Donnerstag, 29. November 2012

Kreativspaß im Anmarsch

Eben klingelte der nette Postmensch und brachte gleich mehrere Paketchen, wie er es nannte.
Ausnahmsweise mal rein gar nichts für die Mama, sondern alles für die kleine Madame.

Wenngleich ich sicherlich ordentlich mit Hand anlegen werde.

Wir werden nämlich wieder mal kreativ.


Leinwände, Farben, Schmucksteine und Pinsel. 
Mal schauen, was Johanna daraus zaubern wird.
Ich werde auf jeden Fall berichten.
Und unseren Salzteig, der immer noch auf den Anstrich wartet, kann ich nun demnächst auch strahlend bunt präsentieren.

Als sei das nicht schon genug, ist auch noch die neue Filibox gekommen.

Ihr dürfte euch auf jede Menge bunte, schöne, ansehnliche Bastelergebnisse freuen... hoffe ich.

Verpasster Moment

Kurz bevor ich die Tür ins Schloss zog, zögerte ich einen Moment.
Sollte ich die Kamera mitnehmen?
Ach nein, ich brachte die Madame ja nur kurz in den Kindergarten. Zeit, um groß auf die Pirsch zu gehen, hatte ich eh nicht.

Nachdem ich Johanna wohlbehalten abgeliefert und in den Dienst des Spiels gestellt hatte, ging ich zurück zum Auto.
Bei einem kurzen Blick zurück sah ich ihn: Groß, nein riesig, voll, und so nah über der Strasse, dass man den Eindruck gewann, ihn mühelos berühren zu können. Der Mond. Der volle, leuchtende Mond am Morgenhimmel. Das Bild perfekt machte ein bereits winterkahler Baum, der seine knorrigen Äste zum Erdtrabanten ausstreckte.

Noch während ich den Anblick bestaunte wanderte ein dickes, fettes "Scheisse!" durch meinen Kopf. 
Hätte ich doch mal die Kamera mitgenommen!
Den Gedanken, das Handy zu zücken, verwarf ich sofort wieder. Die Bilder sind einfach unterirdisch und kommen nicht in Frage, wenn zu Hause (ja, zu Hause, da liegt sie gut!) eine Spiegelreflexkamera wartet.

Eine schnelle Rechnung ergab maximal 20 Minuten, um zu Hause die Kamera zu holen und zurück beim Mond zu sein. Das war es wert, es zu versuchen, entschied ich.

Durch die Jagd auf das eine Foto getrieben fuhr ich unwesentlich schneller als erlaubt nach Hause, nicht ohne permanent einen Blick auf den Mond zu haben. 
Wehe, er macht sich noch dünne!

Ich flitzte die Stufen zur Wohnung hoch, schnappte mir dort angekommen meine Kamera und saß dann auch schon wieder im Auto.
Jedoch in diesen zwei Minuten in der Wohnung hat mir eine gigantische Wolkenfront kräftig in die Suppe gespuckt. Mond weg. Nichts mehr zu sehen. Ich fuhr trotzdem die Strecke zum Kindergarten zurück in der leisen, utopischen Hoffnung, er möge vielleicht wieder durch die Wolken blinzeln.
Aber nein. Natürlich nicht.

Nun sitze ich hier und schreibe meine verpasste Chance nieder, während ich das Bild dieses fantastischen Mondes noch im Kopf habe, und ich schwöre hiermit feierlich, dass ich nicht mal mehr den Müll runterbringen werde, ohne meine Kamera mitzunehmen. 

Mittwoch, 28. November 2012

Alle Jahre wieder...

Es ist wie jedes Jahr um diese Zeit:
Man nimmt sich vor, die Weihnachtsdekoration anzubringen. Schließlich dauert es nun wirklich nicht mehr lange bis zum ersten Advent, und bis dahin sollte doch alles fertig sein.
Eigentlich ist man schon seit Wochen mit der Deko beschäftigt. Jedenfalls in Gedanken. Dabei ist es aber auch bisher geblieben. 
Aus Zeitmangel.
Aus Lustmangel.
Aus Mangel an irgendwas.
Eine Ausrede lässt sich immer finden.

Heute nun aber sollte es endlich soweit sein.
Völlig dekorationsenthusiastisch kam ich gegen 16.30 Uhr mit Johanna nach Hause.
(Wollen wir mal ehrlich sein: Eigentlich ist das etwa drei Stunden zu spät, um noch überhaupt irgendwas anzufangen.)

Und wie ich da nun mitten im Wohnzimmer stehe und mich um meine eigene Achse drehe, während ich abschätze, mir ausmale und berechne, wo ich was anbringen würde, wohin und wie lang ich welche Kabel dafür verlegen müßte (wird es vielleicht sogar nötig sein, Schlitze zu stemmen, Wände zu versetzen, die komplette Bude umzubauen?) wird dieses unbestimmte Gefühl von Unzufriedenheit immer größer und kämpft sich seinen Weg an die Bewußtseinsoberfläche.
Bevor ich hier irgendwas dekoriere, also schön mache, muss erst mal aufgeräumt, ausgemistet und grundgereinigt werden.

Völlig egal, wie aufgeräumt und sauber es zu diesem Zeitpunkt bereits ist, ich befinde mich in den Fängen eines inneren Zwanges. 
Ich muss aufräumen, ausmisten und grundreinigen, bevor ich dekorieren kann. 

