Montag, 31. Dezember 2012

Ein etwas anderer Jahresrückblick

Gerade mit und durch Johanna ist viel passiert im Jahre 2012.
Legen wir los:

Januar
Ich freue mich einen Tag vor meinem Geburtstag darüber, inzwischen insgesamt 30kg abgenommen zu haben. Johannas Problematik und die damit verbundenen Alltagssituationen spitzen sich hingegen immer mehr zu. Essen, Baden, diverse andere banale Dinge werden zum Kampf. Nerven liegen blank.

Februar
Wir müssen uns von unserer langjährigen Begleiterin Shira trennen. Von Anfang an gab es Probleme, seit Johanna auf der Welt war. Eifersüchteleien, Angriffe etc. Wir haben es etwas über zwei Jahre lang versucht, ihr schwieriges Verhalten geduldet, uns bemüht, dem entgegenzuwirken, aber es wurde im Laufe der Zeit nur schlimmer. Shira wurde immer angriffslustiger, weder wir noch - und das war das allerschlimmste - Johanna waren sicher vor ihren Krallen und Zähnen. Ich habe gelitten, es tut mir heute noch weh, aber ich musste zum Wohle Johannas eine Entscheidung treffen. 


März
Johannas Problematik eskaliert. Nach einer leichten Erkältung verweigert sie ab sonntags jegliches Essen und Trinken. Dienstagmorgen wird sie ins Krankenhaus eingewiesen. Nicht mehr ansprechbar, völlig apathisch hängt mein lebloses Kind am Tropf, während ich sie weinend auf dem Arm habe. Ich bin inzwischen völlig verzweifelt, werde zudem noch doof angeguckt im Krankenhaus, als ich Bescheid gebe, dass man ihr Brei zubereiten möge, wenn sie denn irgendwann wieder etwas essen wolle. Ärzte und Schwestern kennen sich mit der Problematik nicht aus, sind überfordert, einzelne stellen mich als unfähige Mutter hin. Ich bin froh, als es Johanna nach einigen Tagen endlich besser geht, sie wieder isst, und wir nach Hause dürfen.


April
Konsequenz der Essenseskalation: Einweisung in die Uniklinik Köln. 
Erneut eine Woche Krankenhaus mit Untersuchungen und Gedöns, Johanna ist langsam regelrecht traumatisiert. Nach Gesprächen mit zahlreichen Spezialisten endlich, endlich, endlich eine umfassende Diagnose: sensorische Integrationsstörung (taktile Hypersensibilität), Interaktionsstörung (Schwerpunkt Essstörung). Endlich habe ich Begriffe für das, was mein Kind hat. Weiß, woher es kommt, verstehe, was mit ihr passiert in konkreten Situationen und und und.
Endlich!

Mai
Wir fahren regelmäßig nach Köln zu Terminen mit unserer Kinderpsychologin, eine umfassende Entwicklungsdiagnostik durch die Ergotherapeutin erfolgt. Viel Fahrerei, aber endlich fühlen wir uns verstanden und gut aufgehoben. Ich lerne Taktiken für problematische Situationen zu Hause, speziell für den Essensterror.
Ärgere mich nebenbei, dass nach einer gesamten Gewichtsreduktion von knapp 40kg es nun nicht mehr weitergeht, seit wir durch die Krankenhäuser ziehen. Habe keinen Kopf mehr für mich selber und meine Abnehmerei.

Juni
Ruhiger Monat. Der Alltag entspannt sich zusehends dank unserer ganzen Therapeuten. Johanna isst zwar immer noch nichts außer Grießbrei und Joghurt, aber der tägliche Kampf beim und ums Essen reduziert sich deutlich.

Juli
Es wird heiß, Baby.
Johanna spielt zum ersten Mal in ihrem fast dreijährigen Leben mit Sand.


Johanna setzt sich zum ersten Mal in ihrem fast dreijährigen Leben in ein Planschbecken und hat sogar Spaß dabei.


Und ganz nebenbei stellen wir fest, dass Pampers wirklich unfassbar viel Flüssigkeit aufnehmen können. Man beachte den Hintern.


August
Johanna startet problemlos in ihre Zeit als Kindergartenkind. Unsere Hoffnungen, dass sie in der Gruppe anfängt, "normal" zu essen zerschlagen sich allerdings relativ zügig. Stattdessen kann man vermehrt eine ganze Gruppe Kleinkinder beobachten, die die Narungsmittel nur noch anleckt, statt sie zu verspeisen. Auch Grießbrei steht plötzlich bei allen Kindern aus Johannas Gruppe wieder ganz hoch im Kurs.
Auf gut Deutsch: Ein Satz mit X. 
Wir bleiben bei Grießbrei und Joghurt.

