Dienstag, 20. November 2012

Untern Bus geraten

Der Titel trifft es perfekt.
Genau so fühle ich mich gerade. Als hätte ich eine äußerst unangenehme Begegnung mit einem Bus gehabt.

Ich bin normalerweise kein besonders wehleidiger Mensch, überhaupt nicht, ich gehe nur dann zum Arzt, wenn ich bereits auf allen Vieren hinkriechen muss und fraglich ist, ob ich überhaupt noch lebend ankomme, und Medikamente kenne ich so gut wie nur vom Hörensagen.

Aber irgendwann hört es auf.
Diese olle Erkältung - oder ist es gar ein grippaler Infekt? - entlässt mich einfach nicht aus ihren Klauen.
Eher im Gegenteil: Sie fühlt sich sauwohl bei mir und scheint nun noch Kollege Blasenentzündung vom lauschigen Plätzchen erzählt zu haben.

Wie ich darauf komme?
Vier Toilettenbesuche diese Nacht ab ca. 3 Uhr, quasi stündlich bis zum letztendlichen, entnervten Aufstehen.

Jeder einzelne Gang ein Highlight für sich.

Gegen 3 Uhr geht es los.
Mit verstopfter Nase, wohliger Wärme im Gesicht und leichtem Druck auf der Blase wache ich auf. Kurze Überlegungen, ob ich nun aufstehen soll oder doch lieber liegen bleibe werden vom stärker werdenden Druck beiseite gewischt.
Ich schwinge mich leicht tüddelig und somit gar nicht so beschwingt aus dem Bett und wanke die Wendeltreppe im Halbschlaf hinunter ins Wohnzimmer.
(An dieser Stelle zur Erklärung: Wir bewohnen eine Maisonettewohnung, Schlafzimmer liegt oben.)

Unten angekommen landet mein rechter Fuß in einer eklig schmatzenden, warmen, feuchten, bröckeligen Konsistenz. Mit katzengleichen Reflexen (so katzengleich, wie man eben morgens um 3 mit dicker Erkältung und im Halbschlaf sein kann, nämlich eher nilpferdartig) ziehe ich den Fuß augenblicklich zurück, verliere dabei die Restkontrolle über meinen Körper und lande mit meinem dicken Hintern auf der zweiten Stufe der Treppe.
Da sitze ich nun erst mal und werde mir klar darüber, dass ich gerade in Katerkotze getreten sein muß. 

Leicht angewidert humpelhüpfe ich auf eineinhalb Füßen in die Küche und entledige mich des Wiedergekäuten.
Flugs weiter aufs Klo und zurück ins Bett.

Eine Stunde später werde ich erneut sanft von meiner ICH-MUSS-MAL-schreienden Blase geweckt.
Noch tüddeliger, noch weniger beschwingt, noch halbschlafender wanke ich im Dunkel der Nacht erneut runter Richtung Klo.

Die Katerkotze. Diesmal mit links.
Schlagartig könnte ich selber wiederkäuen.
Stimmt, da war doch was. Bei meinem ersten nächtlichen Rundgang hatte ich gar nicht mehr daran gedacht, das Corpus Delicti zu entfernen.
Leicht entnervt hüpfe ich erneut in die Küche, säubere dieses Mal den linken Fuß, und bewege mich sofort mit jeder Menge Küchenrolle bewaffnet zurück ins Wohnzimmer. Nun muss die Blase nen Moment warten.

(Sagt man natürlich leicht als Außenstehender. Wenn man aber bereits seit gefühlten Ewigkeiten die Beine zusammenkneift, ist das ganz schön leichtsinnig.)

Ging gerade noch mal gut. Alles.
Inzwischen bin ich mittelmäßig genervt, als ich zurück im Bett bin. Die äußerst ausdauernde Schnarcherei meines Göttergatten verbessert die Situation nur bedingt. Der eigene Husten und die verstopfte Nase könnten mich just in diesem Moment zur Raserei treiben.

Ehrlich, es gibt für mich kaum was Nervigeres als eine Nase, durch die man keine Luft bekommt. Wenn dann mein Geräuschempfinden durch sonores Baumgesäge empfindlich gestört wird, der Husten meinen Körper schüttelt und ich in Gedanken noch in Katerkotze stehe, dann ist es einfach vorbei.
Ich muss mich stark beherrschen, meine akut aufflammenden Aggressionen nicht an meinem friedlich sägenden Mann auszulassen.

Irgendwie finde ich trotzdem wieder in den Schlaf, wache allerdings sowohl um 5 als auch noch mal um 6 auf, bevor dann um 7 der Wecker klingelt.

Tolle Nacht. Wirklich.
Meine Nase fühlt sich inzwischen an wie mit Schmirgelpapier bearbeitet. 10er Körnung.
Ich habe Muskelkater vom Husten, mein Gesicht ziert immer noch ein feiner Schweißfilm und die Toilette ist mein liebstes Örtchen (heute bekomme ich bestimmt das Buch zu Ende, an dem ich schon so lange lese - als bekennende Kloleserin).



Ich habe mir zum Frühstück nun erst mal die volle Dröhnung gegönnt. Doppelte Portion Aspirin Complex, bißchen Mucosolvan, Nasenspray, ausgewogenes Frühstück eben.

In Anbetracht der hinter mir liegenden Nacht kam es mir eben ganz gelegen, dass ich die Madame nicht um 8 in den Kindergarten bringen muss. Der fällt heute nämlich aus wegen anstehender U7a.

Vielleicht lege ich mich da gleich mal mit auf die Behandlungsliege... mit viel gutem Willen gehe ich doch fast noch als Kind durch, oder?

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