Trotzdem begebe ich mich zunächst ins Schlafzimmer, in dem - so dachte ich jedenfalls - der Karton mit dem Weihnachtsschmuck auf seinen Auftritt wartet. Nachdem ich auch im letzten Winkel nachgeschaut und keine Kiste gefunden habe fällt mir wieder ein, dass ich irgendwann Mitte des Jahres meinen Mann mit den Sachen in den Keller geschickt hatte.
Meine Worte: "Das Zeug brauchen wir noch lange nicht und hier nimmt es nur unnötig Platz weg. Bringst du es bitte runter?"
Und zack, schon wieder Weihnachten.
So schnell kann es gehen.

Da meine Dekorationspläne nun erst einmal im Keim erstickt sind (ich kann Johanna unmöglich fünf Minuten alleine in der Wohnung lassen, um den Karton hochzuholen... obwohl... könnte ich wahrscheinlich schon, aber nö... Faulheit siegt), kann ich mich völlig ungeniert dem inneren Zwang ergeben und anfangen, Papiere zu sortieren, zu entsorgen, Bücher umzuräumen, Regale und Schränke zu säubern, Schubladen auszumisten und und und.

Jedes Jahr wieder übrigens ereilt mich mitten in solch einer Aktion akute Erschöpfung, weshalb ich ermattet auf die Couch sinke und einen Blogeintrag oder was auch immer schreibe, während die Wohnung um mich herum im Chaos versumpft. 
Offene Schubladen, halb aus- und umgeräumte Schränke und Regale, Bücherberge, die neu verräumt werden wollen, Papierstapel, die noch zu sortieren und abzuheften sind, mittendrin ein großer, blauer Müllsack für alles Überflüssige... die sprichwörtliche Bombe hat eingeschlagen.
Damit das niemandem auffällt gehe ich jetzt schnell weitermachen, und nachher, wenn mein Mann von der Arbeit kommt und hoffentlich auf dem Weg einen Abstecher in den Keller macht, um die Kiste mit hochzubringen (sofern er die entsprechende SMS gelesen hat), kann ich tatsächlich mit der Dekoration anfangen.
Oder morgen.
Auf jeden Fall aber noch vor dem ersten Advent.

Dienstag, 27. November 2012

Erstkontakt

Die erste Begegnung zwischen Johanna und ihrer neuen Therapeutin verlief - wie erwartet - äußerst positiv

Natürlich hatten meine Mama und ich sie wiederholt darüber informiert, dass wir am Nachmittag zu einer ganz lieben Frau fahren, bei der sie turnen und spielen kann, somit ging Johanna relativ entspannt und mit Vorfreude an die Sache ran.

Heute am Nachmittag stand nun die erste Sitzung bei der Ergotherapeutin an.
Es sollte nur ums Kennenlernen gehen.
Abchecken, wie die Chemie zwischen Johanna und der SI-Tante ist, und die SI-Tante (so nenne ich unsere Ergotherapeutin für die sensorische Integration nun einfach mal) wollte sich ein Bild davon machen, was Johanna schon kann, wo wir eigentlich stehen.

Im Übungsraum stürzte sich Madame sofort auf die ausgelegten Mal- und Bastelsachen und vertiefte sich zusammen mit Tine (die SI-Tante) in ein angeregtes Schneide- und Malspielchen. 
Große Herzen wurden ausgeschnitten und strahlend gelbe Sonnen mit niedlichen Gesichtern gemalt, während völlig nebenbei die Farben abgefragt wurden.

Lange hielt es Johanna an dem Tisch jedoch nicht aus, wartete mitten im Raum doch ein verlockendes Trampolin. Da sie sich auch zu Hause zur Zeit fast nur hüpfend vorwärts bewegt war ich eh schon erstaunt, dass Johannas erstes Gang nicht schnurstracks auf dieses Sportgerät geführt hatte.
Dafür aber nun.

Den Rest der Stunde zog es sie immer wieder auf das Hüpfding, zwischendurch wurden weitere Farben- und Formenspielchen gemacht, Wahrnehmungsgeschichten mit ner großen Wanne voller Bohnen, und es gab viel Geschnatter und Geplapper zwischen Johanna und Tine.

Insgesamt ein Start, wie er nicht hätte besser laufen können.
Besonders stolz wird man natürlich als Mutter, wenn man so nette Sachen gesagt bekommt wie:
"Da haben Sie aber wirklich ne süße Maus."
"Selten, dass ein Kind in dem Alter schon so gut die Farben und Formen zuordnen kann. Und wie sie Stift und Schere hält und damit umgeht. Klasse."
"Sprachlich ist Johanna aber auch auf Zack, hm?"
"Ängstlich ist sie aber gar nicht, oder? Sie traut sich ja jede Menge zu und probiert alles. Toll!"

Natürlich haben wir ein tolles Kind. Ist ja unseres.
Bestätigung tut dennoch gut.

Besonders erleichtert bin ich darüber, dass Johanna sich bei Tine wohlfühlt, dass es ihr Spaß macht, dass es sich für sie nicht nach "Therapie" anfühlt sondern sie zu einer Turn- und Spielstunde geht. So soll es sein.

Man macht sich als Mutter ja schon dauernd Gedanken, ob das alles so richtig ist, was man da für sein und mit seinem Kind in die Wege leitet. Ob man die richtigen Therapeuten wählt, ob sich das Kind dort wohlfühlen wird. 
Nicht, dass Johanna sich überfordert fühlt. Oder schlimmer noch: Traumatisiert wird. Im schlimmsten Fall kann das auch alles nach hinten losgehen.
Bisher habe ich in der Hinsicht alles richtig gemacht, behaupte ich einfach mal.
Johanna geht es gut
Johanna fühlt sich wohl
Und Johanna macht permanent Fortschritte
Wenn auch noch nicht dort, wo der eigentliche Knackpunkt liegt, nämlich beim Essen. Aber drumherum geht es in riesigen Schritten vorwärts.