September
Johanna ist so richtig im Kindergarten angekommen. Hat sogar schon ihre Mädchengang, bestehend aus vier kleinen Mädels. Zuckersüß!
Insgesamt ein sehr ruhiger Monat.
Immer noch Grießbrei und Vanillejoghurt.

Oktober
In Absprache mit heimischem Kinderarzt, Kinderpsychologin und Ergotherapeutin aus Köln, heimischer Logopädin stehen wir nun nach ausführlichem Erstgespräch mit dortiger Oberärztin auf der Warteliste fürs Kinderzentrum München. Mehrwöchige, stationäre Essverhaltens- und alles-drum-herum-Therapie. Zum Glück lässt sich solch eine spontane, mehrwöchige Abwesenheit mit meinem Job vereinbaren. Bin hin- und hergerissen zwischen "ich will nicht so lange von zu Hause fort, wie soll das nur alles werden?" und "endlich umfassende, vermutlich (hoffentlich) fruchtende rund-um-die-Uhr-Therapie!".
Meine an Alzheimer erkrankte Oma verstirbt Ende des Monats im Altenzentrum.

November
Johanna wird 3 Jahre alt.
Sie isst nichts von ihrem Geburtstagskuchen (darauf hatte ich beim letztjährigen Geburtstag so gehofft). Wir sind immer noch bei Grießbrei und Vanillejoghurt.
Konnte eine erneute Diagnostik bei der Ergotherapeutin in Köln durchsetzen und haben endlich eine SI-Therapie hier vor Ort verschrieben bekommen.
Habe außerdem meine Fühler Richtung Osteopathie ausgestreckt.


Dezember
Osteopathie, Ergotherapie und alles andere, was wir die letzten knapp eineinhalb Jahre so machen und versuchen, scheinen Früchte zu tragen.
Johanna traut sich das erste Mal in ihrem Leben auf ein Karussell. Unfassbar.
Noch unfassbarer: Johanna isst an Heiligabend Hühnersuppe. Ohne Stückchen. Unser Weihnachtswunder.
Grundsätzlich sind wir aber immer noch bei Grießbrei und Vanillejoghurt.
Doch man sieht deutliche Tendenzen in die richtige Richtung, und wir sehen voller Hoffnung in das neue Jahr und speziell auf die Therapie in München, die uns wohl direkt im Januar erwarten wird.


Bleibt mir nur noch zu sagen: 
Euch allen einen guten Übergang ins Jahr 2013.
Wir sehen uns nächstes Jahr an gleicher Stelle wieder. 

Sonntag, 30. Dezember 2012

Auf den letzten Drücker

Regelmäßig kurz vor Jahresende kann man bei mir ein mehr oder weniger amüsantes Phänomen beobachten: Ich verfalle in einen (für mich und meine Mitmenschen) anstrengenden Putz- und Umräumwahn
Dieses Jahr sogar auf die Spitze getrieben durch die spontane Wohnzimmerrenovierung/-veränderung.

Meist handelt es sich um ganz banale Geschichten, Dinge, die man an irgendeinem der vorangegangen rund 360 Tage längst hätte erledigt haben können, die aber immer wieder aufgrund der abstrusesten Gründe doch wieder verschoben werden mussten.
Ich kann das Schlafzimmer nun mal nicht aufräumen, solange dort noch das Bett drinsteht. Soll ich etwa drumherum räumen?
So etwas in der Art.
Oder anders ausgedrückt: Faulheit siegt.

Das war schon immer so.
Ich schätze, tatsächlich ist meine Faulheit dafür verantwortlich, dass ich ein Kaiserschnittchen war. Ich habe mich lieber zurückgelehnt und holen lassen, als selber was dafür zu tun, auf diese wunderbare Welt zu flutschen.
Dieser Charakterzug zog sich durch Kindheit, Schulzeit und Pubertät wie ein roter Faden. 
Aufräumen konnte irgendein anderer immer viel besser als ich, Hausarbeiten machten sich am besten morgens vor der Schule im Bus (jedenfalls in fortgeschrittenem Alter, in der Grundschule war ich brav), und für Klassenarbeiten/Klausuren habe ich erst gelernt, wenn der Lehrer bereits mit dem Aufgabenblatt neben mir stand.
Während sich Mitschüler monatelang an minutiös durchgeplanten Lernschematas durch die Abiturvorbereitung hangelten, schlug ich wenige (ich erinnere mich dunkel, es waren um die zwei) Wochen vor Toreschluss die Bücher auf und habe es trotzdem irgendwie geschafft. 
Und das gar nicht mal so schlecht, wie man nun vermuten könnte.

