine Kamera mitzunehmen. 

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