Da mir sowohl in Köln als auch von Tine geraten wurde, parallel die Logopädie wieder aufzunehmen, habe ich unsere Logopädin heute angerufen. Sie muss sich Zeit für Johanna freischaufeln, aber das wird sie auch tun. Regelrecht enttäuscht war sie, dass Johanna immer noch nicht isst. Die übrigens freut sich schon wieder auf Taps, den Hund der Logopädin, der auch immer dabei ist. Noch so ne Stunde, die für die Madame nichts mit Therapie zu tun hat sondern Spiel und Spaß bedeutet. 
Somit auch für mich völlig in Ordnung, ihr diesen zweiten Termin in der Woche auch noch aufzubrummen. 
Damit muss es aber genug sein. 

Wäre doch gelacht, wenn wir unser Schätzeken nicht irgendwann noch ans Essen bekommen würden.
Spätestens in München... hoffentlich...

brandnooz Box - brandneue Lebensmittel!

Vor etwa eineinhalb Monaten bin ich auf brandnooz gestoßen, einem Portal, durch welches man neue Lebensmittel kennenlernen und testen kann.
Da ich Überraschungen mag, habe ich direkt mal die brandnooz Box für 9,99 Euro bestellt.
Monatlich kommt nun versandkostenfrei eine Box zu uns, gepackt mit neuen, teilweise (zumindest uns) noch unbekannten Lebensmitteln, deren Warenwert mindestens 10 Euro beträgt. Man setzt also prinzipiell kein Geld in den Sand.
Sind nun leider Lebensmittel enthalten, die man auf den Tod nicht ausstehen kann, gut, dann hat man Pech gehabt.
Aber da mein Mann und ich Allesfresser sind, ist diese Möglichkeit quasi nicht gegeben.

Heute nun ist unsere allererste brandnooz Box angekommen.
Ich liebe diesen Überraschungsmoment.



Was ich dann auspackte, erfüllte mich mit gemischten Gefühlen.
Zunächst: Es ist nichts dabei, was Ekel auslöst. Das ist schon mal gut.
Dafür ist vieles dabei, was ich im Laden vermutlich nicht mal beachtet, geschweige denn gekauft hätte. 
Aber genau das macht den Reiz aus. So lernen wir nun ganz neue Geschmackswelten kennen, teilweise zumindest. 
Wie Nudeln schmecken, wissen wir schon.


Als kleines Schmankerl obendrauf gabs noch dieses Meerrettich-Kochbüchlein (rechts im Bild) passend zur Meerrettich-Paste (vorne mittig das Glas mit dem roten Deckel). Stehen sehr interessante, sicherlich leckere Rezepte drin.

Insgesamt hat die Box nen Wert von etwas über 12 Euro, das passt also.

Uns gefällts. 
Daher wird sicherlich noch die ein oder andere Box den Weg zu uns finden. 

Montag, 26. November 2012

Vertrauen oder zweifeln?

Heute durfte ich unsere zukünftige Ergotherapeutin kennenlernen.
Elterngespräch stand an, bevor morgen Johanna in den Genuss des ersten Kennenlernens kommt.

Ich hatte berichtet, dass ich aus Köln endlich das "Go!" für die SI-Therapie bekommen habe, und erfreulicherweise haben wir eine Ergotherapeutin mit dieser Zusatzqualifikation im Nachbarort. Also nicht viel Fahrerei.

Die Therapeutin ist wirklich sehr nett, bei jedem zweiten meiner Sätze kam so etwas wie:
  • Ja, das kenne ich auch alles.
  • Ja, das war bei meiner Tochter ganz genau so.
  • Ja, das haben wir auch alles durch.
So oder so ähnlich.

Bezeichnenderweise hat sie eine heute zehnjährige Tochter, die ebenfalls eine ziemlich ähnlich gelagerte Wahrnehmungsstörung hat(te) und bei der es sich auch sehr extrem aufs Essen ausgewirkt hat. 
Bis heute. 
Sie isst zwar (mittlerweile) feste Nahrung (Gott sei Dank, sie ist zehn, wie gesagt!), aber nur sehr, sehr, seeeeeehr ausgewählt.

Die Chemie stimmt, das ist sicher.
Wobei ich mir aber so gar nicht sicher bin: Soll ich mich darüber freuen, dass ich an eine Therapeutin geraten bin, die 100%ig nachvollziehen kann, wovon ich rede und wie es uns als Familie damit geht, weil sie es selber erlebt hat? Oder sollte ich eher skeptisch werden, weil die Tochter der Therapeutin, die bei Johanna etwas in die richtige Richtung bewegen soll, selber diese Wahrnehmungsstörung gekoppelt mit der Essstörung hat(te) und bis heute nicht richtig austherapiert worden ist?

Ich weiß es noch nicht so genau.
Aber man darf gespannt sein, wie es weitergeht...

Genesung immer noch vermisst

Auch nach intensivsten Bemühungen ist es unserer Protagonistin - mir - bisher nicht gelungen, ihre Genesung wiederzufinden. Stattdessen ärgert sie sich nun zu ihrer bereits vorhandenen Bronchitis auch noch mit einer beginnenden Mittelohrentzündung herum.

Ehrlich, langsam reicht es mir.