Ich bin so ein "auf-den-letzten-Drücker-Mensch"
Ich muss den Druck als Windhauch (nein, Orkan trifft es besser) im Nacken spüren. 
Dann, und fast nur dann, kann ich effektiv und gut arbeiten.

Dieser letzte Drücker wird richtig deutlich, wenn sich das Jahr dem Ende entgegenstreckt.
Plötzlich fallen mir unzählige Dinge ein, die ich längst erledigt haben wollte, Dinge, die ich nicht mit ins neue Jahr rüberschleppen möchte. Von den Altlasten befreien.

Das Wohnzimmer zum Beispiel. 
Es ist zwar noch nicht fertig, aber es hat endlich den schon oft thematisierten neuen Anstrich, die ersten frisch erworbenen Möbel stehen (die sich zum Glück nicht beißen mit den noch vorhandenen alten Möbeln), und den Rest bringt voraussichtlich der Januar. Wir reden ja nur noch von einem Möbelaustausch, den Bärenanteil, die Renovierung, haben wir - wie von mir erwünscht und erhofft - nun doch noch im alten Jahr erledigen können.

Oder unser Schlazimmer.
Irgendwo habe ich schon einmal kurz erwähnt, dass dieses unser Stiefzimmer ist, seitdem wir hier eingezogen sind. Vor gerade mal etwas über zwei Jahren. 
Immer noch halbe Abstellkammer für all das, was wir noch nicht unterbringen konnten. Zwischenlager für ausrangierte Johanna-Kleidung, die auf den nächsten Flohmarkt wartet. Und und und.
Kurz: Ein Nerv-Zimmer. 
Ich mag es nicht. 
Ich will es so nicht. 
Ich finde es schrecklich!
Seit Monaten nehme ich mir vor, da oben etwas zu ändern. 
Komplett neu geht nicht (auch wenn mir das am liebsten wäre), alles auf einmal schaffen wir finanziell nicht, anbauen können wir auch nicht, ist ja nur ne Mietwohnung, Umzug ist in Planung, dauert aber seine Zeit, wenn man entsprechende Ortswünsche und Ansprüche hat (obwohl mir das doch am allerliebsten wäre).
Somit bleibt nur, das Beste aus den vorhandenen Gegebenheiten zu machen.

Heute nun endlich, einen Tag vor Jahresende, hat es mich überkommen.
Mein Mann kam irgendwann zwischendurch mal verwundert nachschauen, wo ich denn abgeblieben war, während ich um- und ausräumte, Möbel verrückte, Dinge umorganisierte, mir den Kopf zerbrach, wie ich dieses oder jenes am besten lösen könnte, zwischendurch mitleid- und hilfesuchend aufstöhnte ob der schweren Mühen und Lasten beim Rücken und Räumen (vielleicht käme er ja von alleine auf die Idee, mit Hand anzulegen... aber nö...), und der in solchen Fällen obligatorische Rund-Um-Putz durfte natürlich auch nicht fehlen.

Am Ende war ich schwer zufrieden.
Nun kann man sich halbwegs wohlfühlen dort oben, und meine liebe Seele hat erst mal Ruhe.

Ich befürchte nur, irgendwann in den nächsten Tagen stellt sich die fast schon übliche Neujahrs-Unruhe ein, die meist zu Umräum- und Putzwahn führt, frei nach dem Motto: 
Alles neu im neuen Jahr.

Sie hat es schon wieder getan!

Ich hatte über unser ganz persönliches, wunderschönes Weihnachtswunder berichtet.

Johanna hat Heiligabend Hühnersuppe (ohne Stückchen) gegessen. 
Die erste Mahlzeit seit Jahren, die nicht Grießbrei oder Joghurt war.
Wir waren alle total hin und weg (sind es eigentlich immer noch), und heute hat sich bewahrheitet, was wir uns erhofft hatten: Es war keine Eintagsfliege!

Wir haben es uns heute einfach gemacht und ne olle Konservendose geöffnet. 
Hühner-Nudel-Topf, die wohl meistverkaufte Suppe der Welt. Natürlich kein Vergleich zu Oma Carmens selbstgemachter Hühnersuppe vom heiligen Abend, aber zu Testzwecken absolut ausreichend.