Freitagmorgen ging ich ganz unbedarft zum Ohrenarzt, weil schwindendes Hörvermögen darauf hindeutete, dass eine Säuberung mittels Ministaubsauger von Nöten sei. 
Immer mal - etwa alle zwei Jahre - kommt das vor.
Kein großer Akt. Hin zum Doc, kurz den Staubsauger reingehalten, ab nach Hause. Fertig. 
Und die Öhrchen funktionieren wieder einwandfrei.

Freitag hingegen war mein Arzt gar nicht da. Während der letzten zwei Jahre, in denen ein Besuch meinerseits nicht nötig war, wurde aus der Praxis offenbar eine Gemeinschaftspraxis. An diesem Morgen traf ich nun auf die neu dort ansässige HNO-Ärztin. Sollte eigentlich kein Problem sein.

Öhrchen wurden schön sauber, meine Bronchitis nahm sie auch gleich unter die Lupe.
Im Vorbeigehen noch ne beidseitige Seitenstrangangina diagnostiziert. 
"Vom Hausarzt verschriebenes Antibiotikum lassen wir erst mal so weiterlaufen, dann noch ein schönes Wochenende!"

Ja.
Und das war dann mein Wochenende: Permanentes Fiepen im linken Ohr, dazu konnte ich immer schlechter hören. Ganz toll.

Heute morgen saß ich dann erneut bei meinem Ohrenarzt. Dieses Mal wirklich bei meinem Ohrenarzt. Er war wieder da.
Kurz den Fall geschildert, er runzelte ein wenig die Stirn und schaute mir dann in den Gehörgang.
"Ja, Frau K., da ist etwas Flüssigkeit hinter dem Trommelfell."
Guckt weiter.
"Das hat etwas geblutet und ist hinters Trommelfell gelaufen. Ich muss ihnen das aufstechen und die Flüssigkeit absaugen."

In Gedanken bildete ich noch die Worte "Trommelfell aufstechen" aus und war gerade zu dem Schluss gekommen, dass das schmerzhaft sein muss. Eine Idee von Vollnarkose schoss mir durch den Kopf. 
Ich muss den dazu passenden Gesichtsausdruck gemacht haben, denn mein Doc sagte dann zu mir: "Ich muss das leider aufstechen, sonst wölbt sich das Trommelfell vor, und das tut dann erst richtig weh."

Und schon verschwand er mit diesem fiesen Piekser in meinem Ohr.
Alter, das tut vielleicht weh! Viel lieber säße ich jetzt beim Zahnarzt!
Dass er anschließend noch mit dem Minisauger in meinem malträtierten Trommelfell rumwühlte, machte die Angelegenheit nicht gerade besser.

Anschließend, ich war schon halb vom Behandlungsstuhl geflossen, noch kurz im Vorbeiflug die Frage: "Sind sie eigentlich erkältet? Sie haben da ne beginnende Mittelohrentzündung. Ich verschreib ihnen mal ein anderes Antibiotikum, wir brauchen eins, das auch aufs Ohr wirkt."

Und wo stehen wir jetzt?
Links höre ich immer noch nicht viel, dazu tut es jetzt auch noch weh. Und fiept. 
Wehe, das geht nicht mehr weg! 
Aus meinen niedlichen Antibiotika-Pillchen sind wuchtige Dröhnungsbrummer geworden, die kaum durch den Hals flutschen wollen.
Ich bin bedient.

Ich habe wirklich keine Lust mehr auf dieses ganze Krankheitsgedöns.
Ich würde nun gerne wieder gesund werden. So richtig.

Sonntag, 25. November 2012

Die Angst vor dem Diktiergerät

Vor ein paar Tagen wurde mir schlagartig bewusst, dass ich im Auto, während ich fahre, die besten Ideen habe.
Ich hatte gerade Johanna in den Kindergarten gebracht und war auf dem Heimweg, als sich die wildesten Gedankenfäden durch meinen Kopf sponnen. Die Worte kamen wie von alleine und bildeten ausgeklügelte, phantastische Sätze, die wiederum eine phänomenale Story ergaben.
Ich schwelgte noch in Begeisterung über mich selber, als sich diese hitverdächtige Geschichte ganz langsam in Wohlgefallen aufzulösen begann. Die Sätze zerflossen zu Wörtern, und diese verschwanden im dichten Nebel des Vergessens.
Weg. Alles weg.
Das war nicht zum ersten Mal passiert.
Und interessanterweise passiert es meistens beim Autofahren.

"Hätteste jetzt mal ein Diktiergerät gehabt", dachte ich zum x-ten Male, und noch während ich den Satz im Kopf zu Ende formulierte, kroch von irgendwo ganz unten ein leises Gefühl des Unbehagens durch meine Glieder.
Das Diktiergerät.
Ich habe es noch nie gemocht, konnte mich nie damit anfreunden und habe es infolgedessen bisher nicht verwendet. Wenngleich ich mehr als einmal drüber nachgedacht habe, denn es ist einfach eine schnelle, effektive Methode, Gedanken spontan festzuhalten. 
Vor allem, wenn man gerade so gar keine Möglichkeit hat, zu Stift und Papier oder gar Notebook zu greifen.
Dennoch hielt mich bisher immer irgendetwas davon ab.

Nur was?
Mag ich meine eigene Stimme nicht hören?
Man kennt das ja. Hört man sich auf einem Anrufbeantworter oder sonst wo aufgenommen, sträuben sich einem beim Klang der eigenen Stimme die Haare, und die Zehennägel rollen sich hoch.
Mir geht es jedenfalls so.
Doch da sollte man eigentlich drüber stehen.

Oder ist es das unbestimmte Gefühl, dass die Ideen - einmal ausgesprochen - gar nicht mehr so gut klingen wie sie sich gedacht angefühlt haben? Dass sich die tolle Geschichte, von der man gerade noch so begeistert war, im Moment des Aussprechens in etwas Nichtssagendes, etwas Gewöhnliches verwandelt?

Was auch immer es ist, ich werde mich dem zunächst weiterhin beugen.
Stattdessen lege ich mir nun erst mal wieder ein schönes, wirklich schönes Notizbuch zu. 
(Oder lasse es mir schenken... Geburtstag... Schatz? Aber liniert! Nicht weiß, da wird alles krumm und schief und sieht doof aus!)
Dann muss ich eben Warnblinker setzen und rechts ranfahren, wenn es mich wieder überkommt. 
Oder lernen, die Gedanken so lange im Kopf zu behalten, bis ich sie aufschreiben kann, ohne dabei den nachfolgenden Verkehr zu behindern.

Bastelalarm!

Wir haben einen bastelreichen Sonntagvormittag hinter uns.

Zunächst haben wir uns zum ersten Mal in unserem Leben an Salzteig herangewagt.

2 Tassen Mehl
1 Tasse Salz
1 Tasse Wasser
1 Löffelchen Öl


So das Rezept, das ich im Internet gefunden habe.

Johanna hatte - ganz wie erhofft - keinerlei Berührungsängste und hat sich sofort auf den Teig gestürzt.


Nach ausgiebigem Befühlen, Ertasten und Erfahren haben wir tatsächlich auch etwas aufs Backblech bekommen.


Für den Anfang müssen die obligatorischen Hand- und Fußabdrücke reichen.
An die hohe Kunst des Salzteigens tasten wir uns bei einer der nächsten Sessions heran. 
Denn Weitere werden folgen, so viel ist sicher.
Wenn diese Teigmatscherei nichts mit Wahrnehmung und Förderung derselben zu tun hat, dann wohl gar nichts.

Bei 150°C in den Ofen, nach 45min soll der Teig angeblich hart sein.
Unser Werk ist nun seit sicherlich 90min der Hitze ausgesetzt und gerade mal an den Anfängen von "ausgehärtet sein" angelangt. 
Muss man sich wohl rantasten und ist vermutlich auch von Ofen zu Ofen unterschiedlich.













So mitten im Bastelfieber konnte es das bißchen Salzteig ja nicht gewesen sein.
Glücklicherweise war noch ein Bastelprojekt aus unserer letzten Filibox übrig.
Wie bereits hier und hier berichtet, hatten wir mit der Filibox, die wir im Oktober erhalten haben, jede Menge Bastelspaß.
Das dritte Projekt, die Raketenlaterne, ist aus Zeitmangel liegen geblieben. Bis heute.


St. Martin ist zwar längst vorbei, aber das stört ein bastelwütiges Kind nicht. Und mich auch nicht. Also frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk gemacht.
Bei dieser Bastelidee konnte Johanna noch nicht besonders viel machen mit ihren drei Jahren, aber sie hatte jede Menge Spaß bei der Resteverwertung, während die Mama die Laterne zusammensetzte. 
Auch eine tolle Form der Beschäftigung.


Nachdem die Rakete fertig war, stürzte sich Johanna mit Kleber bewaffnet auf ein großes, weißes Blatt Papier und klebte in Schnipseltechnik die Überreste auf. 

Natürlich nicht, ohne zwischendurch eingehend den Leim an den Fingern zu befühlen. 
Am Ende kam auch dabei ein recht ansehnliches Kunstwerk heraus, welches ich noch mit übriggebliebenem Glitzer der Raketenlaterne verzierte.
























Johanna ließ schlagartig St. Martin wieder aufleben und rannte Laternenlieder schmetternd mit der Rakete durch die Wohnung, bevor sie sie spontan zu einer Handtasche umfunktionierte. Eben doch ein typisches Mädchen. Nun werden ihre Bauernhoftiere darin von A nach B und zurück transportiert.

Wir hatten jedenfalls eine Menge Bastelspaß, und ich werde mit Sicherheit noch die ein oder andere Filibox zu uns nach Hause kommen lassen.



P.S.: Die fertigen Salzteigkunstwerke reiche ich natürlich noch nach, sobald sie bemalt sind. 

Samstag, 24. November 2012

Auf den Spuren der Tücher

Johanna hat ein Faible für Papier, Tücher und Papiertücher jeglicher Art.

Bevor wir mit den Therapien angefangen haben, ertrug sie so gut wie nichts am Körper, speziell an den Händen. 
Keine Krümel.
Keinen Sand. 
Keine Fingerfarben. 
Keine Knete. 
Die Liste ist schier unendlich erweiterbar um Dinge, die an den Fingern kleben bleiben können. 
Damals musste sowas sofort abgewischt oder - noch besser - abgewaschen werden, wollte man einem hysterischen Ausbruch vorbeugen.
(Nur zur Erklärung am Rande: Auch dieses Verhalten hatte nie etwas mit Trotz oder Ärgernwollen oder ähnlichem zu tun, solche Empfindungen bereiteten ihr schlicht in irgendeiner Form - so wurde es mir mal erklärt - körperliche Schmerzen, weil ihr Gehirn nicht in der Lage war, diese diffusen Reize zu verarbeiten. Für uns nur schwer vorstellbar, aber tatsächlich wahr.)
Anderenfalls wurde geschrien, getobt, geweint... tatsächlich bis zur Hysterie.

Man gewöhnte sich an, immer überall Tücher zu haben.
Zeitweise fühlte ich mich wie Monks Assistentin.