Und was soll ich sagen? Test bestanden!
Madame hat gelöffelt wie eine kleine Suppenweltmeisterin
Und damit nicht genug: Sie hat auch die ebenfalls konservenentsprungene Tomaten-Nudel-Fleischbällchen-Suppe gekostet. An das trübe, dickflüssige Zeug hat sich sich allerdings nicht mit ihrem Löffel herangetraut, sondern hat ein Brötchen unzählige Male eingetunkt und abgeleckt.
Bis das Brötchen quasi in seine Einzelteile zerfallen ist.

Ich freue mich wahnsinnig.
Ich schätze, wir werden nun erst mal zu Suppenkaspern mutieren und uns durch die bunte Suppenvielfalt probieren. Da man Suppen und Eintöpfe relativ problemlos selber machen kann, wird euch hier wohl demnächst das ein oder andere Rezept begegnen.
Oder habt ihr vielleicht sogar leckere, kindgerechte Ideen?

Als sei es mit diesen erneuten Miniwundern nicht genug gewesen, setzte Johanna zum Nachtisch noch einen drauf: Sie traute sich an ein völlig neues Eis heran. 
Bisher absolut eingeschränkt auf Vanille ohne alles (wen überrascht es?), nahm sie nun wie selbstverständlich ein abschreckend buntes Stieleis in die Hand und probierte es sogar. Mehrfach.


Aufgegessen hat sie es natürlich nicht mal ansatzweise, genauso wenig wie die Suppe, aber darum geht es auch überhaupt nicht.
Ich bin einfach total begeistert über Johannas Entwicklung und sehe mit allerbester Hoffnung nach München.

Samstag, 29. Dezember 2012

Hereinspaziert

Die liebe Sabrina von Starlights in the Kitchen 

(Toller Blog! Superleckere Rezepte, nette DIY-Ideen und ne flotte Schreibe sind immer einen Blick wert!)

zeigt Interesse an einem Einblick in unsere Wohnung.

Da will ich doch mal nicht so sein.
Da mein Konzept aber noch nicht in Gänze umgesetzt ist, hier nur eine fertige Wand
Erkennbar ist aber durchaus, in welche Richtung es im Wohnzimmer gehen soll:
Schwarzbraun, Weiß und etwas Grün.
Mir gefällt die Kombination total, und da man bei solch neutralen Grundfarben nicht auf Grün festgelegt ist kann ich ordentlich Farbe über Deko und Sonstiges reinbringen, falls ich mal keine Lust mehr haben sollte auf die Farbe der Hoffnung.
Der Balken da über dem weißen Regal ist übrigens Schoko Moko
Schmeckt aber gar nicht nach Schoko. 
Schade.


Hier noch der endlich wieder entchaotisierte Flur
Nun sieht man auch, dass wir ein Faible für alte Metallwerbeschilder haben. 
Oft stromern wir über Trödelmärkte oder suchen bei Ebay nach außergewöhnlichen Schätzchen - und freuen uns jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn wir wieder mal etwas Schönes ergattern konnten. 
Leider wird der Platz im Flur langsam knapp. 
Noch ein Grund mehr für den eigentlich angestrebten Umzug.



Zu guter Letzt ein Einblick in mein Leben, das Wichtigste überhaupt. Nach meiner Familie.
Bücher!
(Detailaufnahmen der fertigen Wand.)



Ich schätze, im Januar wird das Wohnzimmer fertiggestellt werden, und dann werde ich das Gesamtkunstwerk natürlich auch noch präsentieren.



Freitag, 28. Dezember 2012

Willkommen im Chaos!

Was kann man an den paar freien Tagen zwischen den Jahren Sinnvolleres, Schöneres, Entspannenderes  machen als zu renovieren?
Genau. 
Gar nichts. 
Meine Rede.

Somit verloren wir uns nach dem Frühstück im allerfeinsten Renovierungschaos.
Dabei stand nur das Wohnzimmer auf dem Plan.

Doch in einem bewohnten Wohnzimmer finden sich allerlei Möbel, Accessoires, Blümchen und Gedöns. 
Wen überrascht es?
Und das Zeug muss irgendwo zwischengelagert werden.

Hat man keine voll unterkellerte 240-Quadratmeter-Bude mit Anbau und Doppelgarage, sondern eine gemütliche Maisonettewohnung ohne direkten Zugang zu einem Keller (abgesehen davon ist das 4qm große Kellerchen, das zu unserer Wohnung gehört eh ein Witz und hätte nicht mal einen Bruchteil unserer Möbel aufnehmen können), dann lagert man das Wohnzimmer in die restliche Wohnung aus. 
Logisch, hm?