Inzwischen hat sich Johannas Körperwahrnehmung über die Zeit und die therapeutischen Maßnahmen derart verbessert, dass sie alles anfasst, mit allem rummatscht, knetet, kleistert, malt, und zwar mit den Händen, und das alles ist für sie das Normalste von der Welt.

Diese Problematik ist verschwunden, der Hang zu den Tüchern hingegen ist geblieben. 
Inzwischen erlerntes Verhalten, würde ich mal behaupten. Oder einfach eine Vorliebe. 

"Ich will mir doch nur die Nase putzen!", das ist einer ihrer Lieblingssätze.
Und schon verschwindet das nächste Taschentuch in Johannas Händchen.

Nicht selten finde ich eine Klopapierblattspur vor, ausgehend vom Badezimmer bis hinein in ihr Kinderzimmer. Die Gretel legt ihrem imaginären Hänselfreund eine Spur aus Toilettenpapier. Meist endet diese Spur in einer wüsten Anhäufung von Papierfetzen, Taschentüchern und Klopapier.



In den letzten Monaten muss unser Papierverbrauch auf den einer sechsköpfigen Familie angestiegen sein.
Das ein oder andere Mal hat mich sogar mein Mann schon gefragt, ob ich das Toilettenpapier eigentlich aufessen würde. So viel könne man sich den Hintern doch gar nicht abwischen.

Ich bin unschuldig.
Johanna wars!

Nicht selten muss ich mich ganz schön beherrschen, wenn ich mal wieder so einen Papierhaufen irgendwo vorfinde oder wenn sie sich das dreiundzwölfzigste Taschentuch nimmt, kurz im Vorbeiflug ihre Nase streift, es dann zusammenknüllt und in den Müll oder ihr Zimmer bringt.
Auf der anderen Seite ist eben genau das eine der Kleinigkeiten, eine der Macken, die Johanna so besonders und liebenswert machen. 
Und meistens entlockt sie mir mit ihrem Charme auch im größten Papierberg doch noch ein Lächeln.

Freitag, 23. November 2012

Ich darf testen! Volumensensation von Nivea?

Die freundin TrendLounge hat unter anderem mich als Testerin für die neue Nivea Volume Sensation Serie ausgewählt, und heute habe ich mein Päckchen beim DPD-Paketshop abgeholt.


Was ne Freude!

Seit der Schwangerschaft haben meine Haare ganz schön gelitten.
Früher waren sie dick, lang und schwer, den lieben Hormonen sei Dank sind sie heute deutlich weniger, deutlich feiner und deutlich dünner.
In manch dunkler Stunde weine ich meinen schönen Vorschwangerschaftshaaren immer noch nach.
Aber Opfer muss man bringen, nicht wahr?
Vielmehr "frau", welches Opfer bringt schon der Mann? 
Mann hatte seinen Spaß und hält nach zehn anstrengenden Monaten und ner noch anstrengenderen Geburt ein wunderschönes Baby in den Armen, während Frau nun nur noch Mutter ist. Bespuckt und auf Schlafentzug gesetzt wird, neben der Fassung auch die Haare verliert, die Figur vielleicht nie mehr wiederfindet... aber halt, ich schweife ab!

Zurück zum Thema:
Vielleicht halte ich hier ja nun den Heiligen Gral in Händen?!
Gezielte Pflege und doppeltes Volumen, so das wortreiche Versprechen von Nivea.
Doppeltes Volumen, das wär doch was!


Bekommen habe ich Shampoo und Spülung jeweils einmal in der Originalgröße, Styling Spray und Styling Mousse jeweils einmal ebenfalls in Originalgröße, und daneben noch jede Menge Proben vom Shampoo und der Spülung zum Weitergeben.
Als Bonbon ein bißchen neuer Klolesestoff, die aktuelle freundin
(Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben, an dieser Stelle zur Erklärung: Ich bin bekennende auf-dem-Klo-Leserin.)

Kann sich wahrlich sehen lassen, und ihr könnt euch sicher sein, das alles werde ich auf Herz und Nieren überprüfen!
Und natürlich über Erfolg oder (hoffentlich nicht) Misserfolg berichten.

Geduld ist eine Tugend

An manchen Tagen hole ich die Madame vom Kindergarten ab, und während wir Hand in Hand zum Auto gehen wird mir bereits klar: Das wird kein guter Tag.

Auf einmal ist der Bürgersteig nicht mehr Recht als erste Wahl des Weges, und Johanna will stattdessen lieber - wie kleine Kinder das eben gerne machen - einen Fuß auf dem Bürgersteig, einen Fuß eine Etage tiefer neben dem Bürgersteig laufen.
Das ist an sich überhaupt gar kein Problem, würde sie dem nicht schlagartig mit einem vehementen, weinerlich langgezogen "Nein, ich will doch DA laufen!" Ausdruck verleihen. Dabei schaut sie dich aus großen Schlafzimmerblickaugen an, die Mundwinkel sind leicht nach unten gezogen und zittern kaum merklich.
Das Gesicht und den Tonfall kenne ich schon zu Genüge.
Zeit zu flüchten.
Geht aber nicht, ist ja mein Kind, und wir wollen - nein, müssen - nach Hause.

Also ignoriere ich die Szenerie geflissentlich und lasse die Madame wortlos dort marschieren, wo sie marschieren will. Wenn es ganz schlecht läuft, verstolpert sie sich bei so einer Aktion, und dann ist der Tag bereits im Eimer, bevor er richtig angefangen hat.
Heute jedoch nicht. Heute lässt sie sich jede Menge Zeit für den Spannungsbogen und treibt es ganz langsam und genüßlich auf die Spitze.

Am Auto angekommen setze ich sie in den Kindersitz, was ich mit einem vernichtenden Blick quittiert bekomme. Zum Glück habe ich mir im Laufe der letzten zwei Jahre eine dicke Schutzhülle - ähnlich der Ozonschicht um die Erde - zugelegt, sonst wäre ich wohl an Ort und Stelle zu Staub zerfallen. Ich hatte ihren Plüschkater Tom einfach auf den Beifahrersitz gelegt, um sie anschnallen zu können. Grundgütiger!
"Nein, ich will doch meinen Tom haben!"

"Musik lauter machen."
"Noch lauter."
"LAUTER!"
"Du musst doch da lang fahren."
"Nein, DA lang!"
"Ist da ro-hot?"
"Bei Rot musst du stehen bleiben. Bei Grün darfst du fahren."
"Mama, ich will Brei essen."
"Mama, ich will Brei essen."
"Brei essen."
"Mama, ich will Brei essen."
"Mama..."

Mama macht die Musik lauter. Sehr viel lauter.
Die Fahrt vom Kindergarten nach Hause dauert lediglich 8 Minuten, aber diese 8 Minuten können an manchen Tagen eine ganze Ewigkeit bedeuten.
Über die Lautstärke der Musik werden wir uns dann grundsätzlich nicht einig. Johanna ist der Meinung, den besten Heimweg zu kennen und äußert sich dementsprechend laut und deutlich. Wiederholt. Auch die Ampelphasen bekomme ich an solchen Tagen detailliert erläutert, und wenn ihr bewußt wird, dass sie Hunger hat, dann ist man am besten schon zu Hause oder zumindest ganz kurz davor.

Die Treppe zur Wohnung rauf beweint sie bei jeder der viel zu zahlreichen Stufen ihr schmerzendes Bein. Sehr laut. Sehr langgezogen. Sehr sirenenartig. Ihr schmerzendes Bein schmerzt allerdings nur auf dieser Treppe, und auch nur, wenn sie dort hochgehen soll. Runter niemals, und auch auf jeder anderen Treppe ist sie - oh, Wunder - schmerzfrei. 
Ein Schelm, wer da Böses denkt.
Ohren auf Durchzug (sorry, Nachbarn), und ab nach oben, heulendes Kind dadurch am imaginären Seil hinter sich herziehend.

Zu Hause angekommen können wir beide erst mal durchatmen. Johanna, weil sie endlich ihren Brei bekommt. Und ich, weil heulendes Kind dank Brei nun für zehn Minuten der Mund gestopft ist und sich die Laune merklich bessert.

Allerdings nur kurz.
Bereits beim anschließenden Hintern-Service stört die Strumpfhose. Ist die Naht (dabei ist egal, welche Naht - ob nun am Fuß oder oben am Abschluss) nicht in einer Flucht mit was auch immer (ich konnte Johannas Kriterien noch nicht offen legen, sie bleiben mir ein Rätsel), dann ist das Geheule groß.
"Nein, die Strumpfhose ist doch nicht richtig!" weint's und wedelt mir mit dem Fuß vor der Nase rum. Ein bißchen Pseudogeziehe am vermeintlich schlecht sitzenden Stöffchen bringt Erleichterung. 
Ihr und mir.

"Ich will doch meinen Kittel anziehen."
Im Kopf rattere ich die ganze Wohnung runter. Kittel? Was für ein Kittel? Wir haben keinen Kittel?!
Weinender: "Ich will doch meinen Kittel anziehen!"
Im Kopf rattert es immer noch, während ich sie recht dümmlich, glaube ich, anschaue. 
"Mein Kittel. Ich will meinen Kittel." 
Inzwischen weint sie richtig.
Inzwischen bin ich richtig genervt.
Irgendwann erinnere ich mich an das rote Plastikdingens, das ihr gepasst hat, als sie etwa ein Jahr alt war und dafür gedacht war, die Kleidung beim Essen zu schützen. Und tatsächlich meint sie dieses rote Plastikdingens. Wiederholte Erklärungsversuche, dass wir diesen Kittel gar nicht mehr haben und er ihr doch auch gar nicht mehr passe, weil sie inzwischen ein großes Mädchen sei ("Nein, ich bin doch gar nicht groß! Ich bin doch klein!"), werden irgendwann geschluckt.

Mittlerweile ist der Tag soweit voran geschritten, dass Johanna mal wieder etwas essen möchte. Vanillejoghurt darf es dieses Mal sein.
Solche Tage sind prädestiniert für die Standortspielchen, wie ich sie mal nennen möchte. 
Die Schüssel darf nur genau dort stehen, keinen Zentimeter weiter rechts oder links. Ebenso verhält es sich mit Löffel, Trinkbecher und jedem anderen Utensil. Weicht etwas ab, wird das laut und weinerlich kundgetan. Tom ist beim Essen natürlich dabei, "will" aber heute liegen, wie dumm von mir, ihn einfach auf den Tisch zu setzen und zuschauen zu lassen.

Auch, wenn es nicht so aussieht, ich habe den Tag stark verkürzt dargestellt. Ich hätte noch unzählige weitere Beispiele für die Eigenarten meiner Tochter anbringen können. 
An solchen Tagen habe ich irgendwann den Papp auf, wie man hier sagt, mein Ohren klingeln und rauchen, und auf meinen Nerven spielen kleine, fiese Mini-Johannas Klavier.
Gedanklich feiere ich eine kleine Party, wenn es endlich heißt: Zeit fürs Bett!

Donnerstag, 22. November 2012

Schreib!