Chaos im Flur:



Chaos in der Küche:


Und da sich im Laufe der Jahre doch ein paar mehr Dinge angesammelt haben, als in einer winzigen Küche und einem annehmbar großen Flur Platz haben, findet sich natürlich auch ein
Restchaos im Wohnzimmer:


Noch während wir damit beschäftigt waren, das Zimmer für den neuen Anstrich vorzubereiten, wurde in mir eine Stimme laut, die mich entrüstet fragte, auf was für eine Schwachsinnsidee ich da eigentlich wieder gekommen war. 
Sie klang wie mein Mann, ich bin mir aber sicher, dass die Worte aus meinem Inneren kamen, möglicherweise kann ich aber auch einfach seine Gedanken lesen und forme sie in mir zu Lauten. 
Wer weiß das schon.

Ich meine auch, ihn des öfteren mal in seinen Bart brummeln gehört zu haben.
Sowas wie "Klar, wir streichen mal eben das Wohnzimmer.".
Oder "Was soll man auch sonst zwischen den Jahren machen?".

Meine Rede.
Sag ich ja!

Nach zwei Stunden waren die Vorarbeiten endlich erledigt.
Ehrlich, ich hasse Abkleben! 
Streichen macht Spaß. Wenn nur das dumme Abkleben nicht wäre.
Dann waren auch noch diverse Bohrlöcher von unzähligen Fehlversuchen zu stopfen - nicht, dass wir uns nun falsch verstehen: Ich habe nie gebohrt. 
Mein Mann, hauptberuflich Handwerker, hat immer mal wieder in den Wänden rumgestochert und sie Schweizer Käse angeglichen.
Keine Ahnung, wie genau das eigentlich passieren konnte.

Jedenfalls konnten wir nach zwei Stunden endlich mit der eigentlichen Aufgabe, dem Streichen anfangen. Zunächst hatten wir tatkräftige Unterstützung von Johanna.


Die hat sich nach kurzer Zeit jedoch lieber unter der Technik-Beschützer-Plane vor dem imaginären Tiger, der seit einigen Tagen unsere Wohnung unsicher macht, versteckt.



Auch ohne ihre Hilfe hatten wir den Raum zügig geweißt.
Oder vielmehr mein Mann.
Ich habe mit nem Pinsel die Ecken und Kanten bearbeitet (Mädchenarbeit), mein Mann hat den Rest erledigt (echter Kerl halt).
Zwischendurch habe ich irgendwie in der Chaosküche etwas Essbares zubereitet, das wir anschließend irgendwie im Chaoswohnzimmer wieder vernichteten.

Nachdem wir schlussendlich noch eine gute Stunde auf allen Vieren rumgekrochen sind und das gute Parkett von diversen Farbflecken befreit haben (mit Folie abdecken ist ja was für Weicheier) ist es inzwischen mehr als dunkel draußen, die Möbel stehen provisorisch an ihren nahezu angestammten Plätzen, die Wände erstrahlen in einem wunderbaren, lochfreien Weiß, und wir warten darauf, dass die Farbe durchgetrocknet ist, damit wir unsere schoko-moko-braunen Akzente setzen können.
Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, die Farbe heißt wirklich Schoko Moko. Angerührt von und mit Tim Mälzer. Was hat ein Fernsehkoch eigentlich mit Wandfarbe zu tun?
Ob die nach Schokolade schmeckt? Nachher mal testen.

Mal schauen, ob das heute noch was wird oder ob wir das doch lieber auf Morgen vertagen.
So wie ich mich und meine Kombination aus Ungeduld und Perfektionismus aber kenne gebe ich keine Ruhe, bevor das Zimmer nicht fertig gestrichen ist.
Sorry, Schatz!

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Schwedischer Möbelwahnsinn

Ich gestehe: Ich liebe die Möbel von IKEA. Die meisten jedenfalls. 
Auch im gelb-blauen Möbelhaus kann man den berühmt-berüchtigten Griff ins Klo tätigen, aber als regelmäßiger IKEA-Gänger kennt man seine Pappenheimer. 
Weiß, was man kaufen kann und was man lieber stehen lässt.

Gestern noch sagte ich beim leckeren Abendessen zu meiner Schwägerin, dass wir morgen (also heute) das wohl Dämlichste machen werden, was man einen Tag nach Weihnachten machen kann: Ein Besuch im schwedischen Möbelhaus.

Aber wenn ich eine Idee habe, dann muss ich die umsetzen. Am besten gestern. 
Befürchtungen und Erfahrungen werden unbeachtet liegen gelassen, allen Unkenrufen zum Trotz fährt man. Komme da, was wolle.