Damals, als ich noch jung und unverbraucht war, besuchte ich als unbedarfte Studentin die Uni in dem Bemühen, mir Germanistik und noch ein bißchen anderes Zeug anzueignen. 
Auf Magister - damals gab es den noch, so lang ist es schon her.
Lehramt wäre für mich nie in Frage gekommen. Zum allergrößten Glück jeden Schülers, der mir eventuell in die Finger hätte geraten können. 
Pädagogisch ungeeignet, so würde ich mich selber bezeichnen. 
Aber das nur am Rande.

Jedenfalls besuchte ich zu der Zeit auch - neben vielen anderen Seminaren - ein Seminar zum Thema "Kreatives Schreiben". Genau das richtige für mich. 
Besonders hängen geblieben ist eine Übung, um den Schreibfluss überhaupt erst mal in Gang zu setzen. Morgens, direkt nach dem Wachwerden, schnappe man sich Stift und Papier und schreibe 10 Minuten ohne Absetzen und am besten auch, ohne großartig nachzudenken. 
Die Worte einfach fließen lassen. 
Direkt nach dem Wachwerden deshalb, weil man noch mit keinem Medium in Kontakt gekommen ist, die Gedanken also unbeeinflusst vom Tagesgeschehen der Welt sind.
10 Minuten lang Buchstaben aufs Papier fließen lassen, ganz gleich, welche Buchstaben, nur Worte sollten sie ergeben. Und die Worte wiederum sollten irgendwelche sinnvollen Sätze ergeben. 
Kauderwelsch also bitte zu Hause im Kopf lassen. 
Abgesehen davon ist es völlig egal, was man schreibt. Hauptsache, man schreibt. 
Und wenn einem so rein gar nichts einfallen will, dann schreibt man eben, dass einem gerade so rein gar nichts einfallen will und dass das ganz schön doof ist, denn eigentlich möchte man ja irgendwann einmal - früher oder später - ein großer Schriftsteller sein (oder ein kleiner), und was für ein Schriftsteller wäre man denn, wenn einem keine Worte einfallen würden? 
Kein großer, so viel ist sicher.

Diese Übung ist toll.
Ich habe sie immer gemocht, wenngleich es anfangs ein ziemlicher Angang war, sich morgens - der Schlafdreck klebt noch in den Augenwinkeln - hinzusetzen und zwischen lediglich halb geöffneten Augen hindurch irgendwas aufs Papier zu schmieren.
Alles Gewöhnungssache.
Und man kommt wirklich in Fluss über die Zeit.
Auch das dauert zwar ne Weile, aber je länger und regelmäßiger man diese Übung praktiziert, desto einfacher und ungezwungener kommen die Worte aus einem heraus.

Vielleicht sollte ich das gedankenlose Schreiben wieder zu festem Bestandteil meines Morgens machen.
Gut, ich müßte dafür noch früher aufstehen als ich mich sowieso schon aus dem Bett quälen muss, seitdem die Madame in den Kindergarten geht, und das ist gerade für einen Morgenmuffel wie mich wirklich eine Qual. Von meinen Mitmenschen wage ich gar nicht erst zu reden. Die Armen.
Aber letztendlich geht es ums Schreiben. 
Um meinen - so pathetisch es auch klingen mag - Lebensinhalt. 
Mehr oder weniger. 
Meine Familie steht über allem, das ist klar. Aber direkt danach kommt die Schreiberei.
Ich war immer Schreiberling, ich bin Schreiberling (irgendwo, irgendwie, irgendwann), und ich werde immer Schreiberling sein. Ob nun erfolgreich oder nicht sei mal dahingestellt. Und ob irgendwer mein Geschreibe lesen möchte, darüber mache ich mir jetzt akut auch noch keine Gedanken, das zeigt die Zeit.

Eine weitere Übung aus dem Seminar kommt mir gerade in den Sinn: 
Das bewußte Begreifen und Beschreiben von Gegenständen.
Damals spazierte eine Horde bekloppt aussehender Studenten - ich mittendrin - zur Primetime über den Campus, begutachtete, befühlte, betastete, untersuchte, roch und lauschte an Laternenpfählen, Geländern, den Steinen auf dem Boden, Gras und Tümpel in der Umgebung und allen möglichen und unmöglichen anderen Gegenständen um uns herum. Dass wir nichts angeleckt haben war das einzige, was fehlte an Sinneserfahrungen. Angeregt tauschten wir uns aus über die unterschiedlichsten Möglichkeiten, den einen Laternenpfahl zu beschreiben und was für Synonyme es für "grau" und "rau" geben könnte, während sich diejenigen Studenten, die nicht zum Seminar gehörten, doch ziemlich augenscheinlich über uns amüsierten.
Das allerdings war völlig egal, denn wir erlebten dort gerade einen Aha-Moment, eine Schärfung der Wahrnehmung, um die uns jeder beneiden würde.

Was ist davon nun - 10 Jahre später - übrig geblieben?
Nicht allzu viel, fürchte ich.
Meine Sinne wurden im Laufe der Jahre entschärft.
Meine Sprache ist schwammig geworden. Viel zu oft ertappe ich mich dabei, wie ich Füllwörter verwende und lösche sie sofort beschämt.

Vielleicht sollte ich in meinen wenigen ganz freien Stündchen mal wieder raus an die Laternenpfähle gehen und mir Synonyme für "grau" und "rau" überlegen, während ich gleichzeitig darüber nachdenke, wie sich dieser Pfahl eigentlich anhört, wenn ich dagegen klopfe.
Und morgens nach dem Aufwachen schreibe ich darüber.
Oder über irgendwas anderes.
Hauptsache, ich schreibe.