Vorgestern nämlich überlegte ich mir, das ein oder andere Möbelstück fürs Wohnzimmer zu kaufen. 
Oder eher: Das Wohnzimmer komplett neu zu gestalten. 
Um umsetzen zu können, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, müssen allerdings diverse Möbelstücke (vornehmlich die schwarze Couch) verrückt werden. Somit werden schmutzige Stellen und Bohrlöcher von Fehlversuchen in der Wand sichtbar, also fragte ich meinen Mann, ob wir denn nicht "eben" noch das Zimmer renovieren sollen, bevor wir die neuen Möbel reinstellen. Und wenn wir schon mal am streichen sind... Akzentstreifen in nem netten Braun oder so wären ja auch nicht schlecht. 
Nun haben wir ausnahmsweise mal ein paar Tage gemeinsam frei, Geld ist auch grad vorhanden für solche ungeplanten, sehr spontanen Käufe, die perfekte Gelegenheit. Hm, Schatz?
Meinem Mann sprang die Begeisterung förmlich aus dem Gesicht, sogar im wohlverdienten Urlaub muss der arme Handwerker ackern, aber er sagte lapidar: "Können wir machen."

Heute nun hatten die Geschäfte endlich (!) wieder geöffnet, und nachdem wir uns im Baumarkt alles Nötige für die Renovierung besorgt hatten fuhren wir weiter zum geliebten Möbelhaus.

Wir waren noch ein gutes Stück entfernt, da verdichtete sich der Verkehr bereits merklich.
Als nächstes stellten wir fest, dass unser IKEA einen Zusatzparkplatz (die Ausweichmöglichkeit für die ganz harten Tage) geöffnet hatte, und uns schwante nichts Gutes.
Mein Mann - ganz Optimist - fuhr trotzdem auf den Hauptparkplatz, und wir sahen uns mit Verkehrskadetten konfrontiert, die auf dem Parkplatz den Verkehr regelten und die Besucher in die richtigen Parkzonen einwiesen.
Verkehrskadetten. Ich habe noch nie bei IKEA Verkehrskadetten den Verkehr regeln sehen!
War aber gut, dass die da waren, so fanden wir zügig und recht nah am Haupteingang tatsächlich einen freien Parkplatz.

Im Haus wurden wir lautstark von einer Hausband begrüßt, die auf selbstgemachten Instrumenten (aus IKEA-Produkten, hauptsächlich Abteilung "Küchenzubehör") schmissige Musik zum Besten gab. Nur die Gitarre war wohl mitgebracht worden. Sehr cool!

Am Aufzug hieß es Schlangestehen.
Treppe war leider nicht wirklich möglich, weil wir Johanna wegen der drohenden Menschenmassen bereits am Auto in den Buggy verfrachtet hatten. Zum Glück! Ich glaube, die wär sonst völlig ausgetickt in dem Laden. Dank ihrer Sicherheitszone blieb sie erstaunlich gelassen, entspannt und gut gelaunt.

Wir schoben uns mit dem Strom durch den Laden, schafften es tatsächlich, an den für uns wichtigen Stationen auszubrechen und Halt zu machen und erreichten so nach gefühlten Ewigkeiten (und dem obligatorischen Köttbullar im Restaurant) die Kassenzone, wo uns erneut freudig strahlende Verkehrskadetten erwarteten, um den Kassenverkehr zu regeln.
Ach nein. IKEA-Angestellte. Aber in derselben Funktion.

Weitere gefühlte Ewigkeiten später waren wir viel zu viel Geld los und standen an unserem Auto. Mal wieder schauten wir mitleidig rüber zu den Corsa- und Micra-Fahrern, die krampfhaft versuchten, irgendwie diesen achttürigen Kleiderschrank oder den Schuhschrank für mindestens 300 Paar Schuhe in die Kofferklappe (Kofferraum kann man das ja nicht nennen) ihres Wägelchens zu bugsieren, während wir entspannt unseren Van beluden.
(Schatz, nachdem wir ja nun heute wieder das Thema hatten: Nein, ich kann mich doch nicht mit nem Kombi anfreunden. Ich mag unseren Van!)

Inzwischen sind einige Stunden vergangen, die Möbel haben wir im Schweisse unseres Angesichts aufgebaut, dafür musste (dieses Jahr wirklich extrem früh) der Weihnachtsbaum bereits weichen, und nun sitze ich hier, schaue mich um und bin schwer zufrieden. 

Morgen nun wird renoviert.
Ja, hätte man vielleicht andersrum erledigen können und sollen, aber so ist das, wenn man spontan ist. 
Denken kommt erst hinterher.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Kindermund

Johanna sitzt in der Nase popelnd am Tisch.

Weltbeste Oma fragt sie: "Sollen wir mal die Nase putzen?"

Johanna (entrüstet weiterpopelnd): "Nein, ich bin doch was am suchen!"


Partytopf "Alles drin!"

Nachdem wir uns nun zwei Tage bei diversen Verwandten durchgefuttert haben, war heute ich an der Reihe mit Verköstigung der Lieben.

Ich gestehe, ich habe es mir einfach gemacht.
Und ich habe auch nicht nach Rezept gekocht, sondern freestyle in den Topf geschmissen.
Was dabei aber rausgekommen ist, war saulecker und muss einfach für die Nachwelt (und euch) festgehalten werden.

Um eine ganze Kompanie satt zu bekommen braucht ihr folgendes:

1kg Hackfleisch (ich habe Gemischtes von Schwein und Rind genommen)
2kg Kartoffeln
1kg Lauch (TK)
1kg Paprika (TK)
1kg Champignons (TK)
500g Zwiebeln (TK)
250ml Sahne
250g Crème fraîche
200g Kräuterfrischkäse
1Liter Gemüsebrühe (angemischt)
1 großzügiger EL Senf (mittelscharf)
Salz, Pfeffer, Gemüsebrühe (trocken), Thymian und Bohnenkraut nach Geschmack und Bedarf (oder anders ausgedrückt: frei Schnauze)

Normalerweise koche ich frisch. 
Bei diesem Eintopf habe ich es mir nun einfach gemacht, und ich bin der Meinung, dabei kann man relativ guten Gewissens auf Tiefkühlgemüse zurückgreifen. 
Außerdem hatte ich keine Lust, diese Mengen von Hand zu putzen und zu schnibbeln.
Nur die Kartoffeln, die müssen natürlich frisch sein, und da kommt man ums Schnibbeln leider nicht herum.

Man nehme sich einen großen, wirklich großen Topf. 
In diesem Fall wars ein 10-Liter-Eimer.
Das Hackfleisch schön anbraten, das ganze Gemüse (außer den Kartoffeln) draufschmeißen und mit dem Liter Gemüsebrühe auffüllen.
Nun heißt es erst mal Geduld bewahren, denn bis diese Menge heiß ist und vor sich hin kocht, das dauert.
Die Kartoffeln kleingeschnibbelt (wir hatten Würfel) mit dazu und wieder warten.
Das Ganze muss nun etwa 20 Minuten kochen, bis die Kartoffeln gar sind.
Man verfeinert mit Sahne, Crème fraîche, Frischkäse, Senf und Gewürzen, bis es schmeckt.


Ich bin erst auf die Idee gekommen, das ganze bildlich zu dokumentieren, nachdem die Meute das erste Mal über den Topf hergefallen war. 
Daher sieht das Ganze schon etwas abgegrast aus. 
Und ist auch nicht sehr dekorativ angerichtet. 


Sehr einfach, relativ schnell gemacht, extrem lecker. 
Perfekt als Partytopf, wenn man viele Mäuler auf leckere Art und Weise zu stopfen hat.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Selbstgemachtes für die weltbeste Oma

"Ich will auch so eins!" hatte die weltbeste Oma gejammert, als sie Johannas Kunstwerke (zum Beispiel dieses) eines nach dem anderen via Blog präsentiert bekam.

Und siehe da: Das Christkind hat sie erhört!

Ganz spontan hat Johanna sich heute Morgen erneut künstlerisch betätigt.


Ich lasse ihr dabei weitestgehend freie Hand
Sie soll sich ja entfalten und ausleben können. 
Manchmal lebt sie sich auch auf dem guten Parkett aus, oder sie entfaltet sich zu sehr im Wasserpott und weniger auf der Leinwand, aber nu ja, ich schätze, das gehört zum Prozess dazu.


Nach und nach entstand wieder mal ein schönes, buntes, ziemlich expressionistisch angehauchtes Bild.

Alles unter dem wachsamen Blick von Kater Eddy.


Zwischendurch gab es vereinzelte Einwürfe meinerseits wie 
"Wie wärs da oben mit ner Sonne?" 
oder 
"Wollen wir da an die Seite einen Baum malen?"
Das Ergebnis seht ihr auf dem fertigen Bild.
Außer meinen Worten habe ich nichts dazu beigetragen.


Anschließend durfte sie sich dann noch mit den Fingerstempelfarben und ihren Fingerchen austoben, hier und da nen Schmuckstein aufgeklebt (natürlich nach Johannas Anweisung) und siehe da. 
Fertig!


Die weltbeste Oma hat sich tierisch gefreut. 
Das wiederum hat uns tierisch gefreut.
Somit waren wir alle tierisch erfreut, und der sehr gemütliche Weihnachtsnachmittag/-abend in ganz kleiner Runde bei meiner Mama war tierisch schön.
Und lecker!

Der Obstgarten von Haba

Schon lange bin ich um ein schönes Gesellschaftsspiel für Johanna herumgeschlichen. 
Beziehungsweise habe eines gesucht, wodurch sie ein erstes Verständnis für Regeln erlernt, wir uns aber auch nicht langweilen, wenn wir mit ihr spielen.

Letztendlich landete ganz klassisch der Obstgarten von HABA unterm Weihnachtsbaum.
Allerdings in der Jubiläumsbox aus Metall.


Diesen Kauf hat das Christkind sicherlich nicht bereut.

Sehr liebevoll gestaltet, wie man es von HABA gewohnt ist, kommt ein tolles Spiel schon für ganz Kleine daher.
Empfohlen ab 3 Jahren verstand auch Johanna auf Anhieb, worum es geht.


2 bis 8 Spieler spielen gemeinsam gegen den Raben, der aus neun Puzzleteilen besteht. 

Abwechselnd wird gewürfelt, und je nachdem, welche Farbe gezeigt wird, darf man sich eine Pflaume, eine Birne, einen Apfel oder ein Kirschenpärchen vom Baum pflücken und in seinem Körbchen verstauen. 
Würfelt man das Rabensymbol, wird ein Puzzleteil gelegt, 
würfelt man das Körbchensymbol, dürfen sogar zwei Früchte nach Wahl gepflückt werden.

Der Clou: Es ist ein kooperatives Spiel. Entweder gewinnen alle gemeinsam gegen den Raben (wenn das ganze Obst gepflückt wurde, bevor der Rabe in voller Puzzlepracht erstrahlt) oder es gewinnt niemand, weil der Rabe sich das Obst schnappt (wenn das Puzzle fertig ist, bevor die Bäume leergepflückt worden sind).

Farben und Symbole, erste Regeln, gemeinsames Spiel, all das wird auf spielerische, unterhaltsame Weise gelernt.

Selbst wir Großen langweilen uns nicht. 
Außer vielleicht mein Mann, aber den langweilt so ziemlich alles, was nicht mit einem Controller gespielt wird.

Von mir zig Daumen hoch, absolute Kaufempfehlung! 

Montag, 24. Dezember 2012

Das allerschönste Weihnachtsgeschenk!

Wir hatten einen ganz wunderbaren, familiären Weihnachtsabend mit meinem Bruder und dessen Freundin, deren Bruder und Oma, und neben meinem Mann, Johanna und mir war auch meine Mama, weltbeste Oma, mit von der Partie.

Kleine, überschaubare, aber sehr feine Runde.

Da es, abgesehen von Johanna, keine Geschenke gab, lag der Fokus ganz auf dem gemütlichen Beisammensein und dem unglaublich leckeren Essen.
Carmen, super Filet! Also das ohne Früchte, du weißt schon. Lecker!

Wir schenkten uns untereinander wie gesagt nichts, trotzdem bekam ich 
das wunderschönste, allertollste, unglaublichste´Weihnachtsgeschenk überhaupt.
Ein Geschenk, das mir niemand anderes als eben diese Person hätte machen können.


Hier sehen wir Johanna, wie sie (Carmen's) Oma's selbstgemachte Hühnersuppe löffelt.

Jawohl, sie isst Hühnersuppe!

Natürlich nicht die Stückchen, sondern sie schlürft nur die Brühe, aber was solls!? 
Sie isst etwas anderes als Grießbrei!
Ich musste mehrmals hinschauen, konnte es erst gar nicht glauben, aber es ist tatsächlich passiert. Gott sei Dank haben wir ein Beweisfoto. Und waren alle Herren und Frauen unserer Sinne, als es geschah. Sie hat tatsächlich Hühnersuppe gelöffelt.
Nicht nur einen Löffel, sondern so viel, dass sie kein anderes Abendessen - also keinen Brei - mehr brauchte.
Es ist einfach unfassbar.

Unsere Osteopathin bekommt auf jeden Fall noch eine spezielle Weihnachtsmail von mir. 
Ich vermute einfach mal, dass sie so einiges mit der Entwicklung zu tun haben wird. Genau wie unsere Ergotherapeutin.

Ich kann es immer noch kaum glauben...